Dieses Video wurde am 22.08.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Bundesaußenminister Johann Wadephul hat seine Reise in die Ukraine auf ungewöhnlichem Weg angetreten: Nicht mit dem Flugzeug, sondern per Schlafzug der ukrainischen Staatsbahn. Am Freitagabend um 21 Uhr bestieg er in einem polnischen Grenzbahnhof den Nachtzug Richtung Kiew. Die Fahrt dauerte rund neun Stunden und führte mitten durch die Nacht in die ukrainische Hauptstadt – ein für westliche Diplomaten inzwischen etablierter Weg ins Kriegsgebiet, da der ukrainische Luftraum für zivile Maschinen gesperrt ist.
Diplomatische Nachtfahrt statt Linienflug
Der Zug der ukrainischen Staatsbahn ist seit Kriegsbeginn zur bevorzugten Reisemöglichkeit für ausländische Staatsgäste und Journalisten geworden. Da kommerzielle Flüge in die Ukraine nicht möglich sind, bleibt der Landweg – und damit der Nachtzug aus Polen – die praktikabelste Alternative für hochrangige Besuche.
Wadephul reiste gemeinsam mit einer Pressedelegation an. Der Außenminister hatte ein eigenes Abteil im Zug, während die mitreisenden Journalisten in Schlafwagen-Abteilen der Presse untergebracht waren. Der Zug verfügte zudem über einen Besprechungsraum, der trotz erheblichem Ruckeln und deutlichem Fahrgeräusch genutzt werden konnte.
So sieht das Schlafabteil im Kriegszug aus
Die Schlafkabinen im Pressewagen bieten auf rund vier bis fünf Quadratmetern Platz für bis zu vier Reisende. Die Abteile sind mit jeweils zwei übereinanderliegenden Betten auf beiden Seiten ausgestattet – insgesamt vier Schlafplätze pro Kabine.
Der Komfort ist trotz der beengten Verhältnisse solide:
- Weiche Kissen und ausreichend Bettwäsche sind vorhanden
- Die Bahn stellt Handtücher für eine minimale Körperpflege bereit
- Duschen sind im Zug nicht verfügbar
- Ein gemeinsamer Besprechungsraum steht zur Verfügung
- Die Fahrt endet pünktlich am Zielbahnhof in Kiew
Die Geräuschkulisse im Zug ist erheblich: Es ruckelt stark, der Lärm des alten Gleisbetts ist deutlich zu spüren. Dennoch kommen die Reisenden ausgeruht genug an, um den Tag in der ukrainischen Hauptstadt zu beginnen.
Ankunft in Kiew am frühen Morgen
Nach der neunstündigen Nachtfahrt erreichte der Zug Kiew pünktlich am Samstagmorgen. Für Wadephul begann damit ein diplomatischer Besuchstag in der ukrainischen Hauptstadt – mit Gesprächen, die angesichts des anhaltenden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine von besonderer Bedeutung sind.
Westliche Außenminister und Staatschefs nutzen den Nachtzug aus Polen seit Kriegsbeginn 2022 regelmäßig für Solidaritätsbesuche in Kiew. Der beschwerliche, aber symbolträchtige Reiseweg unterstreicht die Ernsthaftigkeit des diplomatischen Engagements – und macht die Reise selbst zur politischen Geste.
Einordnung: Der Zug als Symbol der Solidarität
Die Wahl des Zugreisewegs ist längst mehr als eine logistische Notwendigkeit. Sie ist zum diplomatischen Symbol geworden: Wer nach Kiew fährt, nimmt Unbequemlichkeit in Kauf und demonstriert damit Entschlossenheit. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs – darunter auch der deutsche Bundeskanzler und mehrere EU-Außenminister – haben diesen Weg seit 2022 gewählt.
Wadephuls Besuch in der Ukraine reiht sich in eine Serie hochrangiger westlicher Kontakte ein, die der politischen und militärischen Unterstützung für Kiew dienen. Ob und welche konkreten Ergebnisse der Besuch brachte, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.
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