Dieses Video wurde am 20.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Ein seltenes und verheerendes Wetterphänomen hat die Region Brandenburg erschüttert: Der Tornado Fürstenwalde traf die Stadt südöstlich von Berlin mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde. Insgesamt wurden am selben Tag in Deutschland fünf Tornados registriert, zwei davon durch Schadenanalysen offiziell bestätigt. Meteorologen stufen das Ereignis als außergewöhnlich ein – sowohl wegen seiner Intensität als auch wegen der entstandenen Schäden in Millionenhöhe.
Warum traf es Fürstenwalde so hart?
Der entscheidende Faktor war das Zusammenspiel unterschiedlicher Windrichtungen in verschiedenen Atmosphärenschichten. Am Boden zog die Gewitterzelle rasch von West nach Ost. In höheren Schichten der Atmosphäre wehten die Winde jedoch aus völlig anderen Richtungen. Diese Kombination versetzte die Luftmassen in eine starke Rotation – die Voraussetzung für die Bildung eines Tornadotrichters.
Verantwortlich für das gesamte Unwetterereignis war ein Tieftroggebiet, das eine kräftige Regenfront von West nach Ost über Deutschland schob. Die Animation der Radarmessungen zeigt, wie das Geschehen bereits am Nachmittag in Potsdam begann und sich dann ostwärts verlagerte. Berlin blieb dabei weitgehend verschont – Fürstenwalde hingegen lag im Zentrum der kritischen Zone.
Entstehung des Tornadotrichters – die Meteorologie dahinter
Wenn bodennahe und höhenluft in unterschiedliche Richtungen strömen, entsteht eine horizontale Windscherung. Diese kann sich unter bestimmten Bedingungen in eine vertikale Rotation umwandeln und schließlich einen charakteristischen Rüssel ausbilden, der vom Gewitterkern bis zum Boden reicht.
Im Fall von Fürstenwalde war dieser Rüssel deutlich sichtbar und fotografisch dokumentiert. Auf Aufnahmen ist zu erkennen, wie der Trichter Dachziegel nach oben abreißt. Dabei entsteht ein simultaner Effekt aus starkem Sog und punktuellem Überdruck, der massive Schäden an Gebäuden verursachen kann. Augenzeugen beschrieben das Ereignis als extrem laut – ein typisches Merkmal von Tornados.
Die Tornadobildung ist in Deutschland nicht ungewöhnlich, tritt aber in dieser Intensität und Häufung an einem einzigen Tag selten auf:
- Fünf Tornados wurden am selben Tag in Deutschland registriert
- Zwei davon sind durch Schadenanalysen offiziell bestätigt
- Fürstenwalde verzeichnete die stärksten Schäden
- Starke Bäume wurden entwurzelt, Dächer teilweise abgedeckt
- Der Schaden beläuft sich auf mehrere Hunderttausend Euro
Einstufung nach der erweiterten Fujita-Skala
Meteorologen ordnen den Tornado in Fürstenwalde vorläufig als EF1 auf der sogenannten erweiterten Fujita-Skala ein. Diese international gebräuchliche Tornadoskala wurde aus einer Kombination von Windmessungen und Schadensbewertungen entwickelt und erlaubt eine nachträgliche Klassifizierung auch ohne direkte Windmessung im Trichter.
EF1 entspricht Windgeschwindigkeiten von etwa 120 bis 180 Kilometern pro Stunde. Für Fürstenwalde gehen Experten von Böen um die 150 km/h aus. Ein klares Indiz dafür: Kräftige, gesunde Bäume wurden deutlich umgerissen – ein Schadensbild, das auf mindestens 100 bis 120 km/h Windgeschwindigkeit hindeutet. Typisch für Tornados wäre zudem ein ringförmiges Schadensmuster am Boden, das in diesem Fall jedoch nicht eindeutig dokumentiert ist.
Theoretisch können Tornados in Deutschland Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde erreichen – das bleibt jedoch eine absolute Ausnahme. Die in den USA bekannten Supertornados mit gewaltigen Trichtern und verheerenden EF4- oder EF5-Klassifizierungen sind hierzulande nicht vergleichbar.
Einordnung und Ausblick
Das Ereignis vom 19. August 2026 zeigt, dass Tornados in Deutschland zwar selten mit amerikanischen Ausmaßen auftreten, aber dennoch erhebliche Schäden anrichten können. Die meteorologischen Bedingungen – ein Tieftrog kombiniert mit starker Windscherung – sind auch in Mitteleuropa grundsätzlich möglich und könnten im Zuge des Klimawandels häufiger auftreten.
Für Betroffene und Behörden in Brandenburg bleibt die Schadensbilanz erheblich. Die genaue Ursache einzelner Gebäudeschäden – ob durch fliegende Äste, umstürzende Bäume oder den direkten Winddruck – muss in vielen Fällen noch abschließend geklärt werden. Experten empfehlen, bei Unwetterwarnungen für solche Wetterlagen frühzeitig Schutz zu suchen und Gegenstände im Freien zu sichern.
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