Dieses Video wurde am 24.08.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die VW-Krise gewinnt neue Dynamik: Volkswagen steht vor einer seiner schwersten Bewährungsproben. Bis zu 120.000 Arbeitsplätze sind gefährdet, Werksschließungen werden nicht mehr ausgeschlossen – und Vorstandschef Oliver Blume muss sich in neun Betriebsversammlungen innerhalb von sieben Tagen vor der Belegschaft rechtfertigen. Die Ausgangslage ist ernst, der Druck auf das Management so hoch wie selten zuvor.
Blockade im Aufsichtsrat lähmt VW seit Monaten
Ein zentrales Problem bei Volkswagen ist die anhaltende Handlungsunfähigkeit im Aufsichtsrat. Die Eigentümerfamilien drängen auf höhere Renditen, der Betriebsrat kämpft für den Erhalt jedes einzelnen Arbeitsplatzes, und das Land Niedersachsen – selbst Anteilseigner – will Werksschließungen aus politischen Gründen verhindern.
Diese gegensätzlichen Interessen haben dazu geführt, dass sich die Gremien gegenseitig blockieren und kaum Entscheidungen getroffen werden. Blume ließ ein Ultimatum der Gewerkschaft verstreichen, ohne substanzielle Antworten zu liefern – nun ist die Woche der Betriebsversammlungen zur Stunde der Wahrheit geworden.
Zu hohe Kosten, zu wenig Ertrag – die Kernprobleme von Volkswagen
Die Diagnose ist seit Langem bekannt, wurde nun aber erstmals in dieser Deutlichkeit formuliert: Volkswagen produziert zu wenige Autos zu überhöhten Kosten. Blume selbst bezeichnet den Konzern als „überdimensioniert”.
Dabei werden mehrere strukturelle Schwachstellen sichtbar:
- Die deutschen Werke gelten im internationalen Vergleich als zu kostspielig.
- Neue Modelle kommen zwar beim Kunden an, werfen aber zu geringe Margen ab.
- Die Auslastung der Produktionskapazitäten ist zu niedrig.
- Eine klare Strategie zur Ertragssteigerung fehlt bislang.
- Rating-Agenturen drohen bereits mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit.
Eine schlechtere Bonitätsbewertung würde Kredite für den Konzern verteuern und die Finanzkrise weiter verschärfen – ein Szenario, das Volkswagen unter allen Umständen verhindern will.
Werksschließungen: Unausweichlich oder noch abwendbar?
Die Frage, ob einzelne Standorte geschlossen werden müssen, ist politisch hochbrisant. Fachleute gehen inzwischen davon aus, dass es ohne Werksschließungen kaum möglich sein wird, die überdimensionierten Kapazitäten abzubauen.
Diskutiert wird auch ein ungewöhnlicher Ausweg: Werke könnten an chinesische Automobilhersteller vermietet, verpachtet oder verkauft werden. Das würde zwar die Auslastung sichern, brächte aber die direkte Konkurrenz ins eigene Haus – für viele Verantwortliche ein inakzeptabler Preis. Beide Optionen gelten damit als problematisch, eine einfache Lösung ist nicht in Sicht.
Zielbild 2030 reicht nicht – Volkswagen braucht schnelle Antworten
Volkswagen hat eine Transformationsstrategie bis 2030 entwickelt, doch Experten sind sich einig: Das reicht nicht aus. Kurzfristig – bis Ende dieses und des nächsten Jahres – muss der Konzern konkrete Schritte einleiten.
Dabei geht es nicht nur um Kostensenkung, die als notwendig, aber allein als unzureichend gilt. Entscheidend wird sein, wie Volkswagen es schafft, wieder mehr Geld pro verkauftem Fahrzeug zu verdienen. Auf diese Frage ist der Vorstand bislang eine überzeugende Antwort schuldig geblieben.
Ob die anstehenden Betriebsversammlungen den Beginn eines echten Wandels markieren oder nur weiterer Aufschub in einer langen Reihe verpasster Entscheidungen sind, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Für Europas größten Autobauer steht dabei mehr auf dem Spiel als nur Betriebsergebnis und Börsenkurs – es geht um zehntausende Arbeitsplätze und den industriellen Kern ganzer Regionen.
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