Dieses Video wurde am 01.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Deutsche Mieterbund schlägt Alarm: Fast jeder dritte Mieter in Deutschland fürchtet, seine Wohnkosten künftig nicht mehr tragen zu können. Das zeigt eine am Dienstag in Berlin vorgestellte Forsa-Umfrage, die der Verband in Auftrag gegeben hat. Die Ergebnisse sind alarmierend — und die Forderung des Mieterbundes ist klar: Deutschland braucht einen bundesweiten Mietenstopp, eine wirksame Mietpreisbremse und mehr staatliche Regulierung auf dem Wohnungsmarkt.
Mietenstopp als Reaktion auf wachsende Wohnkostenlast
Laut der Forsa-Umfrage berichteten 58 Prozent der befragten Mieter von gestiegenen Wohnkosten in den vergangenen zwölf Monaten. Die Folgen sind gravierend: Viele Menschen sparen bei Grundbedürfnissen wie Lebensmitteln, Medikamenten und der Altersvorsorge, nur um ihre Miete weiterhin bezahlen zu können.
Mieterbund-Präsident Moritz Weber machte deutlich, wo er politischen Handlungsbedarf sieht: „Wir müssen den Mietenanstieg stoppen. Das braucht einen bundesweiten Mietenstopp.” Gleichzeitig warnte er vor dem schwindenden Sicherheitsgefühl vieler Mieterinnen und Mieter — jeder Zweite fürchtet, im Bedarfsfall keine bezahlbare Wohnung mehr finden zu können.
Konkrete Forderungen: Mietpreisbremse und Bußgelder
Der Deutsche Mieterbund begnügt sich nicht mit dem Ruf nach einem generellen Einfrieren der Mieten. Der Verband formuliert ein ganzes Maßnahmenpaket, das den Wohnungsmarkt spürbar regulieren soll:
- Ein bundesweiter Mietenstopp, der weiteren Mietanstieg unmittelbar unterbindet
- Eine Mietpreisbremse, die dauerhaft wirkt und tatsächlich durchgesetzt wird
- Ein Mietrechtsverstoß, der mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden kann
- Konsequente behördliche Verfolgung von Verstößen gegen Mietobergrenzen
Weber betonte dabei den gesellschaftlichen Aspekt: „Es geht um soziale Sicherheit, es geht um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wohnen ist kein Luxus, darf kein Luxus sein. Wohnen darf kein Spekulationsobjekt sein — es ist ein Grundrecht.”
Wohngeld-Kürzungen stoßen auf scharfe Kritik
Besonders scharf kritisiert der Mieterbund die von der Bundesregierung beschlossenen Kürzungen beim Wohngeld. Ausgerechnet in einer Phase, in der Mieterinnen und Mieter finanziell unter Druck geraten, werde eine der wenigen staatlichen Stützungsmaßnahmen zurückgefahren. Für den Verband ist das ein falsches Signal — sowohl sozialpolitisch als auch mit Blick auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Die Kürzungen treffen jene Menschen besonders hart, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, um ihre Miete überhaupt noch leisten zu können. Der Mieterbund sieht darin einen Widerspruch zu einem verfassungsrechtlich verankerten Anspruch auf angemessenes Wohnen.
Wohnungsmangel verschärft die Lage weiter
Die Nachfrageseite verschärft das Problem zusätzlich. Einer weiteren Studie zufolge fehlen in Deutschland derzeit mehr als 1,3 Millionen Wohnungen. Eine rasche Entspannung ist laut Wissenschaftlern nicht in Sicht.
Zwar stiegen die Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2026 so stark wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Doch Experten warnen, dass dies nicht automatisch zu mehr fertiggestellten Wohnungen führt. Das ifo Institut erwartet für das Jahr 2026 lediglich rund 185.000 fertiggestellte Wohnungen — ein 15-Jahres-Tief. Der tatsächliche Bedarf liegt nach übereinstimmenden Schätzungen bei mindestens 300.000 Einheiten pro Jahr.
Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage bleibt damit weit geöffnet. Solange der Neubau hinter dem Bedarf zurückbleibt, werden Mietpreisbremse und Mietenstopp als regulatorische Instrumente an Bedeutung gewinnen — und der politische Druck auf Bund und Länder dürfte weiter steigen.
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