Polarlichter über Norddeutschland: So entsteht das Spektakel
Polarlichter leuchteten in der Nacht zum 5. Oktober über Norddeutschland. Warum das Naturschauspiel sichtbar war und wie es entsteht – alle Hintergründe.
Dieses Video wurde am 05.10.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
In der Nacht zum 5. Oktober 2026 war der Himmel über Norddeutschland in leuchtende Farben getaucht: Polarlichter in rötlichen, violetten und leichtgrünlichen Tönen zogen über weite Teile der Region. Besonders eindrucksvoll war das Naturschauspiel an Abschnitten der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns sowie auf der Insel Fehmarn zu beobachten. Eigentlich ist dieses Phänomen vor allem in den nördlichen Breiten Europas zu sehen – dass es bis nach Deutschland reichte, hat konkrete physikalische Ursachen.
Wie Polarlichter entstehen
Polarlichter entstehen durch das Zusammenspiel von Sonnenwind und dem Erdmagnetfeld. Die Sonne schleudert kontinuierlich elektrisch geladene Teilchen ins All. Das Magnetfeld der Erde lenkt diese Partikel in Richtung der magnetischen Pole – des Nord- und des Südpols.
Dort treffen die geladenen Teilchen auf Atome und Moleküle in der oberen Atmosphäre, insbesondere auf Sauerstoff und Stickstoff. Bei diesen Kollisionen wird Energie freigesetzt, die als sichtbares Licht wahrgenommen wird. Je nach beteiligtem Gas und der Höhe in der Atmosphäre entstehen dabei unterschiedliche Farben.
- Grünes Licht entsteht durch Sauerstoff in mittleren Höhen (ca. 100–150 km).
- Rotes Licht geht ebenfalls auf Sauerstoff zurück, allerdings in größeren Höhen ab etwa 200 km.
- Blau-violette Töne werden durch angeregte Stickstoffmoleküle erzeugt.
Die Farbenvielfalt, die über Norddeutschland zu sehen war, ist damit ein direktes Abbild der chemischen Zusammensetzung unserer Atmosphäre.
Warum Polarlichter derzeit häufiger in Deutschland sichtbar sind
Dass Polarlichter bis nach Norddeutschland reichen, ist kein alltägliches Ereignis – hängt aber mit einem regelmäßigen astronomischen Zyklus zusammen. Die Sonne durchläuft ungefähr alle elf Jahre einen Aktivitätszyklus, der von einem Minimum zu einem Maximum und wieder zurück führt.
Befindet sich die Sonne nahe ihres Aktivitätsmaximums, kommt es häufiger zu starken Eruptionen, sogenannten Sonneneruptionen oder Flares. Dabei werden enorme Mengen geladener Teilchen ins All geschleudert. Trifft eine solche Teilchenwolke auf die Erde, verstärkt sich der Sonnenwind erheblich – das Magnetfeld wird stärker beansprucht, und Polarlichter können in ungewöhnlich niedrigen Breiten sichtbar werden.
Aktuell befindet sich die Sonne in einer Phase erhöhter Aktivität, was erklärt, warum Polarlichter-Sichtungen in Deutschland in den vergangenen Monaten deutlich häufiger gemeldet wurden als in ruhigeren Sonnenphasen.
Besondere Beobachtungsorte in Norddeutschland
Für die Sichtung von Polarlichtern in Deutschland eignen sich vor allem Regionen mit geringer Lichtverschmutzung und freiem Blick in den Nordhorizont. Die Küstenabschnitte Mecklenburg-Vorpommerns bieten dafür ideale Bedingungen: weite, flache Landschaften und eine unverbaute Sicht über das Meer.
Auch Inseln wie Fehmarn, Rügen oder die Nordfriesischen Inseln sind bei günstigen Bedingungen beliebte Beobachtungspunkte. Entscheidend sind neben der Sonnenaktivität klare Nächte ohne Wolkendecke sowie eine möglichst dunkle Umgebung, da Stadtlicht das schwache Leuchten der Polarlichter schnell überstrahlt.
Ausblick: Wann sind die nächsten Polarlichter zu erwarten?
Eine genaue Vorhersage von Polarlicht-Ereignissen ist schwierig, da sie von kurzfristigen Sonneneruptionen abhängen. Spezialisierte Dienste wie der Weltraumwetterdienst überwachen die Sonnenaktivität und geben Warnungen heraus, wenn erhöhte geomagnetische Aktivität zu erwarten ist. Wer das nächste Naturschauspiel nicht verpassen möchte, sollte solche Dienste im Blick behalten.
Da die Sonne sich weiterhin in einer aktiven Phase ihres Zyklus befindet, sind weitere Polarlicht-Sichtungen auch in Norddeutschland in den kommenden Monaten durchaus realistisch. Das Spektakel der Nacht zum 5. Oktober dürfte damit kein einmaliges Ereignis gewesen sein.
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