Friday, 23. October 2026
AfD

CSU und Brandmauer: Strategie gegen die AfD gescheitert?

Politikwissenschaftler Werner Patzelt kritisiert die Brandmauer-Strategie der CSU gegenüber der AfD als wenig erfolgreich und sieht Elitenarroganz als Kernproblem.

Redaktion · 23. October 2026, 12:00 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 23.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Die AfD gewinnt in Bayern kontinuierlich an Boden – und die CSU verliert Prozentpunkte. Politikwissenschaftler Werner Patzelt bewertet die Brandmauer-Strategie von Ministerpräsident Markus Söder als grundlegend falsch. Im Kern lautet sein Befund: Weder die CSU noch die CDU insgesamt werden mit ihrer aktuellen Haltung gegenüber der AfD Erfolg haben. Das eigentliche Problem liege tiefer – in einer anhaltenden Elitenarroganz der etablierten Parteien.

CSU verliert ihren Platz am rechten Rand des Parteienspektrums

Jahrzehntelang galt die CSU als die rechteste demokratische Partei im deutschen Parteiensystem. Viele Wähler stimmten für die CDU auf Bundesebene gerade deshalb, weil sie wussten, dass die CSU als Korrektiv wirkte und eine allzu starke Linksbewegung der Union verhinderte. Dieses Gleichgewicht ist heute aus den Fugen geraten.

Patzelt macht deutlich: Die CDU hat sich zur Mitte hin orientiert, und die CSU ist ihr dabei gefolgt, statt den rechten Rand des demokratischen Spektrums weiterhin zu besetzen. Das Ergebnis ist ein Vakuum, das die AfD konsequent füllt. Wer früher CSU wählte, um ein klares konservatives Signal zu setzen, findet sich heute ohne politische Heimat im etablierten Lager.

Patzelt zieht einen historischen Vergleich: Zu Zeiten von Franz Josef Strauß wäre es undenkbar gewesen, dass sich die CSU nach links gegen Extremisten abgrenzen müsste. Die Tatsache, dass dies heute symmetrisch nach links und rechts geschieht, zeigt für Patzelt das ganze „Drama und Debakel” der Partei.

Themenbesetzung allein reicht nicht gegen Populismus

Ein beliebtes Mittel etablierter Parteien im Umgang mit dem Erstarken populistischer Bewegungen ist die Besetzung sozialer Themen. Söder und auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst betonen etwa, das Leben der „kleinen Leute” wieder bezahlbarer machen zu wollen.

Patzelt hält diesen Ansatz zwar für inhaltlich richtig, aber nicht ausreichend. Die CSU sei einst stolz auf das „S” in ihrem Namen gewesen – die soziale Komponente. Doch allein mit programmatischen Versprechen gewinne man keine verlorenen Wähler zurück.

  • Verdrängte Probleme bei Migration, Energiepolitik und dem Ausbau des Sozialstaates wurden zu lange kleingeredet.
  • Inhalte allein überzeugen nicht, wenn der Stil der Kommunikation arrogant wirkt.
  • Wähler, die sich von der politischen Mitte abgewandt haben, reagieren sensibel auf Herablassung.
  • Der Vorwurf an die Bevölkerung, aus Unwissenheit „falsch” zu wählen, verstärkt die Entfremdung.

Elitenarroganz als eigentlicher Treiber der AfD-Stärke

Der entscheidende Punkt in Patzelts Analyse ist nicht die Frage nach Inhalten, sondern nach Haltung. Die sogenannte politische Mitte vermittele seit Jahren das Bild, allein die politische Weisheit zu besitzen – und wer links oder rechts wähle, tue dies aus Unwissenheit oder Irrationalität.

Diese Haltung bezeichnet Patzelt als kontraproduktiv. Wer verlorene Wähler zurückgewinnen möchte, müsse aufhören, sie zu belehren oder zu bevormunden. Stattdessen gelte es, reale Probleme ernst zu nehmen und sichtbar anzugehen – nicht kleinzureden oder wegzudefinieren.

Solange die etablierten Parteien an dieser Grundhaltung festhielten, werde die Abwanderung zu den Rändern anhalten. Die Brandmauer-Strategie der CSU adressiere das Symptom, nicht die Ursache.

Ausblick: Kurskorrektur oder weiterer Bedeutungsverlust?

Für die CSU stellt sich damit eine fundamentale Frage: Ist sie bereit, ihren Politikstil grundlegend zu verändern – oder hält sie an einer Strategie fest, die laut Patzelt nachweislich nicht funktioniert? Der wachsende Vorsprung der AfD in Bayern erhöht den Druck. Ein rein taktisches Reagieren auf Umfragewerte dürfte nicht genügen. Gefragt ist eine ehrliche Auseinandersetzung damit, warum so viele frühere Stammwähler das Vertrauen in die Volksparteien verloren haben – und was es bräuchte, um dieses Vertrauen zurückzugewinnen.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (WELT Nachrichtensender). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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