Saturday, 3. October 2026
Anthropic

KI-Blase: Sind wir im Jahr 1997, 1999 oder 2000?

Experten streiten: Befindet sich der KI-Markt in einer gefährlichen Blase – und wenn ja, wie weit ist der Hype-Zyklus schon fortgeschritten? Die wichtigsten Argumente im Überblick.

Redaktion · 3. October 2026, 04:41 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 03.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Ist die KI-Euphorie an den Börsen eine historische Blase – vergleichbar mit dem Dotcom-Crash um das Jahr 2000 – oder befinden wir uns noch im frühen Stadium eines langen Aufschwungs? Diese Frage diskutierten Investoren, Fondsmanager und eine KI-Expertin auf dem „Alles auf Aktien”-Summit in Berlin. Die Einschätzungen reichten von „wir stehen erst am Anfang” bis zu einem klaren Warnsignal: schwächste Marktbreite seit dem New-Economy-Boom.

KI-Blase oder nachhaltiger Zyklus? Die Lager sind gespalten

Beim Panel-Format nach dem Vorbild einer Oxford-Debatte standen sich zwei Lager gegenüber. Auf der Bärenseite: Henrik Leber von Acatis, der den Markt im September/Oktober 1999 verortet – mit noch rund sechs Monaten bis zum potenziellen Höhepunkt. KI-Expertin Elisabeth Laurance sieht die Lage sogar noch düsterer und glaubt, die aktuelle KI-Entwicklung lasse sich gar nicht mit früheren Hype-Zyklen vergleichen – die Dimension sei eine völlig neue.

Auf der bullischen Seite argumentierte Barry Irmak von P for Capital, wir befänden uns erst in einem frühen Stadium, vergleichbar mit Anfang 1998 – mit noch zwei Jahren Luft nach oben. Auch Hard Duong von Bit Capital sah den Zyklus bei 1997, mit möglichen zwei bis drei guten Jahren vor uns.

Marktbreite auf dem niedrigsten Stand seit dem New-Economy-Boom

Ein zentrales Warnsignal: Der gleichgewichtete S&P 500 (Equal Weight), bei dem alle 500 Titel gleich gewichtet sind, verzeichnete zuletzt sieben Verlustwochen in Folge – die längste Negativserie seit Bestehen dieses Index. Gleichzeitig befanden sich rund 60 Prozent der S&P-500-Aktien im Bärenmarkt, beim Nasdaq 100 sogar 70 Prozent. Die Gesamtperformance der Indizes wurde von wenigen Schwergewichten getragen, darunter Chip-Aktien und Meta.

  • Nasdaq 100: einziger Gewinner-Index der betrachteten Woche, +0,7 % auf Rekordhoch
  • DAX: –0,7 % in der Wochenbilanz
  • S&P 500: –0,3 %; Equal-Weight-Version auf dem schwächsten Niveau seit der New Economy
  • Philadelphia Semiconductor Index (SOX): +3,7 % – KI-Fantasie treibt Chip-Werte weiter
  • Zehnjährige US-Rendite: 5,27 %, ein Plus von 11 Basispunkten gegenüber der Vorwoche

Adoption zu langsam, Preise zu niedrig – das Monetarisierungsproblem

Elisabeth Laurance, die zahlreiche DAX-Konzerne in der KI-Strategie beraten hat, lieferte die kritischste Analyse: Die meisten Pilotprojekte in Großunternehmen scheitern, weil die verschiedenen Tech-Stacks nicht miteinander harmonieren. Solange Unternehmen KI-Dienste nicht in der Breite einkaufen, seien die aktuellen Umsätze der großen KI-Labore faktisch subventioniert – die tatsächlichen Tokenkosten überstiegen die Erlöse deutlich.

Laurance warnte zudem vor dem sogenannten Uber-Effekt: Genau wie der Fahrdienst anfangs billiger als Taxis war und erst nach dem Erreichen von Profitabilitätsdruck die Preise anzog, werden auch KI-Dienste irgendwann zu Marktpreisen angeboten – mit möglicherweise ernüchternden Folgen für die Adoption.

Hinzu kommt das Alignment-Problem: Aktuelle Sprachmodelle halluzinieren nach langer Laufzeit mit Raten von über 50 Prozent. Eine vollständig zuverlässige KI sei laut Laurance strukturell nicht erreichbar, da das Phänomen dem Trainingsansatz inhärent sei.

Anlageideen für beide Szenarien

Trotz unterschiedlicher Einschätzungen zur Blasenbildung nannten alle Diskussionsteilnehmer konkrete Investmentideen:

  • Alphabet: Als breit aufgestellter KI-Profiteur mit eigener Forschungsexzellenz (Google DeepMind) gilt die Aktie als resilienter Langfristinvestment – auch im Abschwung.
  • Oracle: Hoher Auftragseingang, wachsende Cloud-Infrastruktur und direkte Anbindung an KI-Labore wie OpenAI machen Oracle zum potenziellen Multibagger – bei entsprechend hohem Hebel.
  • Memory-Chips / Korea: Der südkoreanische Aktienmarkt (KOSPI) gilt als attraktiv bewertet; Speicherchip-Hersteller wie SK Hynix profitieren überproportional vom KI-Infrastrukturausbau.
  • Iron / Rechenzentren: Unternehmen mit gesichertem Stromzugang und eigener Datenzentrum-Infrastruktur gelten als Bottleneck-Profiteur der KI-Welle.

Der Anthropic-Börsengang – mit einer kolportierten Bewertung von rund 100 Milliarden US-Dollar – wurde als potenzieller Stimmungstest für die gesamte KI-Rally bezeichnet. Gelingt die Transaktion strahlend, könnte sie die nächste Kursrallye zünden; scheitert sie oder läuft nur mühsam, dürfte das als erstes klares Warnsignal gelten.

Die Debatte zeigt: Ob die KI-Begeisterung in einer Blase mündet oder sich als struktureller Produktivitätsschub erweist, wird sich nicht in wenigen Tagen entscheiden. Entscheidend werden die tatsächliche Unternehmensadoption, die Entwicklung der Zinsen am langen Ende und der Erfolg der ersten großen KI-Börsengänge sein. Anleger tun gut daran, beide Szenarien im Depot zu berücksichtigen.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (WELT Nachrichtensender). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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