Dieses Video wurde am 17.08.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Wall Street startet uneinheitlich in die neue Handelswoche. Dow Jones und S&P 500 zeigen kaum Bewegung, der Nasdaq konnte zwischenzeitliche Kursgewinne nicht halten. Trotz einiger positiver Einzelmeldungen – etwa aus dem Halbleitersektor mit Marvell, Micron und Sandisk – bleibt die Gesamtstimmung verhalten. Entscheidende Impulse erwartet der Markt in dieser Woche von den Quartalszahlen großer US-Einzelhändler sowie Ende August von der Jackson-Hole-Konferenz der US-Notenbank.
Einzelhandel im Fokus: Walmart, Home Depot und Co. berichten
Ein zentrales Thema der Woche sind die Ergebnisse der großen amerikanischen Einzelhandelskonzerne. Nachdem die US-Einzelhandelsumsätze im Juli überraschend um 0,6 Prozent zurückgingen, schauen Investoren genau hin, was die Unternehmen selbst über die Konsumlaune berichten.
- Walmart meldet am Donnerstag vor dem Börsenstart
- TJX berichtet am Mittwoch vor dem Opening
- Auch Home Depot und Lowe’s stehen mit Zahlen an
Zuletzt hatten Enttäuschungen im Konsumbereich für Kursverluste gesorgt – etwa beim Sneaker-Anbieter On Holding und bei Tapestry, der Muttergesellschaft der Modemarken Coach und Kate Spade. Sollten die großen Einzelhändler keine Abkühlung der Konsumnachfrage bestätigen, wäre das ein deutliches Aufatmungssignal für die Märkte.
Zinsen und Jackson Hole: Fed-Chef Warsh im Mittelpunkt
Die Erwartungen an eine baldige Zinssenkung der Federal Reserve haben sich in den vergangenen zwei Wochen deutlich verschoben. Laut dem sogenannten Fedwatch-Tool lag die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung vor zwei Wochen noch bei über 70 Prozent – heute sind es nur noch rund 30 Prozent.
Bemerkenswert: Trotz dieser veränderten Erwartungen bleiben die Renditen am langen Ende der Zinskurve hartnäckig erhöht. Der 28. August wird deshalb mit Spannung erwartet: An diesem Tag hält Fed-Chef Kevin Warsh seine Rede auf der Jackson-Hole-Tagung in Wyoming. Parallel dazu spielt die japanische Notenbank eine wichtige Rolle. Obwohl Japans BIP im zweiten Quartal mit nur 1,1 Prozent Wachstum unter den Erwartungen blieb, rechnen Märkte im September mit einer weiteren Zinserhöhung in Japan – unter anderem, um den schwachen Yen zu stützen. US-Finanzminister Scott Bessent intervenierte bereits erstmals seit Ende der 1990er Jahre, um die japanische Währung zu stützen.
13F-Filings: Berkshire kauft Google, Nvidia hält SpaceX
Die aktuellen 13F-Pflichtmeldungen großer Investoren gewähren einen Blick in die Portfolioumschichtungen des zweiten Quartals. Berkshire Hathaway hat seine Google-Beteiligung massiv ausgebaut: Fast 50 Millionen weitere Aktien wurden erworben, sodass Berkshire nun rund 106 Millionen Alphabet-Aktien im Wert von etwa 36 Milliarden Dollar hält. Damit ist Google nach Apple die drittgrößte Position im Portfolio – noch vor American Express, Coca-Cola und der Bank of America. Trotzdem reagierte die Google-Aktie kaum, da Zweifel bestehen, ob das Unternehmen im Bereich großer Sprachmodelle (Large Language Models) mit Konkurrenten wie OpenAI und Anthropic mithalten kann.
Nvidia hält laut aktuellen Filings rund 123 Millionen SpaceX-Aktien im Wert von etwa 17,2 Milliarden Dollar. Zudem investiert Nvidia über drei Milliarden Dollar in SB Energy, einen von Softbank geförderten Rechenzentrumsentwickler, der ein massives Datenzentrum in Ohio für OpenAI baut. Das Finanzierungsvolumen liegt bei bis zu 120 Milliarden Dollar – weniger als ursprünglich geplant, aber laut Wall Street Journal werden weitere Garantien von bis zu 350 Milliarden Dollar erwogen.
Anthropic, PayPal und Workday: Weitere Marktthemen im Überblick
Das KI-Unternehmen Anthropic hat im zweiten Quartal seinen Umsatz auf über 11,5 Milliarden Dollar mehr als vierzehnfacht. Für 2028 wird ein Umsatz von rund 195 Milliarden Dollar angepeilt. Ein möglicher Börsengang im Oktober gilt als wahrscheinlich – Analysten verweisen auf Bewertungsmaßstäbe ähnlich wie bei Palantir oder Cloudflare.
Bei PayPal halten Übernahmespekulationen mit Stripe und dem Finanzinvestor Advent an. Das erste Angebot über 60,50 Dollar je Aktie wurde dem Vernehmen nach als zu niedrig abgelehnt. Piper Sandler stuft die Aktie nur mit „Neutral” ein und sieht kaum weiteres Potenzial. Workday steht ebenfalls im Fokus möglicher Übernahmen durch Silver Lake, wird jedoch sowohl von der Deutschen Bank als auch von BTIG lediglich auf „Halten” eingestuft – Analysten zweifeln an deutlich steigenden Margen und sehen nachlassendes organisches Wachstum.
Die Woche an der Wall Street bleibt damit reich an potenziellen Kurstreibern. Ob Einzelhandelsdaten, Notenbankrhetorik oder weitere Portfoliomeldungen – Investoren haben bis zur Jackson-Hole-Konferenz Ende August reichlich Stoff zur Neubewertung ihrer Positionen.
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