US-Arbeitsmarkt schwächelt – Börsen steigen
Der US-Arbeitsmarktbericht vom 2. Oktober enttäuscht – doch DAX und Wall Street legen zu. Nike bricht ein, Moderna und Accenture überzeugen.
Dieses Video wurde am 02.10.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der US-Arbeitsmarktbericht vom 2. Oktober 2026 hat die Erwartungen der Analysten deutlich verfehlt – und löste damit paradoxerweise Kursgewinne an den globalen Börsen aus. Während außerhalb des Agrarsektors lediglich 29.000 neue Stellen geschaffen wurden, hatten Ökonomen mit rund 90.000 gerechnet. Auch die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent, statt der erwarteten 4,1 Prozent zu verharren. Die schwächeren Daten schüren Hoffnungen auf weitere Zinssenkungen der US-Notenbank – und geben Aktien Rückenwind.
DAX und Wall Street im Plus – Märkte deuten schwache Daten positiv
Der DAX kletterte im Tagesverlauf auf rund 25.212 Punkte und lag damit gut 1,1 Prozent im Plus. Am Morgen hatte der Index noch um die 25.000-Punkte-Marke gekämpft und war sogar kurzzeitig darunter gefallen – erstmals seit Ende Juli. Mit dem enttäuschenden Arbeitsmarktbericht kehrte Kauflaune zurück.
Auch vorbörslich an der Wall Street zogen die Indizes an: Der Dow-Jones-Future legte rund 0,9 Prozent zu, der S&P-500-Future stieg um 0,8 Prozent und der Nasdaq-Future sogar um mehr als 1 Prozent. Der Bitcoin näherte sich wieder der 87.000-Dollar-Marke, der Ölpreis der Sorte Brent notierte bei rund 99,50 Dollar.
Nike unter Druck – Analysten senken Kursziele deutlich
Im Fokus der Einzelwerte stand vor allem Nike. Der Sportartikelkonzern hatte am Vorabend Quartalszahlen vorgelegt, die durch einen enttäuschenden Ausblick belasteten. Vorbörslich verlor die Aktie rund 8 Prozent. Mehrere Großbanken reagierten mit Kurszielsenkungen:
- Goldman Sachs: Kursziel von 38 auf 30 Dollar gesenkt, Einstufung „Neutral”
- JP Morgan: Kursziel von 40 auf 33 Dollar gesenkt, Einstufung „Underweight”
- UBS: Kursziel von 42 auf 34 Dollar gesenkt, Einstufung „Neutral”
- LBBW: Kursziel um 6 Dollar auf 42 Dollar gesenkt, Einstufung „Kaufen”
- Jefferies: Kursziel bei 75 Dollar belassen, weiterhin auf der Käuferseite
Der langfristige Abwärtstrend der Nike-Aktie setzt sich damit fort. Auch für Wettbewerber wie Adidas und Puma wurde die Lage am Markt aufmerksam beobachtet.
Moderna und Twilio steigen in wichtige Indizes auf
Moderna wird zum 9. Oktober in den Nasdaq 100 aufgenommen und ersetzt dort Warner Brothers Discovery, das durch die Übernahme durch Paramount Skydance seinen Platz räumt. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 75,5 Milliarden Dollar und einer Jahresperformance von über 541 Prozent ist Moderna eine der auffälligsten Aktien des Jahres. Die Aufnahme in den Index zwingt passive Fonds zur Nachfrage – vorbörslich legte die Aktie leicht um 0,4 Prozent zu.
Ebenfalls im Aufwind: Twilio, ein Anbieter von Cloud-Kommunikationsplattformen, rückt bereits am 6. Oktober in den S&P 500 nach – ebenfalls auf Kosten von Warner Brothers Discovery. Da Twilio deutlich kleiner als Moderna ist, könnte der Indexeintritt hier für stärkeren Kaufdruck sorgen. Die Aktie hatte bereits am Vortag rund 3 Prozent zugelegt und notierte vorbörslich 0,5 Prozent höher. Zudem gilt die Aufnahme in den S&P 500 als Beleg dafür, dass Twilio inzwischen nachhaltig profitabel wirtschaftet.
Accenture überrascht positiv – innoscripta bricht dramatisch ein
Accenture trotzte den Befürchtungen, durch Künstliche Intelligenz verdrängt zu werden, und präsentierte starke Quartalszahlen. Der Umsatz lag bei 18,7 Milliarden Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie bei 3,29 Dollar – beides über den Schätzungen. Die Neuaufträge beliefen sich auf 22,2 Milliarden Dollar. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet das Unternehmen ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 3 bis 6 Prozent. Die Aktie legte nach Handelsschluss rund 16 Prozent zu.
Einen dramatischen Einbruch erlebte dagegen der deutsche Nebenwert innoscripta: Die Aktie verlor am Vortag rund 58 Prozent ihres Wertes, nachdem Staatsanwaltschaft und Behörden das Unternehmen durchsucht hatten. Der Vorwurf lautet auf Beihilfe zur unrechtmäßigen Nutzung von Forschungszulagen. Das Unternehmen, das genau in diesem Bereich berät und entsprechende Software anbietet, sieht sich mit grundlegenden Zweifeln an seinem Geschäftsmodell konfrontiert. innoscripta erklärte, es handle sich um Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter, und kündigte volle Kooperation mit den Behörden an.
Die Ereignisse dieses Handelstages zeigen einmal mehr, wie stark Unternehmensnachrichten, Indexveränderungen und Makrodaten die Kurse beeinflussen können. Der weitere Verlauf des Börsenmonats Oktober – traditionell volatil – bleibt mit Spannung zu beobachten.
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