Ilse Aigner als Bundespräsidentin: Söders Coup
Ilse Aigner gilt als aussichtsreichste Kandidatin für die Steinmeier-Nachfolge. Wie Söder den Coup landete und Merz das Nachsehen hat – ein Überblick.
Dieses Video wurde am 06.11.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier scheint so gut wie entschieden: Alle Zeichen deuten auf Ilse Aigner als künftige Bundespräsidentin hin. Die bayerische Landtagspräsidentin hat es geschafft, parteiübergreifend hohe Beliebtheitswerte zu erzielen – und das macht sie zur beinahe alternativlosen Kandidatin. Während CSU-Chef Markus Söder die Personalie früh und geschickt ins Spiel brachte, hat Bundeskanzler Friedrich Merz den richtigen Moment verpasst, eine eigene Kandidatin durchzusetzen.
Wie Söder Aigner früh als Kandidatin platzierte
Bereits im April ließ Söder den Namen Aigner erstmals öffentlich fallen – zu einem Zeitpunkt, als Merz noch gar nicht ernsthaft über die Besetzung des höchsten Staatsamtes nachgedacht hatte. Beim CSU-Parteitag in München erlebte Aigner dann einen regelrechten Triumphmoment: Als ihr Name fiel, sprangen die Delegierten mit Standing Ovations auf. Merz, der zu diesem Zeitpunkt auf Auslandsreise war, hatte keine schlagfertige Antwort.
Ein Instinktpolitiker hätte diesen Moment genutzt, um Aigner öffentlich zu umarmen und die Personalie für sich zu beanspruchen. Merz tat es nicht – und verlor damit die Initiative. Seitdem haben sich immer mehr Landesvorsitzende für Aigner ausgesprochen, ohne dass nennenswerter Widerstand aus der CDU kam.
Merz ohne eigene Kandidatin – eine Frage der Ehre
Für Merz war die Angelegenheit auch eine Frage der Ehre: Er wollte sich die Personalie nicht von Söder vorschreiben lassen. Doch alle Alternativkandidatinnen erwiesen sich als nicht durchsetzbar.
- Julia Klöckner, Bundestagspräsidentin, wäre Merz’ bevorzugte Wahl gewesen – doch die SPD signalisierte frühzeitig, dass sie nicht mitziehen würde.
- Ines Klaua wurde als weiterer Name genannt, blieb jedoch weitgehend unbekannt und wurde nicht als ernsthafte Kandidatin gehandelt.
- Weitere eigene Kandidaten konnte Merz in den entscheidenden Monaten nicht aufbauen.
Das Ergebnis: Merz steht nun unabhängig vom Ausgang als politischer Verlierer da. Nominiert er Aigner, hat Söder gewonnen. Stellt er im letzten Moment eine Gegenkandidatin auf, die scheitert, ist der Schaden noch größer.
Söders strategisches Kalkül: Aigner aus Bayern entfernen
Hinter Söders Engagement für Aigner steckt nach Einschätzung politischer Beobachter auch eigenes Kalkül. Die Landtagspräsidentin galt in Bayern als einzige ernstzunehmende Konkurrentin um die CSU-Spitzenkandidatur bei der nächsten Landtagswahl. Nach einer schwachen Kommunalwahl war Söder intern unter Druck geraten – Teile der CSU riefen nach Aigner.
Indem er sie nun elegant nach Berlin befördert, löst Söder gleich zwei Probleme auf einmal: Er räumt eine innerparteiliche Rivalin aus dem Weg und profiliert sich gleichzeitig als Königsmacher auf Bundesebene. Allerdings hat dieser Schritt einen Preis: Sollte Aigner Bundespräsidentin werden, sinken Söders eigene Chancen auf das Bundeskanzleramt weiter – denn zwei CSU-Politiker können nicht gleichzeitig die beiden höchsten Staatsämter besetzen.
In Unionskreisen wird dieser Einwand jedoch zunehmend relativiert. Die CDU verfügt derzeit über wenige profilierte Spitzenköpfe. Sollte Merz nicht erneut als Kanzlerkandidat antreten und Hendrik Wüst bei der NRW-Landtagswahl schwächeln, wäre das Kandidatenfeld für die Union ohnehin überschaubar.
Was für eine Präsidentin wäre Ilse Aigner?
Aigner gilt als nahbar, unideologisch und parteiübergreifend beliebt – Eigenschaften, die sie von vielen anderen Spitzenpolitikern unterscheiden. Als bayerische Landtagspräsidentin bewies sie Durchsetzungsvermögen, etwa im Umgang mit der AfD, der sie klare Grenzen setzte.
Ihren Stil beschreiben Kenner als den einer Bürgerpräsidentin – vergleichbar mit Horst Köhler, der einst als Präsident zum Anfassen galt. Nach einem Jahrzehnt der als nüchtern und distanziert empfundenen Amtsführung Steinmeiers könnte Aigner einen deutlichen Kontrapunkt setzen: wärmer, volksnäher, mit dem Anspruch, wichtige gesellschaftliche Impulse zu setzen.
Offen bleibt die Frage, wie sie sich als Rednerin auf dem nationalen Parkett schlagen wird. Doch selbst Kritiker räumen ein, dass sie das Kunststück vollbracht hat, in CDU, CSU, SPD und bei den Grünen gleichermaßen akzeptiert zu sein – eine Voraussetzung, die für das Amt des Bundespräsidenten kaum wichtiger sein könnte. Die Bekanntgabe der Kandidatur wird noch an diesem Wochenende erwartet.
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