Xi Jinpings Plan: Chinas Strategie gegen den Westen
Xi Jinpings Strategie zielt auf globale Vorherrschaft – wie China den langen Atem nutzt, Trump reagiert und Europa kaum eine Rolle spielt. Ein Experte analysiert.
Dieses Video wurde am 25.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Beim Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping in Washington wurde deutlich, wie grundlegend sich das geopolitische Kräfteverhältnis zwischen den USA und China verschiebt. Sicherheitsexperte Ralf Tiele analysiert Xi Jinpings Strategie: China setzt auf Geduld, technologische Überlegenheit und bilateralen Druck – und spielt dieses Spiel nach Einschätzung des Experten „ganz hervorragend”. Für Europa, so die Warnung, könnten die Konsequenzen dieser Entwicklung existenziell sein.
Der lange Atem: Xi Jinpings Strategie der Geduld
Xi Jinping bemühte beim Treffen mit Trump einen historischen Vergleich aus der griechischen Antike: das Verhältnis zwischen einer aufsteigenden Macht und einer etablierten, potenziell absteigende Nation. Die Parallele zu China und den USA war dabei kaum verklausuliert.
Tiele betont, dass China auf eine jahrtausendealte Staatstradition zurückblickt – ein Selbstverständnis, das seinen außenpolitischen Anspruch prägt. Daraus erwächst eine strategische Geduld, die westliche Demokratien strukturell schwer nachahmen können.
China „robbt sich an die Spitze”, so Tiele, ohne dabei militärische Eskalation zu suchen – zumindest vorerst. Stattdessen setzt Peking auf wirtschaftlichen Einfluss, technologischen Vorsprung und diplomatischen Druck, Punkt für Punkt, bilateral und ohne multilaterale Einbindung.
Technologierennen: KI und Quantencomputing als Schauplatz
Ein zentrales Feld des Machtkampfes ist die Technologiekonkurrenz. Tiele, der selbst an Forschungsvorhaben amerikanischer Institutionen beteiligt war, beschreibt die Lage klar: Die USA hoffen, im Bereich Künstliche Intelligenz die Nase vorne zu behalten – haben aber ernsthafte Sorgen, ob ihnen dies auch im Quantencomputing gelingt.
China investiert massiv in beide Felder. Die technologische Rivalität ist dabei nicht nur eine wirtschaftliche, sondern eine sicherheitspolitische Frage. Wer die Schlüsseltechnologien der Zukunft kontrolliert, bestimmt auch die militärischen und geheimdienstlichen Fähigkeiten der nächsten Jahrzehnte.
- USA: Stärke bei KI, Unsicherheit beim Quantencomputing
- China: Massiver Ausbau beider Felder mit staatlicher Unterstützung
- Europa: Im Technologiewettbewerb kaum positioniert
- Risiko: Technologischer Rückstand als sicherheitspolitische Bedrohung
Chinas globales Netzwerk: Iran, Russland und Handelswege
Besonders brisant ist Chinas Rolle in laufenden Konflikten. Tiele macht deutlich, dass Peking weder seine strategische Allianz mit Iran noch seine engen Beziehungen zu Russland aufgeben wird – schon allein deshalb nicht, weil China auf iranisches Öl und Gas angewiesen ist.
Gleichzeitig hat China ein eigenes Interesse an stabilen Handelswegen – etwa durch die Straße von Hormus und das Bab al-Mandab. Dort gefährden Huthi-Angriffe auch chinesische Lieferketten. Das schafft punktuelle Interessenüberschneidungen mit dem Westen, ohne dass Peking seine strategischen Partnerschaften aufgibt.
Besorgniserregend ist laut Tiele auch Chinas Verhalten gegenüber der EU: Wenn Kommissionsbeschlüsse vorbereitet werden, interveniert Peking bereits im Vorfeld, um unliebsame Beschlüsse zu verhindern. Der „leise, freundliche Partner” früherer Jahre ist Geschichte.
Europas blinder Fleck in der Geopolitik
Tiele übt deutliche Kritik an der europäischen Außenpolitik. Der Fokus auf die Unterstützung der Ukraine sei zwar wichtig, aber greife zu kurz. Europa schaue durch eine „Mikrobrille” auf nahe Konflikte und verliere dabei die großen geopolitischen Linien aus dem Blick.
Entscheidend seien Fragen wie: Wie positioniert sich China in globalen Konflikten? Wie sichert Europa seine Handelswege? Und wie reagiert der Westen auf ein China, das zunehmend aggressiv und weniger kooperativ auftritt – gegenüber Nachbarn ebenso wie gegenüber Brüssel?
Trumps Treffen mit Xi in Washington markiert dabei einen wichtigen Moment: Die USA versuchen aktiv, die geopolitischen Karten neu zu sortieren. Europa sollte diese Woche nicht nur als diplomatisches Tagesgeschäft wahrnehmen, sondern als Signal, dass die Weichen für die Weltordnung der nächsten Jahrzehnte gestellt werden. Wer dabei passiv bleibt, riskiert, von Entscheidungen überrollt zu werden, die anderswo getroffen werden.
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