Dieses Video wurde am 08.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Wohnungsnot in Deutschland ist ungebrochen ernst: Experten zufolge fehlen bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen. Gleichzeitig steckt die Baubranche in einer tiefen Krise. Fünf Jahre realer Umsatzrückgang, sinkende Auftragseingänge und eine ausufernde Bürokratie bremsen die dringend benötigte Bautätigkeit aus. Beim diesjährigen Tag der Bauindustrie debattiert die Branche mit vier Bundesministern über Lösungswege – und die Forderungen sind konkret.
Fünf schwierige Jahre: Lage der Baubranche
Die deutsche Bauindustrie kommt aus einer langen Durststrecke. In jedem der vergangenen fünf Jahre verzeichnete die Branche reale Umsatzrückgänge. Zum Jahresende 2024 schien eine Wende in Sicht: Erstmals seit Jahren wuchs der Umsatz um 2,5 Prozent. Doch die ersten Monate 2025 trübten die Stimmung erneut ein – die Umsätze gehen wieder zurück, der Auftragseingang bleibt schwach.
Erschwerend wirkt der Irankrieg und die Sperrung der Straße von Hormus: Weil weniger Rohöl nach Deutschland gelangt, sind die Bitumenpreise – ein unverzichtbarer Rohstoff für den Asphaltstraßenbau – um bis zu 100 Prozent gestiegen. Anders als in anderen Branchen können Bauunternehmen diese Mehrkosten nicht an öffentliche Auftraggeber weitergeben, da ein jahrzehntealter Ministeriumserlass keine Preisgleitklauseln vorsieht. Die Folge: Einzelne Projekte rutschen in die Unwirtschaftlichkeit, manche Unternehmen bauen für den Bund faktisch mit Verlust.
Sondervermögen und Bauturbo: Viel versprochen, wenig angekommen
Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen sollte der Infrastruktur und dem Klimaschutz einen kräftigen Schub geben. In der Praxis sieht die Bilanz ernüchternd aus. Tim Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, kritisiert: Die Investitionen existieren bislang vor allem auf dem Papier. Für 2027 sollen die Haushaltsinvestitionen sogar um eine Milliarde Euro sinken.
Der sogenannte Bauturbo – Baugenehmigungen sollen vereinfacht und nach drei Monaten automatisch erteilt werden – zeigt zwar erste Wirkung, etwa in Hamburg. Doch die Umsetzung ist nicht flächendeckend, und selbst eine erteilte Baugenehmigung bedeutet noch keinen Bauauftrag. Hinzu kommen lange Planungs- und Genehmigungsverfahren: Für einen Brückenersatzneubau vergehen teils 15 bis 20 Jahre, bevor überhaupt eine Ausschreibung erfolgt.
Die Branche wartet zudem auf konkrete Gesetze, die im Koalitionsvertrag angekündigt wurden:
- Verbesserte steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für Wohnungsbauinvestoren
- Vereinfachung der KfW-Förderkulisse
- Digitale Planungs- und Genehmigungsverfahren
- Gesetze zur Planungsbeschleunigung, die im parlamentarischen Verfahren feststecken
- Einführung von Preisgleitklauseln für öffentliche Bauaufträge
Serielles Bauen als Antwort auf die Wohnungsnot
Neben politischen Reformen rückt eine technologische Lösung in den Fokus: serielles Bauen. Das Prinzip ist nicht neu – die DDR setzte auf die Großtafelbauweise –, doch moderne Varianten gehen weit darüber hinaus. Wände und Decken werden in der Fabrik aus Holz vorgefertigt und auf der Baustelle nur noch montiert. Bis zu sieben Stockwerke sind möglich, das Ergebnis unterscheidet sich optisch kaum von konventionellen Neubauten.
Der entscheidende Vorteil liegt in der Geschwindigkeit: Unternehmen, die auf dieses Verfahren setzen, berichten, beim gleichen Preis wie optimierter klassischer Bau doppelt so schnell fertig zu sein. Für Großinvestoren wie Vonovia, Deutschlands größte Wohnungsgesellschaft, ist das ein zentrales Argument – schnellere Fertigstellung bedeutet früheres Vermieten und bessere Finanzierungskonditionen.
Ein weiterer Aspekt ist die Nachhaltigkeit: Das Bauwesen gilt als größter Müllverursacher in Westeuropa. Durch den Einsatz von Holz und industrieller Vorfertigung lässt sich der CO₂-Fußabdruck sowohl beim Bau als auch im Betrieb deutlich reduzieren. Junge Unternehmen wie das Startup Gropius planen, die Kosten mit steigender Fabrikauslastung weiter zu senken.
Ausblick: Was jetzt gebraucht wird
Die Diagnose der Bauindustrie ist klar: Der Wille zur Modernisierung ist vorhanden, die politischen Rahmenbedingungen fehlen noch. Fachkräftemangel ist derzeit kein akutes Problem – im Gegenteil, manche mittelständischen Betriebe befinden sich bereits in Kurzarbeit, weil Aufträge ausbleiben. Die vorhandenen Kapazitäten könnten sofort genutzt werden, wenn Genehmigungen schneller erteilt, Investitionen verlässlich erhöht und bürokratische Hürden abgebaut würden.
Ob die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag versprochene Investitions- und Entbürokratisierungsoffensive noch in dieser Legislaturperiode in konkrete Gesetze überführt, wird darüber entscheiden, ob die 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen jemals gebaut werden – und ob die Baubranche ihren Abschwung wirklich überwindet.
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