Schwesig nach MV-Wahl: SPD vorne, AfD gestoppt
Manuela Schwesig zeigt sich nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern erleichtert: Die SPD landet bei 36 % – doch die AfD bleibt gefährlich nah.
Dieses Video wurde am 20.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) ein starkes Ergebnis von rund 36 Prozent beschert – ein bemerkenswerter Aufholkurs nach Umfragewerten von nur 20 Prozent vor etwa einem Jahr. Trotz des Erfolgs liegt das Ergebnis knapp über dem der AfD, die als zweitstärkste Kraft aus der Wahl hervorgeht. Schwesig zeigte sich erleichtert und entschlossen zugleich: Die demokratischen Parteien verfügen gemeinsam über eine Mehrheit, um eine stabile Regierung zu bilden.
Kraftakt im Wahlkampf zahlt sich aus
Die Ausgangslage für die SPD war noch vor wenigen Monaten alles andere als komfortabel. In Umfragen lag die Partei zeitweise bei nur 20 Prozent, ehe ein konsequenter Wahlkampf rund um konkrete Alltagsthemen die Trendwende brachte. Das Ergebnis von über 35 Prozent gilt Schwesig als klares Signal der Wählerinnen und Wähler.
Schwesig betonte, dass die Bezahlbarkeit des Lebens der wichtigste Schwerpunkt im Wahlkampf gewesen sei. Seit dem Sommer habe sie sich für sinkende Spritpreise eingesetzt – eine Maßnahme, die erst einen Tag vor der Wahl umgesetzt wurde, was bei vielen Bürgerinnen und Bürgern kritisch aufgenommen wurde.
Laut eigenen Angaben sprechen zudem über 60 Prozent der Wählerinnen und Wähler dafür aus, dass Schwesig ihre Arbeit als Ministerpräsidentin fortsetzt – ein Vertrauensbeweis, auf den sie ausdrücklich hinwies.
AfD gestoppt – aber weiterhin stark
Die AfD hatte sich für diesen Wahlabend deutlich mehr erhofft: eine absolute Mehrheit, eine Alleinregierung und einen direkten Machtwechsel. Dieses Ziel wurde verfehlt. Schwesig wertete das als gemeinsamen Erfolg der demokratischen Parteien.
Dennoch schnitt die AfD stärker ab, als ihr eigener Spitzenkandidat Leif Erik Holm Zustimmung erhielt. Nur 33 Prozent der Befragten wollten Holm als Ministerpräsidenten – die Partei selbst erhielt jedoch mehr Stimmen. Das Phänomen zeigt, wie breit die Unzufriedenheit in Teilen der Bevölkerung ist.
Schwesig warf der AfD vor, in Wahrheit kein Interesse an einer Regierungsbeteiligung mit demokratischen Parteien zu haben. Ihre Begründung:
- Die AfD MV kooperiert mit Vertretern, die aus als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Landesverbänden stammen.
- Personen mit krimineller Vergangenheit erhalten Mandate, statt aus der Partei ausgeschlossen zu werden.
- Die Einladung von Politikern wie Björn Höcke belege die fortschreitende Radikalisierung der Partei.
Eine Regierungsbeteiligung der AfD schloss Schwesig damit de facto aus.
Kritik an der Bundesregierung und Friedrich Merz
Deutliche Worte fand Schwesig in Richtung Berlin. Nur fünf Prozent der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern vertrauten Bundeskanzler Friedrich Merz, lediglich sechs Prozent der gesamten Bundesregierung. Das seien alarmierende Werte, die eine ernsthafte Selbstkritik erforderten.
Schwesig mahnte, der Koalitionsvertrag auf Bundesebene müsse vollständig umgesetzt werden – insbesondere soziale Sicherungslinien wie die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Ein „Weiter so” dürfe es aus ihrer Sicht nicht geben. Stattdessen brauche es wirtschaftliche Perspektiven und eine spürbare Entlastung der Bürgerinnen und Bürger.
Koalitionsoptionen: Gespräche mit allen Demokraten
Für die Regierungsbildung in Mecklenburg-Vorpommern signalisierte Schwesig Gesprächsbereitschaft gegenüber allen demokratischen Parteien. Als wahrscheinlichste Option gilt eine Koalition aus SPD, Linke und Grünen – ein sogenanntes Rot-Rot-Grün-Bündnis.
Schwesig warnte dabei ausdrücklich vor dem Vorbild Sachsen-Anhalt, wo die AfD zwar gewonnen habe, aber keine stabile Regierung bilden könne. Solches Regierungschaos sei für Mecklenburg-Vorpommern keine Option – das Land verzeichne Wirtschaftswachstum und müsse nun stärker in Bildung und Familien investieren. Der Auftrag der Bürgerinnen und Bürger sei klar: politische Stabilität und inhaltliche Arbeit für alle – unabhängig davon, wen sie gewählt haben.
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