Badenberg: Plagiatsvorwürfe gegen Berlins Justizsenatorin

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Gegen Berlins CDU-Justizsenatorin Felor Badenberg erheben sich schwere Plagiatsvorwürfe. Der österreichische Kommunikationswissenschaftler und Plagiatsprüfer Stefan Weber hat bei der Überprüfung von Badenbergs Dissertation insgesamt 83 schwerwiegende Plagiatsfragmente entdeckt. Die heute 51-jährige Politikerin hatte ihre Doktorarbeit vor rund 20 Jahren an der Universität Köln eingereicht. Die Vorwürfe wiegen besonders schwer, da Badenberg als Justizsenatorin für Recht und Ordnung in der Hauptstadt verantwortlich ist und ihr Doktortitel auf aktuellen Wahlplakaten prominent erscheint.

Was Weber bei der Dissertation entdeckt hat

Laut Stefan Weber zieht sich das Plagiat durch die gesamte Arbeit — von der ersten Zeile bis zum Schlusswort, einschließlich des Klappentextes der veröffentlichten Buchfassung. Besonders gravierend ist ein Fund, der laut Weber jede Unabsichtlichkeit ausschließt: Badenberg soll aus fremden Texten abgeschriebene Passagen mit der Formulierung „meines Erachtens” versehen haben — also mit einer Ich-Form, die eine eigene Meinung suggeriert, obwohl der Text wortwörtlich aus einer anderen Quelle stammt.

Darüber hinaus soll Badenberg die Strukturbeschreibung einer anderen Dissertation übernommen und als ihre eigene ausgegeben haben, inklusive Sätzen wie „Nachfolgendes Kapitel beschäftigt sich mit…”. Sogar die persönliche Danksagung an ihre Familie sei in weiten Teilen abgeschrieben.

Weber nennt zwei mögliche Erklärungen für das Ausmaß der Plagiate:

  • Badenberg war zum Zeitpunkt der Arbeit (2004/2005) der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig, um eine wissenschaftliche Arbeit selbstständig zu verfassen.
  • Sie hatte schlicht keine eigenen Gedanken und Thesen zum Thema ihrer Dissertation.

Warum die Plagiate erst jetzt auffliegen

Weber erklärt das späte Bekanntwerden damit, dass wissenschaftliche Dissertationen kaum gelesen werden. Besondere Kritik übt er daran, dass Badenberg im Jahr 2020 eine leitende Funktion beim Bundesamt für Verfassungsschutz übernahm und dort maßgeblich an einem Gutachten beteiligt war, das die AfD als Verdachtsfall einstufte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt, so Weber, hätte jemand ihre akademische Qualifikation überprüfen müssen.

Seit dem Bekanntwerden des Plagiatsskandals um Karl-Theodor zu Guttenberg im Jahr 2011 ist das Thema wissenschaftliche Integrität in Deutschland dauerhaft präsent. Dass Badenbergs Doktorarbeit dennoch jahrelang ungeprüft blieb, sei ein strukturelles Versagen, so Weber.

Rechtliche und politische Konsequenzen

Die rechtlichen Folgen eines nachgewiesenen Plagiats können erheblich sein. Das nordrhein-westfälische Hochschulgesetz sieht bei Täuschungen in Prüfungshandlungen — und eine Dissertation gilt als Prüfungshandlung — theoretisch Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro vor. Im strafrechtlichen Bereich drohen bei Urkundenfälschung im schlimmsten Fall bis zu drei Jahre Haft. Als unmittelbare Konsequenz gilt in vergleichbaren Fällen zumeist der Entzug des Doktortitels.

Politisch ist die Lage für Badenberg heikel: In Berlin wird am 20. September gewählt, und die Senatorin wirbt auf Plakatflächen der ganzen Stadt mit ihrem Doktortitel. Mehrere Diskussionsteilnehmer forderten ihren sofortigen Rücktritt sowie den Verzicht auf ihr Abgeordnetenmandat.

Wissenschaftliche Integrität als Grundlage für politische Legitimität

Der Fall Badenberg reiht sich in eine Serie prominenter Plagiatsskandale ein, die Deutschland in den vergangenen Jahren beschäftigt haben. Kritiker betonen: Eine Doktorarbeit dient dem Nachweis selbstständigen wissenschaftlichen Denkens und ist damit Grundlage für akademische Titel, höhere Beamtenstellen und öffentliche Ämter. Wer diesen Nachweis durch Abschreiben erschleicht, beschädigt nicht nur die eigene Glaubwürdigkeit, sondern auch das Vertrauen in wissenschaftliche und politische Institutionen.

Für Badenberg ist die Situation besonders widersprüchlich: Als Justizsenatorin hat sie Gesetzesentwürfe zum Schutz demokratischer Institutionen vorgelegt und sich öffentlich für Maßnahmen gegen Desinformation ausgesprochen. Ob die Universität Köln ein formelles Überprüfungsverfahren einleitet und ob politische Konsequenzen folgen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

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