DAX-Analyse: Rheinmetall enttäuscht, Nordex glänzt
Rheinmetall senkt erneut die Prognose, Nordex überzeugt mit starken Zahlen – die DAX Berichtssaison liefert gemischte Signale. Alle Gewinner und Verlierer im Überblick.
Dieses Video wurde am 05.11.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die DAX Berichtssaison sorgt für klare Gewinner und Verlierer: Während Rheinmetall mit einer erneuten Prognosesenkung und einem neuen 52-Wochen-Tief schockiert, überzeugen Nordex und Hensoldt mit soliden Zahlen. Der DAX selbst setzt unterdessen seinen Erholungskurs fort und notiert bei rund 26.530 Punkten – in Reichweite des Allzeithochs. Ausschlaggebend für die jüngste Markterholung war auch das Ergebnis der US-Midterms, das an den Börsen weltweit positiv aufgenommen wurde.
DAX auf Rekordjagd – Midterms als Kurstreiber
Der DAX hat binnen kürzester Zeit rund 1.500 Punkte zugelegt und notiert deutlich über der Marke von 26.000 Punkten. Noch vor zwei Wochen drohte ein Rückfall unter 25.000 Zähler. Der Sprung über die 50-Tage-Linie erwies sich als starkes Kaufsignal.
Rückenwind kam vor allem aus den USA: Der Sieg der Demokraten bei den Midterms wurde an den Märkten als Dämpfer für die Politik der Trump-Regierung interpretiert. Der Dow Jones legte daraufhin rund 3 Prozent zu, der Nasdaq 100 gewann knapp 1 Prozent – trotz Druck auf Chipkonzerne, die von einer möglicherweise verlangsamten Rechenzentrum-Expansion belastet wurden.
Als weiterer positiver Faktor gilt die Aussicht auf fallende Ölpreise. Im Tagesverlauf richten sich die Augen auf die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 14:30 Uhr sowie auf die Zinsentscheidung der Bank of England.
Rheinmetall und Siemens Healthineers als Verlierer der Berichtssaison
Rheinmetall ist der größte Verlierer des Tages. Der Rüstungskonzern senkte die Jahresprognose erneut – der Umsatz wird nun nur noch mit 13,2 Milliarden Euro veranschlagt, was sogar unterhalb der bisherigen unteren Prognosespanne liegt. Die operative Marge soll bei rund 18,5 Prozent statt der geplanten 19 Prozent landen.
Hauptgrund sind Verzögerungen beim Bundeswehr-Projekt Arminius sowie verschobene Abrufe von Artilleriemunition ins Folgejahr. Die Aktie fiel auf ein neues 52-Wochen-Tief und rutschte zeitweise auf rund 844 Euro – ein Minus von fast 15 Prozent. Das Vertrauen der Investoren in die ambitionierten Wachstumsziele von Konzernchef Armin Papperger ist spürbar geschwunden. Ein Neueinstieg drängt sich vor einer nachhaltigen Bodenbildung nicht auf.
Auch Siemens Healthineers enttäuschte: Für das Geschäftsjahr 2026/27 erwartet das Unternehmen lediglich ein Umsatzwachstum von 4 bis 5 Prozent – deutlich unter den Analystenerwartungen. Zudem droht ein Rückgang beim bereinigten Ergebnis je Aktie. Positiv: Das kriselnde Labordiagnostikgeschäft soll ausgegliedert werden, und Siemens Healthineers plant eine Umbenennung sowie die Loslösung von der Mutter Siemens. Die Aktie verlor rund 2 Prozent.
Hensoldt und Nordex überzeugen mit starken Zahlen
Hensoldt hob die Jahresprognose an: Der Spezialist für Rüstungselektronik erwartet nun einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro (zuvor 2,75 Mrd.) und peilt eine EBIT-Marge von rund 19 Prozent an – das obere Ende der bisherigen Spanne. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, und im Branchenvergleich schneidet Hensoldt derzeit besser ab als Rheinmetall oder Rheinmetall-Konkurrent Rank.
Für einen Neueinstieg sollten Anleger allerdings den nachhaltigen Sprung über die 90-Euro-Marke abwarten. Die Aktie pendelte zuletzt zwischen 55 und 65 Euro, die guten Zahlen könnten nun einen ersten Impuls liefern.
Nordex legte im frühen Handel deutlich zu. Der Windturbinenbauer profitiert gleich doppelt: von den Midterms – der Wahlausgang gilt als positiv für erneuerbare Energien – und von starken Quartalszahlen. Das Konzernergebnis wurde im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht auf rund 147 Millionen Euro. Die EBIT-Marge von 12,7 Prozent ist für Nordex, das lange mit Profitabilitätsproblemen kämpfte, bemerkenswert.
- Umsatz weitgehend auf Niveau der Vorabmeldung bestätigt
- Konzernergebnis fast dreimal so hoch wie im Vorjahr
- EBIT-Marge von 12,7 Prozent deutlich verbessert
- Analysten lobten die Zahlen in einer ersten Reaktion
- Nächste charttechnische Hürde: nachhaltiger Sprung über 42,50 Euro
Commerzbank mit Rekordgewinn – Telekom stabil
Die Commerzbank meldete nach neun Monaten einen Rekordüberschuss von rund 2,7 Milliarden Euro und bestätigte das Jahresziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro. Trotzdem reagierte die Aktie mit einem Minus von rund 3 Prozent – der Markt hatte offenbar noch mehr erhofft. Im Fokus bleibt die geplante Übernahme durch die UniCredit, die zuletzt angekündigt hatte, bald die Kontrolle übernehmen zu wollen. Mittelfristig wird erwartet, dass die Aktie nach Abschluss der Übernahme wieder höhere Kurse ansteuern kann.
Die Deutsche Telekom steigerte den Umsatz um 7,5 Prozent, das bereinigte operative Ergebnis um knapp 10 Prozent und hob die Jahresprognose leicht an. Die Dividende soll um 10 Cent auf 1,10 Euro steigen. Die Aktie notierte zunächst leicht im Plus, drehte im Handelsverlauf jedoch ins Minus. Für eine Kaufempfehlung fehlt noch der Bruch des seit Februar bestehenden Abwärtstrends – derzeit gilt die Telekom-Aktie als Halteposition.
Die Berichtssaison wird den DAX in den kommenden Handelstagen weiter prägen. Gelingt dem deutschen Leitindex der Sprung auf ein neues Allzeithoch, dürften vor allem jene Titel profitieren, die mit soliden Zahlen und stabilen Ausblicken überzeugen konnten.
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