Stromausfälle in Kiew: Infektionswelle droht
Russlands Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur sorgen für massive Stromausfälle in Kiew. Experten warnen vor Cholera und Typhus im Winter.
Dieses Video wurde am 05.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Stromausfälle in der Ukraine erreichen ein dramatisches Ausmaß: In der Hauptstadt Kiew waren Teile der Innenstadt bereits Anfang November mehr als 20 Stunden am Stück ohne Strom und ohne Wasser. Russland bombardiert gezielt die Energieinfrastruktur des Landes, um die Bevölkerung zu zermürben und die Wirtschaft zu schwächen. Experten warnen für den Winter vor einer humanitären Katastrophe — und vor dem Ausbruch gefährlicher Infektionskrankheiten wie Cholera, Ruhr und Typhus.
Stromausfälle lähmen das Leben in Kiew
In der Drei-Millionen-Stadt Kiew sind die Folgen der russischen Raketen- und Drohnenangriffe im Alltag unmittelbar spürbar. Schon jetzt, zu Beginn des Novembers, berichten Bewohner von Ausfällen, die Dutzende Stunden andauern. Einzelne Stadtteile sind noch stärker betroffen als das Zentrum.
Aus purer Verzweiflung haben Bewohner Kiews begonnen, große Einfallstraßen der Stadt zu blockieren. Mit den entstehenden Staus wollen sie auf ihre Lage aufmerksam machen: Manche Haushalte haben seit drei bis vier Tagen keinen Strom mehr. Die Behörden geraten dadurch zunehmend unter Druck.
Für den tiefsten Winter prognostizieren Fachleute eine weitere Verschärfung der Lage. In verschiedenen ukrainischen Städten könnten Menschen laut Experteneinschätzungen bis zu drei bis fünf Tage am Stück ohne Strom verbringen — unterbrochen nur von kurzen Versorgungsphasen von etwa 20 Minuten pro Tag.
Kein Strom, kein Wasser: Gefahr von Infektionskrankheiten
Noch bedrohlicher als fehlender Strom ist der Ausfall der Wasserversorgung. Wenn Wärmekraftwerke nicht mehr betrieben werden können, fallen auch Pumpstationen und Wasseraufbereitungsanlagen aus. Bereits in Kiew gab es Phasen von 20 Stunden ohne Wasser — nach übereinstimmenden Berichten von vor Ort eine noch härtere Belastung als der Stromausfall selbst.
Besonders alarmierend: Wenn Klärwerke über Tage ausfallen, steigt die Gefahr, dass sich Krankheitserreger im Trinkwasser und im Abwassersystem ausbreiten. Genau das ist das Szenario, vor dem Gesundheitsexperten und Behörden inzwischen offen warnen.
- Cholera durch verunreinigtes Trinkwasser
- Ruhr als Folge mangelhafter Abwasserentsorgung
- Typhus bei anhaltend gestörter Wasserinfrastruktur
Über diese Risiken werde in der Ukraine inzwischen offen gesprochen — es werde, wie es heißt, „kein Hehl daraus gemacht”.
Strategie des „Krieges der Städte”
Die systematischen Angriffe auf die Energieversorgung gelten in der Militäranalyse als bewusste Strategie. Sie wird als „Krieg der Städte” bezeichnet: Statt ausschließlich militärische Ziele zu treffen, wird die zivile Infrastruktur des Hinterlandes angegriffen, um die Bevölkerung zu destabilisieren und den wirtschaftlichen Preis des Krieges in die Höhe zu treiben.
Betroffen sind neben Kiew auch Großstädte wie Odessa, Lwiw und Charkiw. Doch auch auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim ist die Lage ähnlich: In Städten wie Sewastopol und Simferopol greifen ukrainische Streitkräfte ihrerseits die Energieinfrastruktur an.
Parallel zur humanitären Lage spitzt sich der politische Diskurs zu: Die frühere Sprecherin des ukrainischen Präsidenten Selenskyj, Julia Mendel, trat bei einer Veranstaltung der AfD-Bundestagsfraktion auf und warb für eine neutrale Ukraine. Sie kritisierte Selenskyj scharf und erklärte, ein schlechter Frieden sei besser als ein langer Krieg. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, lehnte die Einladung zu dieser Veranstaltung ab.
Ausblick: Humanitäre Katastrophe im Winter möglich
Mit sinkenden Temperaturen wird sich die Versorgungslage in der Ukraine weiter verschlechtern. Fallen Heizung, Strom und Wasser gleichzeitig aus, droht insbesondere vulnerablen Bevölkerungsgruppen — Alten, Kranken und Kindern — eine ernsthafte Gefährdung.
Hilfsorganisationen und ukrainische Behörden bereiten sich auf den schlimmsten Fall vor. Ob die Infrastruktur den anhaltenden russischen Angriffen und dem Winter standhält, bleibt ungewiss. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Ukraine eine umfassende humanitäre Krise abwenden kann.
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