Antisemitismus-Streit: Linke unter Druck in Berlin
Berliner SPD fordert Konsequenzen gegen Antisemitismus in der Linkspartei – doch die Fraktion zögert. Klingbeil und Throm erhöhen den Druck erheblich.
Dieses Video wurde am 06.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Streit um Antisemitismus in der Berliner Linkspartei eskaliert und gefährdet die mögliche rot-grün-rote Koalition in der Hauptstadt. Die Berliner SPD hatte klare Bedingungen für Koalitionsverhandlungen gestellt: keine Zusammenarbeit mit Antisemiten, Terrorunterstützern und Personen mit Verbindungen zu kriminellen Clans. Doch die Linke verzögert den Fraktionsausschluss der offen Israel-kritischen Abgeordneten Vanessa Emde seit Wochen – und provoziert damit ihre potenziellen Koalitionspartner immer stärker.
Klingbeil setzt klare Grenzen – Berliner SPD zögert
Während Berlins SPD-Landeschef Steffen Krach weiterhin die Nähe zur Linkspartei und deren Spitzenkandidatin sucht, sprach Bundes-SPD-Chef Lars Klingbeil ein deutliches Machtwort: Die Berliner Linke dürfe nicht in Regierungsverantwortung, solange die Probleme mit Antisemitismus und Klannähe nicht gelöst seien.
Krach versuchte, den Dissens herunterzuspielen, und behauptete, er sei mit seinem Parteichef einer Meinung. Auch die Linkspartei-Spitze selbst bekenne sich öffentlich gegen Antisemitismus. Die Realität in der Fraktion sieht jedoch anders aus: Emde bleibt Mitglied der Linksfraktion und provoziert offen weiter – zuletzt, indem sie eine radikale Palästina-Aktivistin zur Fraktionssitzung mitbrachte.
Bundeskanzler schaltet sich in die Berliner Debatte ein
Auch Bundeskanzler Friedrich März meldete sich mit deutlichen Worten zu Wort. Mit Blick auf die Berliner Vorgänge betonte er, die Frage „Freiheit statt Sozialismus” sei noch immer von zentraler Bedeutung. Die Einlassung des Kanzlers zeigt, wie weit der Berliner Koalitionsstreit mittlerweile auf Bundesebene ausstrahlt.
Die Situation offenbart eine strukturelle Schwäche: Selbst wenn Emde aus der Fraktion ausgeschlossen würde, verblieben weitere Abgeordnete mit israelkritischen bis israelfeindlichen Positionen in der Partei – und damit ein dauerhaftes Rechtfertigungsproblem für die SPD als potenziellen Koalitionspartner.
Throm attackiert Kocak im Bundestag scharf
Parallel dazu sorgte der Neukölner Bundestagsabgeordnete Ferat Kocak (Linke) für einen heftigen Schlagabtausch im Bundestag. Kocak war bereits in der Berliner Wahlnacht ins Kreuzfeuer geraten, nachdem ein Foto von ihm mit einem bekannten Hamas-Unterstützer sowie ein Chatverlauf mit dem Sohn eines Remmo-Clanchefs bekannt geworden waren.
Als Kocak ausgerechnet in einer Bundestagsdebatte über institutionellen Rassismus das Wort ergriff, platzte dem innenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm, der Kragen. Throm konfrontierte Kocak öffentlich:
- Er forderte Kocak auf, sein Abgeordnetenmandat niederzulegen.
- Er bezeichnete Kocaks Redebeitrag als „wirklich sehr bemerkenswert” angesichts der bekannten Vorwürfe.
- Er kritisierte die Linkspartei, die Kocak nicht einmal aus der Fraktion ausgeschlossen habe, obwohl sie Antisemitismusbekämpfung für sich beanspruche.
- Er stellte fest, Kocak gehöre „nicht in dieses Hohe Haus”.
Der Vorfall verdeutlicht, dass die Opposition die Widersprüche innerhalb der Linkspartei gezielt ins Licht rückt.
Strukturelles Problem – nicht nur ein Einzelfall
Der Fall Emde und der Fall Kocak stehen nicht isoliert nebeneinander. Kritiker sehen in beiden Vorgängen den Beleg, dass das Antisemitismusproblem der Linken kein individuelles Versagen einzelner Abgeordneter ist, sondern struktureller Natur. Solange die Partei keine klaren personellen Konsequenzen zieht, bleibt die Glaubwürdigkeit der eigenen Bekenntnisse gegen Antisemitismus fraglich.
Für die Berliner SPD wächst damit der Erklärungsbedarf: Entweder sie beharrt konsequent auf ihren Bedingungen – und riskiert das Scheitern der rot-grün-roten Koalition – oder sie geht Kompromisse ein und setzt ihre eigene Glaubwürdigkeit im Kampf gegen Antisemitismus aufs Spiel. Wie die Berliner Koalitionsverhandlungen weitergehen, dürfte in den kommenden Wochen zu einem Lackmustest für alle beteiligten Parteien werden.
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