AfD gewinnt Wahl in Mecklenburg-Vorpommern
Bei der Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern landet die AfD mit Spitzenkandidat Erik Holm auf Platz 1 – knapp vor Amtsinhaberin Manuela Schwesig.
Dieses Video wurde am 20.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die AfD ist als stärkste Kraft aus der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hervorgegangen. Spitzenkandidat Erik Holm sprach unmittelbar nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse von einem klaren Auftrag zur Regierungsbildung. Das Rennen gegen die langjährige Amtsinhaberin und SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig war dabei bis zuletzt äußerst eng – ein Kopf-an-Kopf-Duell, das die politische Lage im Nordosten Deutschlands grundlegend verändern könnte.
Knappes Ergebnis: AfD setzt sich gegen Schwesig durch
Der Wahlabend verlief spannungsgeladen. Lange Zeit war unklar, ob die AfD die SPD tatsächlich auf Platz zwei verweisen kann. Erik Holm beschrieb den Wahlkampf als einen, der „mit harten Bandagen” geführt worden sei – insbesondere von der amtierenden Ministerpräsidentin Schwesig. Am Ende sicherte sich die AfD dennoch die Führung.
Holm führte den Aufholjagd-Effekt der SPD unter anderem auf den Rückgang anderer Parteien zurück. Besonders auffällig: Die CDU landete laut ersten Hochrechnungen bei lediglich rund 7 Prozent – ein historisch schwaches Ergebnis für die Union in dem Bundesland. Stimmen, die zuvor auf kleinere Parteien entfallen waren, flossen demnach zur SPD.
Holm erhebt Anspruch auf Regierungsbildung
Trotz der knappen Mehrheitsverhältnisse erhebt die AfD klar den Anspruch, die Regierung in Schwerin zu stellen. Holm kündigte an, andere Parteien zu Koalitionsgesprächen einzuladen, und appellierte an demokratische Verantwortung:
- Die AfD sehe sich durch das Wahlergebnis mit einem eindeutigen Regierungsauftrag ausgestattet.
- Gespräche mit anderen Fraktionen im neuen Landtag seien geplant und erwünscht.
- Holm betonte, es gehe nicht um Abgrenzung, sondern darum, Mecklenburg-Vorpommern voranzubringen.
- Die Wahlbeteiligung sei in diesem Jahr besonders hoch gewesen – dies wertete Holm auch als Verdienst seiner Partei.
Ob sich tatsächlich eine Koalitionspartnerin für die AfD findet, bleibt allerdings offen. Andere Parteien hatten im Wahlkampf eine Zusammenarbeit mit der AfD weitgehend ausgeschlossen.
Bundespolitische Signalwirkung: Kanzler unter Druck?
Erik Holm ließ es sich nicht nehmen, das Ergebnis auch als Signal in Richtung Berlin zu deuten. Das schwache Abschneiden der CDU werde „die Wände in Berlin wackeln lassen”, sagte er. Zudem zweifelte Holm öffentlich daran, ob der amtierende Bundeskanzler noch bis zum Jahresende im Amt bleiben werde.
Solche Aussagen zeigen, dass die AfD das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern gezielt als Ausgangspunkt für eine breitere bundespolitische Debatte nutzen will. Der Wahlerfolg im Nordosten gilt als weiteres Mosaikstück in einer Serie von Stimmenzuwächsen der Partei in ostdeutschen Bundesländern.
Holms persönliche Lage: Landtag oder Bundestag?
Auch die persönliche Zukunft von Erik Holm war am Wahlabend noch ungeklärt. Holm trat im Direktwahlkreis Schwerin gegen Manuela Schwesig an und verfügt weiterhin über sein Bundestagsmandat. Er machte deutlich, dass er bei einem Einzug in den Landtag dort aktiv werden wolle – vorrangiges Ziel sei jedoch die Regierungsbildung in Mecklenburg-Vorpommern.
Der Ausgang der Koalitionsverhandlungen wird in den kommenden Wochen zeigen, ob der AfD-Erfolg bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern tatsächlich in politische Gestaltungsmacht mündet – oder ob die Partei trotz Platz eins erneut in der Opposition verbleibt. In jedem Fall markiert dieses Ergebnis eine Zäsur in der Nachwendegeschichte des Landes, das seit Jahrzehnten von der SPD dominiert wurde.
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