Dieses Video wurde am 05.05.2026 von DW auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Straße von Hormuz ist an ihrer engsten Stelle gerade einmal 33 Kilometer breit – und dennoch fließt durch diesen schmalen Meeresarm ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Gasexports. Seit dem Ausbruch des Krieges im Februar 2026 sind die Ölexporte aus dem Nahen Osten um mindestens 60 Prozent eingebrochen. Das legt eine unbequeme Wahrheit offen: Die globale Energieinfrastruktur ist gefährlich abhängig von einem einzigen geografischen Engpass. Experten diskutieren nun intensiv, wie die Welt ihre Energieversorgung krisenfester gestalten kann – durch alternative Pipelines, veränderte Handelsrouten und einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien.
Hormuz als historischer Risikofaktor
Die Straße von Hormuz war schon immer ein sicherheitspolitisch heikler Punkt. Bereits 1951 errichtete die britische Royal Navy eine Seeblockade, nachdem Iran seine Ölindustrie verstaatlicht hatte. Im sogenannten Tankerkrieg der 1980er Jahre legte der Iran Seeminen und griff neutrale Handelsschiffe an. 2019 wurden Tanker durch Minenattacken beschädigt, für die die USA den Iran verantwortlich machten – im selben Jahr griffen die Huthis saudische Ölanlagen an. Ab 2023 weiteten die Huthis ihre Angriffe auf den kommerziellen Schiffsverkehr im Roten Meer aus.
Trotz dieser wiederholten Eskalationen blieb die Schwelle für massive Investitionen in alternative Infrastruktur stets zu hoch. Die abschreckende Wirkung rund um Hormuz ließ eine vollständige Schließung bislang als zu kostspielig erscheinen – für alle Beteiligten.
Bestehende Alternativrouten und ihre Grenzen
Es gibt bereits mehrere Routen, die den Engpass umgehen – doch keine davon kann Hormuz vollständig ersetzen:
- East-West-Pipeline (Saudi-Arabien): Seit April 2026 stark ausgelastet, mit behaupteten Exporten von 7 Millionen Barrel täglich – allerdings in Reichweite ballistischer Raketen.
- Abu-Dhabi-Rohölpipeline (VAE): Rund 400 Kilometer lang, Kapazität von 1,5 bis 1,8 Millionen Barrel pro Tag, führt nach Fujairah am Indischen Ozean.
- Kirkuk-Ceyhan-Pipeline (Irak–Türkei): Transportiert bis zu 300.000 Barrel täglich über Land nach Europa.
- Green Corridor Dubai–Oman: Eine neuere Alternativroute, die als potenzielle Ergänzung diskutiert wird.
Das grundlegende Problem: Alle Überland-Pipelines sind angreifbar, und viele führen letztlich in Meeresgebiete mit eigenen Engpässen – etwa dem Roten Meer mit dem Nadelöhr Bab al-Mandab.
Investitionsstrategie: Resilienz statt kompletter Neuplanung
Neue Pipelines über völlig neue Trassen zu bauen, dauert Jahre und kostet Milliarden. Angesichts einer erwarteten Stabilisierung der fossilen Brennstoffnachfrage in den kommenden zehn Jahren ist die Investitionsrechnung schwer zu rechtfertigen. Experten empfehlen daher einen pragmatischeren Ansatz:
Kurzfristig steht die Erweiterung bestehender Pipeline-Kapazitäten im Vordergrund, ergänzt durch den Ausbau strategischer Lagerkapazitäten. China etwa hält strategische Ölreserven von geschätzt 1,2 bis 1,4 Milliarden Barrel – das entspricht über 100 Importtagen. Gleichzeitig plant Peking, den Anteil über Überland-Pipelines transportierten Öls bis 2030 um 45 Prozent zu steigern.
Langfristig – auf einen Horizont von 10 bis 20 Jahren – geht es um ein Netzwerk aus Korridoren: mehrere Routen, mehrere Ausfahrten über verschiedene Meeresregionen, verbunden durch stabile geopolitische Rahmenbedingungen. Dieses Modell ist teurer und schwerer zu finanzieren, bietet aber echte Resilienz statt kurzfristiger Flickenlösungen.
Erneuerbare Energien und Europas Lehren
Jede europäische Energiekrise seit 2021 mündete in denselben Appell: mehr erneuerbare Energien, mehr Kernkraft, weniger Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Dabei wird oft übersehen, dass Europa tatsächlich Fortschritte gemacht hat: Die Gasnachfrage sank seit 2022 um rund 20 Prozent, und 2025 erzeugten Erneuerbare erstmals mehr Energie als fossile Brennstoffe in der EU. Der TTF-Gaspreis liegt etwa 33 Prozent über dem Vorkrisenniveau – 2022 war es noch 400 Prozent.
Öl bleibt jedoch der dominierende Treibstoff für den Verkehr, und kaum ein europäisches Land kann sich vollständig gegen einen ernsthaften Ölpreisschock absichern. Die fortschreitende Elektrifizierung des Verkehrs soll diese Abhängigkeit langfristig verringern.
Das übergeordnete Fazit formulierte Winston Churchill bereits 1913 vor dem britischen Parlament: „Safety and certainty in oil lie in variety and variety alone.” Ein vollständiger Ersatz der Straße von Hormuz ist in absehbarer Zeit nicht realistisch. Doch die Krise könnte der Anstoß sein, das globale Energiesystem endlich widerstandsfähiger zu gestalten – durch breitere Infrastruktur, diversifizierte Lieferketten und einen entschlossenen Umbau des Energiemixes. Ob das schnell genug gelingt, um den nächsten Schock zu verhindern, bleibt die entscheidende Frage.
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