CDU in der Krise: Merz bestellt Präsidium ein
Vor der Doppelwahl in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin beruft Friedrich Merz das CDU-Präsidium ein. Die Partei steckt tief in der Krise – ein Überblick.
Dieses Video wurde am 20.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die CDU steckt in einer tiefen CDU-Krise: Am Abend einer Doppelwahl in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin hat Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz das Parteipräsidium mit Anwesenheitspflicht ins Konrad-Adenauer-Haus einbestellt. Der Schritt ist mehr als ein formaler Akt – er ist ein Zeichen, dass die Christdemokraten dringend einen Plan brauchen, egal wie die Wahlergebnisse des Abends ausfallen. Denn die Erwartungen an die Partei sind minimal, die Nervosität in der Berliner Parteizentrale dagegen greifbar.
Desaster in Sachsen-Anhalt als Vorgeschichte
Der aktuelle Druck auf Merz hat eine konkrete Vorgeschichte. Bei der Wahl in Sachsen-Anhalt stürzte die CDU auf katastrophale 17 Prozent ab, während die AfD triumphierte. Was den Bruch innerhalb der Partei jedoch besonders sichtbar machte, war nicht das Ergebnis allein – es war die Leere im Konrad-Adenauer-Haus am Wahlabend.
Von den führenden CDU-Politikern erschien kaum jemand. Ministerpräsident Daniel Günther war der einzige, der den Weg nach Berlin fand. Andere hatten offenbar Wichtigeres vor: Hendrik Wüst absolvierte einen Triathlon, Kretschmann feierte auf einer Comedybühne. Weitere Granden der Partei sagten nicht einmal ab.
Merz soll daraufhin vergeblich telefoniert haben, um mehr Solidarität zu mobilisieren. Stattdessen kursierte ein Brief von acht Ministerpräsidenten, der Geschlossenheit und Tatkraft beschwor – aber den Namen Friedrich Merz nicht enthielt. Ein Signal, das in der Partei nicht unbemerkt blieb.
Doppelwahl mit doppeltem Risiko
Nun steht erneut ein schwieriger Wahlabend bevor. In Mecklenburg-Vorpommern droht der CDU, zur Kleinstpartei zu schrumpfen. In Berlin könnte die politische Macht an linke Kräfte übergehen. Beide Szenarien wären für Merz als Parteichef und Kanzler schwer zu erklären.
- In Mecklenburg-Vorpommern droht der CDU ein einstelliges Ergebnis
- In Berlin könnte die CDU erheblich an Regierungseinfluss verlieren
- Die AfD gilt in beiden Ländern als starke Konkurrenz
- Merz steht parteiintern unter wachsendem Druck der Ministerpräsidenten
Die heutige Präsidiumssitzung ist deshalb mehr als eine Krisenrunde – sie ist ein Stresstest für die Autorität des Parteichefs. Die Ministerpräsidenten, die als Teil des Präsidiums erscheinen müssen, erwarten klare Antworten: Wie geht es weiter? Welchen Kurs schlägt Merz ein?
Merz unter Druck: Vertrauen auf dem Prüfstand
Das Verhältnis zwischen Friedrich Merz und seinen Parteikollegen ist angespannt. Die freiwillige Einladung zum Wahlabend in Sachsen-Anhalt hatte demonstrativ wenig Resonanz gefunden – weshalb diesmal Anwesenheitspflicht gilt. Einigkeit auf Bestellung: So lässt sich die aktuelle Lage der CDU kaum treffender beschreiben.
Merz selbst hat in der Vergangenheit immer wieder auf Konrad Adenauer verwiesen, der ebenfalls unpopuläre Entscheidungen durchsetzen musste. Doch die Ausgangslage heute unterscheidet sich fundamental: Damals stand die Partei hinter ihrem Vorsitzenden. Heute ist es die Partei, die auf klare Führung wartet.
Für Merz geht es an diesem Abend nicht nur um Wahlergebnisse. Es geht um das Vertrauen seiner eigenen Partei – und damit mittelbar auch um seine Stellung als Bundeskanzler. Sollte dieses Vertrauen weiter bröckeln, droht ihm ein Machtverlust, der weit über die Parteizentrale hinausreicht.
Ausblick: Wie stabil ist die CDU noch?
Die kommenden Stunden werden zeigen, ob Friedrich Merz das Präsidium hinter sich versammeln kann. Doch selbst ein geschlossenes Auftreten am Wahlabend löst die strukturellen Probleme der CDU nicht. Die Partei verliert in mehreren Bundesländern an Boden, das Profil gegenüber der AfD bleibt unscharf, und der interne Zusammenhalt wirkt fragil.
Entscheidend wird sein, ob Merz in der Lage ist, einen überzeugenden strategischen Plan vorzulegen – einen, der mehr ist als symbolische Geschlossenheit auf Bestellung. Die Christdemokraten brauchen eine Antwort auf die Frage, wohin die Partei steuert. Und diese Antwort wird spätestens heute Abend eingefordert.
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