Dieses Video wurde am 08.05.2026 von DW auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Konflikt um den Irak und den Persischen Golf hat eine Schockwelle ausgelöst, die weit über die Straße von Hormus hinausreicht: Länder auf der ganzen Welt überdenken ihre Energiestrategie in einem Tempo, das bislang undenkbar schien. Was früher Jahre dauerte, wird heute in Wochen entschieden. Im Zentrum dieses globalen Wandels steht China – ein Staat, der sich seit zwei Jahrzehnten systematisch auf genau diesen Moment vorbereitet hat und heute als sogenannter Electrostate die Regeln der globalen Energiepolitik neu schreibt.
Ein „Ukraine-Moment” für Asien
Energieexperten ziehen eine deutliche Parallele zur russischen Invasion in der Ukraine: So wie Europa damals schlagartig seine gefährliche Abhängigkeit von russischem Gas erkannte, erkennen asiatische Länder heute ihre Verwundbarkeit durch LNG-Importe (Flüssigerdgas). Sam Gill, Associate Fellow am Chatham House und Senior Visiting Research Fellow am Oxford Institute for Energy Studies, beschreibt dies als „Ukraine-Moment für Asien”.
Die Reaktionen der Regierungen sind bemerkenswert konkret und schnell:
- Indonesien kündigt eine verpflichtende Umstellung von Motorrädern auf Elektroantrieb an.
- Vietnam streicht sein größtes geplantes LNG-Kraftwerk und ersetzt es durch ein Erneuerbare-Energien-Projekt.
- Die Philippinen und Südkorea beschließen massive neue Solarkapazitäten.
- Ägypten plant ein bedeutendes neues Solarprojekt.
- Japan führt eine breite gesellschaftliche Debatte über die Wiederbelebung der Kernenergie zur Stärkung der Versorgungssicherheit.
Japans Premierminister hat das Ziel der vollständigen Energieautarkie ausgerufen – Atomkraft soll dabei eine Schlüsselrolle spielen. Das Bemerkenswerte: Diese Kehrtwende ist parteiübergreifend. Ideologische Grabenkämpfe über Kosten und Subventionen der Energiewende sind vorerst verstummt.
China: Zwei Jahrzehnte Vorsprung als Electrostate
Kein Land hat sich strategisch so konsequent auf eine post-fossile Energiewelt vorbereitet wie China. Während Peking weiterhin Kohle und Öl verbrannte, investierte es parallel mit bemerkenswerter Geduld in den Aufbau eines elektrifizierten Energiesystems. Die treibende Kraft war dabei weniger Klimaschutz als nationale Sicherheit: China fürchtete stets die geopolitische Verwundbarkeit durch die von der US-amerikanischen 7. Flotte kontrollierte Straße von Malakka.
Das Ergebnis dieser Langzeitstrategie ist eine nahezu totale Dominanz in der globalen Lieferkette für saubere Energie:
- Rund 90 Prozent aller weltweit produzierten Solarmodule stammen aus China.
- China hält vergleichbar hohe Marktanteile bei Windturbinen, Batterien und Elektrofahrzeugen.
- Die Verarbeitung kritischer Mineralien und zentraler Komponenten der Energiewendetechnologie ist fest in chinesischer Hand.
China gilt heute als das am stärksten diversifizierte und elektrifizierte der großen Volkswirtschaften – trotz fortbestehender Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen für Teile seiner Energieversorgung. Der Begriff „Electrostate” beschreibt treffend, wie tief die Elektrifizierung der Wirtschaft mittlerweile in Chinas staatliche Identität eingeschrieben ist.
Das Trilemma der Mittelmächte
Für Länder in Europa und Südostasien ist die Lage deutlich komplizierter. Sie stehen vor einem klassischen Energie-Trilemma: Sie müssen gleichzeitig schnell dekarbonisieren, Kosten niedrig halten und neue strategische Abhängigkeiten vermeiden. Die bittere Ironie: Wer weg vom Öl aus dem Nahen Osten will, wird beim Aufbau erneuerbarer Infrastruktur zwangsläufig auf chinesische Solarmodule, Windrotoren und Batterietechnik angewiesen sein.
Die Frage, ob damit nur eine Abhängigkeit gegen eine andere getauscht wird, ist berechtigt – wird aber von Experten relativiert. Ein entscheidender Unterschied: Die Sonne lässt sich nicht blockieren, der Wind nicht embargoieren. Wer einmal eine erneuerbare Energieinfrastruktur aufgebaut hat, ist langfristig deutlich resilienter gegenüber geopolitischen Schocks als ein Importeur fossiler Brennstoffe.
Inflektionspunkt oder vorübergehender Schwung?
Energieexperten sehen Anzeichen dafür, dass dieser Energieschock – der dritte innerhalb von vier Jahren nach der Covid-Pandemie und dem Ukraine-Krieg – anders sein könnte als seine Vorgänger. Der entscheidende Unterschied: Die Alternativen sind reif. Erneuerbare Energietechnologien sind heute skalierbar und kosteneffizient. Elektrofahrzeuge erreichen Preispunkte, die für Konsumenten und Regierungen attraktiv sind.
Zwar ist ein kurzfristiges Aufflammen fossiler Energieträger bei fallenden Preisen wahrscheinlich. Doch die strukturellen Argumente für die Energiewende – Versorgungssicherheit, sinkende Kosten und Klimaschutz – verstärken sich gegenseitig. Dieser dreifache Rückenwind könnte dafür sorgen, dass die aktuelle Wende nachhaltiger ausfällt als alle bisherigen. Die Welt könnte an einem echten Scheideweg stehen – mit China bereits auf der anderen Seite.
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