Russlands Schattenkrieg: Was Europa bedroht
Russlands Schattenkrieg gegen Europa eskaliert: Drohnen, Sabotage, Cyberangriffe. Expertin Ulrike Franke erklärt, was Deutschland droht und wie verletzlich Europa ist.
Dieses Video wurde am 21.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Russland führt seit Längerem einen Schattenkrieg gegen Europa – mit Drohnen, Sabotageakten, Cyberangriffen und Desinformationskampagnen. Das betont Ulrike Franke, Expertin für Verteidigungspolitik, mit Nachdruck. Während der militärische Krieg gegen die Ukraine geografisch weit entfernt wirkt, treffen hybride Angriffe längst europäischen Boden. Gleichzeitig verliert Europa an diplomatischem Gewicht: Bei Friedensgesprächen zwischen den USA, Russland und China bleibt der Kontinent weitgehend außen vor – obwohl er die Hauptlast der Unterstützung für die Ukraine trägt.
Europa am Rand der Friedensverhandlungen
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges behandelt Wladimir Putin Europa nicht als ernstzunehmenden Akteur. Auch die US-Regierung unter Donald Trump lässt europäische Partner bei zentralen Gesprächen außen vor. Deutschland war beim Treffen in Oslo lediglich per Video zugeschaltet, während ein direktes Gipfeltreffen zwischen Trump, Putin und dem chinesischen Staatschef Xi am Rande des APEC-Gipfels geplant scheint.
Franke betont jedoch: Ein dauerhafter Frieden oder Waffenstillstand ist ohne Europa nicht umsetzbar. Denn die Europäische Union kontrolliert wesentliche Instrumente – allen voran die Sanktionen gegen Russland. Deren Aufhebung liegt nicht in Washingtons Hand. Zudem sind europäische Truppen für mögliche Absicherungsmissionen unersetzlich. Wenn es um konkrete Schritte geht und nicht nur um große Ankündigungen, werde Europa zwingend am Verhandlungstisch sitzen müssen.
Der Schattenkrieg Russlands gegen Deutschland
Parallel zur diplomatischen Marginalisierung Europas eskaliert Russlands hybride Kriegsführung. Franke nennt eine besorgniserregende Häufung von Vorfällen: Allein im Oktober wurden sieben Schiffe in den exklusiven Wirtschaftszonen Rumäniens und Bulgariens angegriffen – mit zwei Toten und mehreren Verletzten. Dazu kommen Drohnenfunde über deutschem Territorium und Anschläge auf Infrastruktur wie den Vorfall am Leipziger Flughafen.
Die Bandbreite russischer Mittel ist breit:
- Cyberangriffe auf kritische Systeme
- Sabotageakte gegen Energieinfrastruktur und Rüstungsbetriebe
- Desinformationskampagnen in sozialen Medien
- Drohnenüberflüge über militärisch relevante Gebiete
- Brandanschläge auf Munitionsfabriken in Europa
Franke macht deutlich: Dieser Schattenkrieg ist keine abstrakte Bedrohung. Er findet bereits statt – und intensiviert sich. Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sollten aufhören, den Krieg als etwas weit Entferntes zu betrachten.
Drohnenschutz: Lücken und Grenzen
Nach dem Vorfall am Leipziger Flughafen warnt die Bundeswehr vor weiteren russischen Anschlägen – auch gegen militärische Installationen wie Kasernen, Flugplätze oder Bahnknotenpunkte. Franke ordnet das differenziert ein: Angriffe auf solche Ziele wären ein deutlich direkterer militärischer Akt und stünden daher nicht ganz oben auf der Liste wahrscheinlicher Szenarien. Wahrscheinlicher bleiben Attacken auf sogenannte weiche Ziele – also zivile Infrastruktur wie Energienetze oder Industrieanlagen.
Einen flächendeckenden Drohnenschutzschirm über Deutschland gibt es nicht – und kann es nach Einschätzung der Expertin auch nicht geben. Zwar wurden in den vergangenen Monaten mehr Drohnendetektions- und Abwehrsysteme eingesetzt und die Bedrohung ernster genommen. Doch Russland passt seine Angriffsmethoden kontinuierlich an. Sobald eine Schwachstelle geschlossen ist, weichen die Angreifer auf andere Mittel aus – mehr Cyberangriffe, neue Sabotageformen, weitere Brandstiftungen.
Europa muss sich selbst schützen
Die zentrale Schlussfolgerung aus Frankes Analyse ist ernüchternd: Europa steht in der Sicherheitspolitik zunehmend allein da. Die Trump-Administration ist kein verlässlicher Partner mehr. Das bedeutet, dass der Kontinent viele sicherheitspolitische Herausforderungen künftig eigenständig bewältigen muss – von der Drohnenabwehr über den Schutz kritischer Infrastruktur bis hin zur strategischen Abschreckung gegenüber Russland.
Die größte Schwierigkeit besteht darin, dass Schutzmaßnahmen stets reaktiv sind: Man müsse quasi alles gleichzeitig sichern – und Russland sei klug genug, immer neue Angriffsvektoren zu suchen. Europa braucht daher keine punktuellen Lösungen, sondern eine umfassende, abgestimmte Sicherheitsstrategie – und den politischen Willen, diese auch zu finanzieren und umzusetzen.
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