Grönland-Deal: USA erhalten dauerhafte Sicherheitskontrolle
Die USA und Dänemark haben offenbar einen Grönland-Deal geschlossen. Trump beansprucht dauerhafte Sicherheitskontrolle – doch Details bleiben unklar.
Dieses Video wurde am 19.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Ein überraschender diplomatischer Durchbruch im Streit um Grönland: US-Präsident Donald Trump verkündete auf seiner Plattform Truth Social, dass die Vereinigten Staaten ein Abkommen mit dem Königreich Dänemark und Grönland geschlossen hätten. Demnach sollen die USA dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit und „alle anderen Belange” auf der Arktis-Insel erhalten. Der sogenannte Grönland-Deal sorgt für Aufsehen – doch zwischen den Aussagen Trumps und den Reaktionen aus Kopenhagen und Nuuk klaffen erhebliche Lücken.
Wie es zum Grönland-Deal kam
Anfang des Jahres hatte Trump mit teils drastischen Aussagen Schlagzeilen gemacht: Er drohte, die Arktis-Insel Grönland zu übernehmen – zur Not auch mit militärischen Mitteln. Obwohl Grönland rechtlich zu Dänemark gehört, ist die Insel mit ihren knapp 27.000 Einwohnern weitgehend selbstverwaltet. Die Ankündigung des US-Präsidenten löste weltweit Empörung und Solidaritätsbekundungen mit Grönland aus.
Irgendwann ließ Trump von seinen direkten Drohungen ab. Stattdessen nahm eine hochrangige Arbeitsgruppe ihre Arbeit auf, um Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit zwischen den USA, Dänemark und Grönland auszuloten. Diese Verhandlungen mündeten nun offenbar in einer ersten Vereinbarung.
Was Trump auf Truth Social verkündete
Trump formulierte den Inhalt des Abkommens in ungewohnt weitreichenden Worten. Laut seinem Post auf Truth Social beinhaltet der Deal folgende Kernpunkte:
- Die USA erhalten dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Belange in Grönland.
- Kein Gegner der USA darf künftig einen Militärstützpunkt auf Grönland errichten.
- Eine militärische Präsenz feindlicher Staaten auf der Insel ist ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung der USA verboten.
- Sensible Investitionen durch US-Gegner bedürfen ebenfalls der amerikanischen Genehmigung.
Die Reichweite dieser Formulierungen ist bemerkenswert – und genau darin liegt ein zentrales Problem des Abkommens.
Dänemark und Grönland widersprechen Trumps Darstellung
Sowohl die dänische Regierung als auch die grönländische Seite bestätigten Trumps Version des Deals ausdrücklich nicht. Konkrete Inhalte des Abkommens wurden nicht öffentlich gemacht. Beide Seiten wiesen zudem darauf hin, dass noch weitere Zwischenetappen bevorstünden, bevor von einer abschließenden Einigung gesprochen werden könne.
Dennoch machte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bei einer Pressekonferenz fünf Tage vor Trumps Ankündigung deutlich, wie groß der Einigungsdruck gewesen war. „Ich denke, jeder erkennt an, dass Grönland unter großem Druck gestanden hat”, sagte Frederiksen. Zugleich dankte sie den europäischen Partnern für deren „breite und starke Unterstützung”.
Diese Aussagen deuten darauf hin, dass die dänische Regierung das Ergebnis der Verhandlungen als Erleichterung betrachtet – auch wenn sie Trumps Formulierungen nicht übernimmt.
Offene Fragen und unsichere Rechtslage
Das Grönlandische Landesparlament sowie das dänische Folketing haben das Abkommen bislang nicht ratifiziert. Solange keine parlamentarische Bestätigung vorliegt, bleibt der völkerrechtliche Status des Deals unklar. Auch inhaltlich herrscht Unklarheit: Es ist offen, ob Trump sowie die dänische und grönländische Seite dasselbe unter dem meinen, was angeblich vereinbart wurde.
Besonders die Formulierung „dauerhafter Kontrolle über alle anderen Belange” geht weit über klassische Sicherheitskooperationen hinaus und dürfte in den kommenden Verhandlungsrunden noch erheblichen Diskussionsstoff bieten. Beobachter erwarten, dass die endgültige Fassung des Abkommens deutlich moderater ausfallen könnte als Trumps öffentliche Darstellung.
Der Grönland-Deal markiert trotz aller Unschärfen einen politischen Wendepunkt: Nach Monaten offener Konfrontation gibt es erstmals eine zumindest prinzipielle Übereinkunft zwischen Washington, Kopenhagen und Nuuk. Wie tragfähig diese Einigung tatsächlich ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen – wenn die Details auf dem Tisch liegen und die Parlamente das letzte Wort haben.
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