Saturday, 31. October 2026
Anthropic

Anthropic IPO: KI-Insider gibt Einblick

Ein erfahrener KI-Investor war beim exklusiven Anthropic-Investorentag dabei. Lesen Sie, was er über den IPO, den Burggraben und einen möglichen KI-Winter verrät.

Redaktion · 31. October 2026, 04:45 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 31.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Das KI-Unternehmen Anthropic bereitet eines der größten Börsengänge der Tech-Geschichte vor – und ein erfahrener Portfoliomanager war beim exklusiven Investorentag in San Francisco persönlich dabei. Daniel Kröger, Technologie-Portfoliomanager bei der DWS mit 20 Jahren Erfahrung und Informatikstudium im Hintergrund, gibt seltene Einblicke in Strategie, Finanzkennzahlen und die entscheidende Frage: Hat Anthropic einen echten Burggraben – oder ist das Unternehmen leicht ersetzbar?

Anthropic IPO: Eindrücke vom Investorentag

Rund 100 ausgewählte Investoren erhielten Zugang zum Anthropic-Hauptgebäude in San Francisco. Die Sicherheitsvorkehrungen waren ungewöhnlich hoch: Der Eingang wurde kurzfristig geändert, weil vor dem Hauptgebäude Demonstranten gegen KI-Entwicklung protestierten. Im Inneren präsentierte das Unternehmen über einen ganzen Tag hinweg verschiedene Departements – von Forschung und Entwicklung über Produktstrategie bis hin zu den mit Spannung erwarteten Quartalszahlen.

CEO Dario Amodei eröffnete die Veranstaltung nach Beschreibung der Teilnehmer „fast gottesdienstähnlich” und schwor Investoren auf die Mission des Unternehmens ein. Die Q3-Zahlen wurden bewusst erst nach Börsenschluss präsentiert, um keinen unmittelbaren Kurseffekt auszulösen. Das abgeschwächte Wachstum im dritten Quartal erklärt Kröger durch zwei Faktoren: den zeitversetzten Launch des neuen Modells Opus sowie das gezielte Abschalten von Millionen Accounts aus China, die zum Destillieren von Anthropic-Modellen genutzt wurden.

S-1-Filing: Zahlen, Warnungen und der Burggraben

Das öffentlich zugängliche S-1-Filing umfasst rund 460 Seiten – ein erheblicher Anteil davon besteht aus Risikohinweisen, darunter die bemerkenswerte Aussage, die Risiken seien so groß, dass keine Versicherung sie abdecken könnte. Gleichzeitig zeigen die Finanzdaten eine beeindruckende Effizienz: Anthropic hat mit einer Gesamtinvestition von rund 10 Milliarden US-Dollar ein Unternehmen mit einem annualisierten Umsatz von etwa 75 Milliarden Dollar aufgebaut und hält derzeit rund 130 Milliarden Dollar Cash – nach Warren Buffets Berkshire Hathaway die höchste Cash-Position eines einzelnen Unternehmens weltweit.

Zentrale Kennzahlen aus dem Filing:

  • 80 % der Umsätze stammen aus Modellen, die in den letzten sechs Monaten veröffentlicht wurden
  • 47 % des Umsatzes laufen über Cloud-Partner wie Google und Amazon
  • Die fünf größten Kunden geben im Schnitt nur 1 % ihrer Gesamtkosten bei Anthropic aus
  • Verbindlichkeiten für eigene Rechenzentrumskapazitäten: rund 650 Milliarden Dollar über 10 Jahre
  • Geplante IPO-Bewertung: zwischen 1,5 und 2 Billionen US-Dollar

Die alles entscheidende Burggraben-Frage – ob Anthropic langfristig mit dem besten Modell vorne bleiben kann – beantwortet Kröger differenziert. Der operative Leverage sei klar im Filing dokumentiert, der Anteil der Hyperscaler als Vertriebspartner ein Vorteil, aber auch ein Risiko zugleich, da Google und Amazon eigene konkurrierende Modelle anbieten.

Skorpion-Experiment und KI in der Biotech-Forschung

Eines der eindrucksvollsten Beispiele, das beim Investorentag präsentiert wurde, kam aus der Biotechnologie. Das Research-Institut Citrini Therapeutics – gegründet von fünf Personen ohne Biotech-Hintergrund – nutzte Anthropics Modelle, um innerhalb von nur 48 Stunden und mit einem Budget von 200.000 US-Dollar Moleküle gegen Skorpion- und andere Tiergifte zu entwickeln. Das Ergebnis: ein sogenannter Binder, der das Toxin wie ein Schlüsselblock neutralisiert, ohne dass ein Pferd als Antikörper-Lieferant benötigt wird.

Dieses Beispiel verdeutlicht Krögers zentrales Zukunftsthema: Biotechnologie als nächstes großes KI-Anwendungsfeld. Anthropic zeigt, dass KI nicht nur Code schreibt, sondern Laborverträge aushandelt, wissenschaftliche Abhandlungen erstellt und Forschungsprozesse von Jahren auf Wochen komprimiert. Langfristig könnte das Geschäftsmodell sogar auf Umsatzbeteiligungen an KI-entwickelten Medikamenten ausgeweitet werden.

KI-Winter, Nvidia und der Blick auf den Aktienmarkt

Droht ein KI-Winter? Kröger hält das Szenario für möglich, aber nicht unmittelbar wahrscheinlich. Ein solcher Winter könnte entstehen, wenn die Kapitalmarktstimmung kippt und Hyperscaler ihre Investitionsausgaben drastisch reduzieren. Aktuell zeigt der Kapitalmarkt aber weiter Aufnahmebereitschaft: Meta-Anleihen waren fünffach überzeichnet, und Nvidia-CEO Jensen Huang trat bei der Goldman-Sachs-Techkonferenz mit den Worten „Hello, value shoppers” auf – ein Signal, dass er seine Aktie trotz hoher Bewertung für günstig hält.

Für den Halbleitersektor sieht Kröger trotz eines schwachen Oktobers (Philadelphia Semiconductor Index: minus 15,4 %) keine klassische Bewertungsblase. Einzelne Unternehmen wie Micron weisen PEG-Ratios von unter 0,1 auf – ein Niveau, das historisch eher Unterbewertung als Überhitzung signalisiert. Die KI-Nachfrage sei ungebrochen, was Backlog-Daten von Amazon und Alphabet im Cloud-Bereich bestätigen.

Mittel- bis langfristig bleibt Kröger Bulle: Er erwartet den Markt in einem Jahr höher als heute und sieht aktives Management in Zeiten hoher Disruption als gefragter denn je – vorausgesetzt, man filtert kurzfristige Nachrichtenflut konsequent heraus und konzentriert sich auf fundamentale Veränderungen in Technologie, Biotechnologie und neuen Anwendungsfeldern der künstlichen Intelligenz.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (WELT Nachrichtensender). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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