Israel-Wahl: Eisenkot fordert Netanjahu heraus
Vor der Israel-Wahl im Oktober wird Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot zum gefährlichsten Herausforderer Netanjahus. Was den ruhigen General antreibt.
Dieses Video wurde am 28.09.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Vor der Israel-Wahl im Oktober 2026 hat sich ein überraschender Herausforderer an die Spitze des Feldes vorgearbeitet: Gadi Eisenkot, ehemaliger Generalstabschef der israelischen Armee, setzt Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit seiner neuen Mitte-Partei massiv unter Druck. In mehreren Umfragen hat Eisenkots Partei den Likud bereits überholt – ein Ergebnis, das Israels politische Landschaft grundlegend verändern könnte.
Eisenkot: Vom Infanteristen zum gefährlichsten Herausforderer
Gadi Eisenkot ist in vielerlei Hinsicht das Gegenteil von Benjamin Netanjahu. Er gilt nicht als charismatischer Redner, verfügt über wenig politische Erfahrung und tritt stets ruhig und zurückhaltend auf. Selbst ein ehemaliger Berater Netanjahus beschreibt ihn schlicht als „einen sehr netten Menschen”.
Was Eisenkot dennoch gefährlich für den amtierenden Ministerpräsidenten macht, ist seine unbestrittene Glaubwürdigkeit in Sicherheitsfragen. Der heute 60-Jährige hat sich vom einfachen Infanteristen bis an die Spitze der israelischen Streitkräfte hochgearbeitet – ein Lebenslauf, der in Israel enormes Gewicht trägt.
Nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 trat Eisenkot Netanjahus Kriegskabinett bei. Gleichzeitig erlitt er einen tief persönlichen Verlust: Sein 25-jähriger Sohn Gal fiel bei einem Einsatz im Gazastreifen. Auch zwei seiner Neffen wurden dort getötet. Diese Biografie verleiht seiner politischen Botschaft eine moralische Autorität, die kaum zu unterbieten ist.
Untersuchungskommission zum 7. Oktober als zentrales Wahlkampfthema
Im Mittelpunkt von Eisenkots Wahlkampf steht eine klare Forderung: eine unabhängige staatliche Untersuchungskommission, die das Sicherheitsversagen rund um den 7. Oktober lückenlos aufklärt – einschließlich der politischen Verantwortung der damaligen Regierungsführung.
Netanjahus Regierung hat sich bislang strikt gegen eine solche Kommission gewehrt. Der Ministerpräsident fürchtet offenkundig, dass eine unabhängige Untersuchung seine eigene Rolle in den Monaten vor dem Angriff beleuchten würde.
- Eisenkot fordert vollständige Transparenz über das Versagen der Geheimdienste
- Die Kommission soll auch politische Entscheidungsträger in die Pflicht nehmen
- Netanjahus Likud blockiert entsprechende Initiativen im Parlament
- Mehrere Angehörige der Opfer des 7. Oktober unterstützen Eisenkots Forderung öffentlich
Die Frage nach Aufarbeitung und Verantwortung ist damit zu einer der entscheidenden Trennlinien im israelischen Wahlkampf geworden.
Netanjahu schlägt zurück – der Kampf um das Sicherheitsimage
Netanjahu reagiert auf den wachsenden Druck mit einem bekannten Angriffsmuster: Er stellt Eisenkot als zu schwach und unerfahren für die Herausforderungen dar, vor denen Israel steht. Sich selbst präsentiert er als den einzigen Garanten für Israels Sicherheit – ein Narrativ, das er seit Jahrzehnten erfolgreich einsetzt.
Eisenkot kontert direkt: Der 7. Oktober sei unter Netanjahus Verantwortung geschehen. Diese Aussage sitzt tief, denn sie dreht Netanjahus stärkstes Argument – seine Sicherheitskompetenz – gegen ihn selbst um.
Das Duell der beiden Politiker spiegelt einen tieferen gesellschaftlichen Riss in Israel wider. Auf der einen Seite steht ein erfahrener, polarisierender Staatsmann mit ausgeprägtem Machtinstinkt. Auf der anderen ein ruhiger Ex-General, der für politischen Neuanfang, Versöhnung und institutionelle Aufarbeitung steht.
Ausblick: Kann Eisenkot die Wahl gewinnen?
Ob Eisenkots Momentum bis zur Wahl im Oktober anhält, bleibt offen. Seine politische Unerfahrenheit könnte im harten Wahlkampfbetrieb zum Nachteil werden. Netanjahu ist ein versierter Taktiker, der Krisen und Gegner überlebt hat, die stärker schienen als Eisenkot heute.
Dennoch zeigen die Umfragen: Viele Israelis sind nach Jahren des Konflikts, der innenpolitischen Spaltung und dem Trauma des 7. Oktober bereit für eine neue politische Richtung. Eisenkot verkörpert für einen wachsenden Teil der Wählerschaft genau das – Glaubwürdigkeit statt Charisma, Verantwortung statt Machterhalt. Die Israel-Wahl dürfte eine der spannungsreichsten der jüngeren Geschichte des Landes werden.
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