ifo-Geschäftsklimaindex September 2026: Erholung mit Schatten
Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im September 2026 auf 89,9 Punkte – der fünfte Anstieg in Folge. ifo-Präsident Fuest erklärt Licht und Schatten der Konjunktur.
Dieses Video wurde am 24.09.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im September 2026 auf 89,9 Punkte gestiegen – nach 88,8 Punkten im August. Es ist der fünfte Anstieg in Folge und damit ein klares Signal für eine wirtschaftliche Erholung in Deutschland. Dennoch warnt ifo-Präsident Clemens Fuest vor übertriebener Euphorie: Mehr Unternehmen berichten noch immer von schlechten Geschäften als von guten. Die Lage hat sich verbessert, aber von Jubelstimmung kann keine Rede sein.
ifo-Geschäftsklimaindex übertrifft Markterwartungen
An den Finanzmärkten war für September ein niedrigerer Indexwert erwartet worden. Die positive Überraschung erklärt sich vor allem durch drei Faktoren: die nachlassende Unsicherheit rund um den Iran-Konflikt, stärker als erwartet wirkende staatliche Ausgabenprogramme sowie eine leichte Stabilisierung bei den deutschen Exportmärkten.
Im April 2026 hatte die Stimmung noch auf einem Mehrjahrestief gelegen, als die Eskalationsgefahr im Nahen Osten besonders groß war. Seitdem ist der Index kontinuierlich gestiegen – getrieben von Rüstungsaufträgen, Infrastrukturprojekten im Tiefbau und einer etwas besseren Nachfrage aus dem Ausland.
Gleichzeitig bleibt die Erholung schmal und selektiv: Sie erreicht bestimmte Industrien, lässt aber weite Teile der Bevölkerung und einzelne Branchen weitgehend unberührt.
Gewinner und Verlierer im verarbeitenden Gewerbe
Das Bild innerhalb des verarbeitenden Gewerbes ist gespalten. Während einige Branchen profitieren, stecken andere weiter in der Krise:
- Verteidigungsindustrie: Profitiert direkt von erhöhten staatlichen Rüstungsausgaben.
- Elektroindustrie: Wächst dank steigender Nachfrage nach Ausrüstung für Rechenzentren und KI-Infrastruktur.
- Maschinenbau: Leichte Erholung sichtbar, Lage bleibt aber verhalten.
- Automobilindustrie: Weiterhin unter Druck – massive Verluste bei Marktanteilen in China belasten die gesamte Branche samt Zulieferern.
Die privaten Investitionen bleiben insgesamt schwach. Viele Unternehmen scheuen Investitionen angesichts sinkender Erwerbstätigenzahlen, hoher öffentlicher Defizite und der Gefahr steigender Sozialversicherungsbeiträge.
Energiepreise und Inflation bremsen privaten Konsum
Ein zentrales Hemmnis der Erholung sind die hohen Energiepreise. Steigende Benzin-, Heizöl- und Gaspreise – befeuert durch geopolitische Spannungen an der Straße von Hormus und den anhaltenden Krieg in der Ukraine – entziehen privaten Haushalten Kaufkraft.
Fuest rechnet damit, dass die Inflationsrate sich wieder der 3-Prozent-Marke annähern oder diese sogar überschreiten könnte. Die EZB sieht sich daher gezwungen, mit weiteren Zinserhöhungen gegenzusteuern – auch wenn höhere Zinsen die Investitionstätigkeit zusätzlich dämpfen.
Zwar sind die Löhne zuletzt spürbar gestiegen, doch die Inflation frisst einen Großteil der Zuwächse auf. Die Reallöhne wachsen kaum. Viele Haushalte verschieben größere Anschaffungen oder verzichten auf Urlaubsreisen.
Die diskutierten Steuersenkungen an der Tankstelle bewertet Fuest als wenig zielgenau: Sie kommen auch einkommensstarken Vielfahrern zugute. Gezielter wäre es, etwa die Pendlerpauschale ab einer bestimmten Entfernung zu erhöhen.
Ausblick: Erholung vorerst gesichert, strukturelle Risiken bleiben
Für den Rest des Jahres 2026 und für 2027 stehen die Weichen laut Fuest auf weitere Erholung – vorausgesetzt, die geopolitischen Risiken eskalieren nicht erneut. Schuldenfinanzierte Staatsausgaben stützen die Konjunktur kurzfristig, doch ab 2028 droht ohne Reformen ein erneuter Abschwung.
Entscheidend wird sein, ob die Mittel tatsächlich in Infrastruktur und Forschung fließen oder zur Haushaltssanierung verwendet werden. Strukturreformen – insbesondere bei den sozialen Sicherungssystemen und der Rentenversicherung – sind nach Einschätzung des ifo-Instituts unerlässlich, um private Investitionen dauerhaft anzukurbeln. Ohne deren Rückkehr droht der aktuelle Aufschwung nur ein Strohfeuer zu bleiben.
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