Tuesday, 22. September 2026
AfD

Berlin-Wahl: Streit um AfD, Merz und die Linke

Nach der Berlin-Wahl diskutieren Politiker und Experten über Friedrich Merz' Führungsschwäche, den Umgang mit der AfD und den Linken-Erfolg bei jungen Wählern.

Redaktion · 22. September 2026, 17:55 Uhr · 5 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 22.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Die Berlin-Wahl hat eine breite politische Debatte ausgelöst: Kann Friedrich Merz als Bundeskanzler noch Vertrauen zurückgewinnen? Wer darf sich „demokratische Partei” nennen – und wer nicht? Und warum wählen fast 43 Prozent der Berliner Erstwähler die Linke? Diese Fragen diskutierten der frühere CDU-Generalsekretär Maru Chaer, Unternehmer Michael Ostermann und Global-Reporter Mark Felix Serao in der WELT-Sendung „Meinungsfreiheit” mit Moderatorin Nena Brockhaus.

Friedrich Merz: Vertrauen verspielt, Empathie vermisst

Die schärfste Kritik richtete sich gegen Bundeskanzler Friedrich Merz. Chaer, der unter Merz als Generalsekretär der CDU fungierte und dann abgelöst wurde, zog eine ernüchternde Bilanz: Merz habe grundlegendes Vertrauen verspielt – vor allem durch die Aufweichung der Schuldenbremse gemeinsam mit SPD-Chef Lars Klingbeil, ein Schritt, den Chaer als Verrat am Erbe Wolfgang Schäubles und an zentralen Unionsversprechen wertet.

Besonders scharf fiel die Kritik an Merz’ emotionaler Distanz aus. Seine Reaktion auf das Wahlergebnis am Wahlabend um 18:05 Uhr habe viele CDU-Mitglieder sprachlos zurückgelassen. Sätze wie „Die Menschen verstehen nur noch nicht, wie ich denke” oder der Verweis gegenüber einer Ärztin, sie sei „Nutznießerin des Systems”, zeugen laut Chaer von fehlendem Handwerk und mangelnder Empathie.

Serao ergänzte: Das eigentliche Problem sei nicht mangelnde Kommunikation, sondern fehlende Substanz. Merz sei als kantiger Reformkanzler gewählt worden – doch echte Reformen in der Energiepolitik, beim Subventionsabbau oder bei der Rückkehr zur Kernenergie seien ausgeblieben. Ostermann mahnte, die Debatte nicht allein an Personen festzumachen: Eine Koalition aus zwei sich gegenseitig lähmenden Parteien sei das strukturelle Problem.

AfD-Ausgrenzung: demokratisch oder anmaßend?

Ein zentrales Streitthema war der Umgang mit der AfD nach der Berlin-Wahl. Serao kritisierte scharf, dass die AfD – als derzeit stärkste Partei im Bund und Wahlsiegerin in Mecklenburg – routinemäßig aus dem Kreis „demokratischer Parteien” ausgeschlossen werde.

  • Die AfD hat sich programmatisch nie für die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie ausgesprochen.
  • Rund 30 Prozent der Bundesbürger wählen sie – ihre Stimmen als „antidemokratisch” zu bezeichnen sei respektlos.
  • Es gebe eine Ungleichbehandlung: Mit der Linkspartei werde sondiert, mit der AfD grundsätzlich nicht.
  • CDU-Politiker grüßen AfD-Kollegen per WhatsApp zum Geburtstag, meiden aber öffentlich jeden Kontakt – ein Verhalten, das Chaer als verlogen bezeichnete.

Chaer räumte ein, dass die AfD keine normale Partei sei, solange sie sich nicht klar von extremistischen Strömungen in den eigenen Reihen distanziere. Er plädierte dennoch für Gespräche, mindestens auf Landesebene. Ostermann sprach sich sogar für die Option einer Minderheitsregierung aus, die mit wechselnden Mehrheiten – gegebenenfalls auch mit AfD-Stimmen – abstimmt, um die politische Paralyse zu überwinden.

Linke in Berlin: Wahlerfolg mit Clan-Kontakten und Sozialismus-Versprechen

Moderatorin Brockhaus zeigte sich „entsetzt” über zwei Entwicklungen rund um die Linkspartei in Berlin. Erstens: Ein linker Bundestagsabgeordneter soll Kontakte in die Berliner Clanszene gepflegt und den Sohn eines bekannten Clanchefs um Reichweite für seine Social-Media-Kanäle gebeten haben – mit dem Zusatz „Grüße mit Respekt zurück für deinen Vater.” Brockhaus bezeichnete den Abgeordneten als „verlogenste Person der Woche” und forderte seinen Rücktritt.

Zweitens: 43 Prozent der Berliner Wähler unter 25 Jahren stimmten für die Linke – eine Partei, die jede Abschiebung ablehnt, Wohneigentum enteignen will und Mietendeckel propagiert. Bei den unter 34-Jährigen lag der Anteil sogar bei 48 Prozent.

Serao erklärte den Erfolg pragmatisch: Die Linke habe gezielt migrantische Wählergruppen auf Arabisch und Kurdisch angesprochen, eine migrantische Spitzenkandidatin aufgestellt und den dysfunktionalen Berliner Wohnungsmarkt geschickt als Marktversagen – statt als Regulierungsversagen – gerahmt. Chaer warnte vor einer Unterschätzung: Diese Partei sei in Berlin gefährlicher als die AfD, da sie reale Regierungschancen besitze und mit antisemitischen Positionen gezielt Wähler mobilisiere.

Wirtschaftsstandort Deutschland: technologischer Anschluss in Gefahr

Ostermann, CEO des insolventen Batterieunternehmens Varta, schlug Alarm: Europa drohe zum technologischen Zuschauer zu werden. Während die USA, China, Indien und Südkorea Schlüsselindustrien gezielt fördern und Rohstoffketten als geopolitische Waffe nutzen, debattiere die EU über Verpackungsverordnungen und Beihilferecht.

Deutschland verliere monatlich rund 10.000 Industriearbeitsplätze. Als Ursachen nannte Ostermann überbordende Bürokratie, zu hohe Energiekosten und eine Verwaltungskultur, in der Untätigkeit dem Risiko einer Fehlentscheidung vorgezogen werde. Im Fall Varta seien hausgemachte Managementfehler – darunter halbe Milliarden Euro Fehlinvestitionen, ein gescheitertes Automotive-Abenteuer und schuldenfinanzierte Dividendenausschüttungen – der eigentliche Auslöser der Insolvenz gewesen.

Die Debatte verdeutlicht: Die Berlin-Wahl ist weit mehr als ein regionaler Urnengang. Sie spiegelt grundlegende Fragen über Regierungsfähigkeit, demokratische Spielregeln und wirtschaftliche Erneuerung wider – Fragen, auf die weder die Bundesregierung noch die Opposition bislang überzeugende Antworten gefunden haben.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (WELT Nachrichtensender). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

RE

Redaktion

Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Schnell, klar und rund um die Uhr aktualisiert.

Kommentar schreiben

Mehr aus Innenpolitik

Alle Beiträge →