Merz in Kiew: Drohnenabwehr und Einschüchterung
Bundeskanzler Merz reist überraschend nach Kiew – während Russland die Stadt mit Drohnen angreift. Was der Besuch für die Ukraine-Unterstützung bedeutet.
Dieses Video wurde am 04.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Bundeskanzler Friedrich Merz ist überraschend nach Kiew gereist – und Russland antwortete prompt mit Raketen- und Drohnenangriffen auf die ukrainische Hauptstadt. Der Merz-Kiew-Besuch fällt in eine militärisch wie politisch angespannte Phase: Während deutsche und ukrainische Vertreter über Drohnenabwehrsysteme und die Energieversorgung für den Winter verhandeln, demonstriert Moskau mit gezielten Angriffen auf die Transportinfrastruktur, dass es sich von westlicher Solidarität nicht beeindrucken lässt.
Russlands Botschaft: Angriffe trotz Kanzlerbesuch
Das Timing der russischen Angriffe ist kein Zufall. Sicherheitspolitik-Experte Nico Lange ordnet die Attacken als gezielte Einschüchterungsstrategie ein: Moskau wolle sowohl die Ukraine als auch deren Unterstützer unter Druck setzen – mit verbalen Angriffen auf den Kanzler ebenso wie mit militärischen Mitteln. Die russische Seite sendet damit das Signal: „Uns ist es vollkommen egal, wer in Kiew ist – unsere Angriffe gehen weiter.”
Merz selbst setzt dieser Haltung ein klares Zeichen entgegen. Sein Besuch in der ukrainischen Hauptstadt trotz laufender Angriffe ist eine politische Aussage: Deutschland lässt sich nicht einschüchtern und steht zur Ukraine. Lange wertet dies als wichtigen Schritt – gerade weil Russland seine verbalen Drohungen zunehmend auf Deutschland fokussiert, das zur bedeutendsten Unterstützernation der Ukraine in Europa geworden ist.
Drohnenabwehr als zentrales Thema
Im Mittelpunkt der Gespräche in Kiew stehen Drohnenabfangsysteme. Russland setzt verstärkt auf neue Jetdrohnen-Technologie, gegen die die Ukraine dringend wirksame Gegenmittel benötigt. Laut Lange arbeitet Kiew derzeit an fünf verschiedenen Systemen, um dieser Bedrohung zu begegnen.
- Entwicklung und Lieferung neuer Drohnenabfangsysteme durch Deutschland
- Stärkung der ukrainischen Rüstungsindustrie durch Industriepartnerschaften
- Verbesserung der gesamten ukrainischen Luftverteidigung
- Vorbereitung der Energieinfrastruktur auf den Winter
- Beteiligung von Unternehmen aus dem Energie- und Rüstungsbereich an der Reise
Begleitet wird Merz von der Wirtschaftsministerin sowie Vertretern der deutschen Energie- und Rüstungsbranche. Das unterstreicht, dass der Besuch über symbolische Solidarität hinausgeht und auf konkrete, langfristige Unterstützung ausgerichtet ist.
Terror gegen die Zivilbevölkerung als neue Strategie
Russland hat seine Strategie im Krieg gegen die Ukraine nach Einschätzung von Experten verschoben: Nachdem an der Front kaum Fortschritte erzielt werden, konzentriert sich Moskau zunehmend auf den Terror gegen Zivilisten. Ziel ist es, das Alltagsleben in ukrainischen Städten – besonders in Kiew – unmöglich zu machen.
Beispielhaft dafür sind die Angriffe auf Brücken über den Dnipro. Zwar können Drohnen die massiven Bauwerke nicht zerstören, doch reichen schon Treffer, um den Metrobetrieb lahmzulegen und die Verbindung zwischen den Stadtteilen auf dem linken und rechten Flussufer zu unterbrechen. Die Infrastruktur der Stadt soll zermürbt, die Bevölkerung zermürbt werden.
Lange betont jedoch, dass es historisch kein Beispiel gibt, in dem Zivilterror den Willen einer Nation nachhaltig gebrochen hat. Auch in der Ukraine dürfte diese Strategie scheitern – dennoch sei es entscheidend, der Bevölkerung rasch zu helfen, ein halbwegs normales Leben aufrechtzuerhalten.
Deutschlands Rolle und der europäische Auftrag
Deutschland hat sich zur zentralen Unterstützernation der Ukraine entwickelt – militärisch, wirtschaftlich und diplomatisch. Genau deshalb richtet Russland seine Propagandaangriffe zunehmend auf Berlin. Der Kiew-Besuch von Merz ist auch ein Signal an die europäischen Partner: Die Unterstützung für die Ukraine darf nicht nachlassen.
Lange appelliert an den Kanzler, andere europäische Staats- und Regierungschefs aktiv aufzufordern, ebenfalls nach Kiew zu reisen und Solidarität zu zeigen. Nur eine geschlossene europäische Haltung könne Moskau klar machen, dass weder Drohnenangriffe noch politischer Druck die westliche Unterstützung für die Ukraine brechen werden.
Mit dem Herbst 2026 rückt ein weiterer harter Winter für die Ukraine näher. Die Verhandlungen über Energieversorgung und Luftverteidigung, die Merz in Kiew führt, könnten darüber mitentscheiden, wie widerstandsfähig das Land in den kommenden Monaten bleibt. Europa steht vor der Frage, wie es nicht nur die Ukraine unterstützt – sondern wie es Putin langfristig stoppt.
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