Verbrenner-Produktion: Droht Europa ein Jobverlust?
Automobilexperte Dudenhöffer warnt: Die Verbrenner-Produktion könnte in die USA abwandern und europäische Arbeitsplätze gefährden. Was steckt dahinter?
Dieses Video wurde am 16.10.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Verbrenner-Produktion in Europa könnte zur wirtschaftlichen Sackgasse werden – und im schlimmsten Fall sogar Arbeitsplätze in die USA treiben. Zu dieser Einschätzung kommt Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. Der Grund: Während Europa und China konsequent auf Elektromobilität setzen, bleibt der US-amerikanische Markt auch langfristig von Verbrennungsmotoren dominiert. Diese Divergenz könnte die globale Produktionslandschaft der Automobilindustrie grundlegend verschieben – zum Nachteil europäischer Standorte und ihrer Beschäftigten.
Europa und China setzen auf Elektro – Amerika fährt Verbrenner
Der Trend zur Elektromobilität ist in Europa und China längst keine Zukunftsvision mehr. Allein in Deutschland wurden zuletzt 35 Prozent aller neu zugelassenen Fahrzeuge als rein elektrisch registriert, weitere 10 Prozent entfielen auf Plug-in-Hybride. In anderen europäischen Ländern ist der Wandel noch drastischer:
- Norwegen: 99 Prozent der Neuzulassungen sind Elektrofahrzeuge
- Dänemark: 86 Prozent Elektroanteil bei Neuwagen
- Niederlande: 50 Prozent Elektrofahrzeuge bei Neuzulassungen
Dudenhöffer führt diesen rasanten Wandel vor allem auf hohe Benzinpreise zurück, die sich im Bewusstsein der Verbraucher festgesetzt haben. In den USA hingegen ist eine vergleichbare Entwicklung nicht in Sicht. Dort werden Verbrennerfahrzeuge auch in den 2030er Jahren noch das Straßenbild prägen.
Warum die USA zum Verbrenner-Produktionsstandort werden könnten
Genau diese Marktspaltung birgt nach Einschätzung von Dudenhöffer ein erhebliches wirtschaftliches Risiko für Europa. Wenn bis 2035 rund 90 Prozent der in Europa verkauften Fahrzeuge elektrisch sind, macht es für Automobilhersteller ökonomisch wenig Sinn, die verbleibenden Verbrennermodelle in Deutschland oder anderen EU-Ländern zu fertigen.
Wesentlich attraktiver wäre die Produktion in den USA: Dort sind die Absatzvolumina für Verbrenner deutlich größer, die Produktionskosten niedriger – und die Zollregelungen begünstigen den Export. Amerikanische Fahrzeuge können derzeit ohne nennenswerte Zölle nach Europa importiert werden, was den wirtschaftlichen Anreiz für eine Produktionsverlagerung weiter verstärkt.
Die Konsequenz wäre eine Verschiebung von Arbeitsplätzen aus der europäischen Automobilindustrie in Richtung Nordamerika – paradoxerweise ausgelöst durch die eigene EU-Regulierung, die den Verbrenner in Europa verdrängen soll.
Aufweichen des Verbrenner-Verbots: Gut für Hersteller, schlecht für das Klima?
Die Diskussion um ein mögliches Aufweichen des geplanten EU-Verbrennerverbots ab 2035 ist vielschichtig. Dudenhöffer unterscheidet klar zwischen verschiedenen Interessenlagen: Für die deutschen Automobilhersteller ist eine Lockerung zunächst positiv – sie müssen keine Strafzahlungen befürchten und können weiterhin einen Teil ihres Portfolios als Verbrenner vermarkten.
Ob eine solche Lockerung jedoch dem Klimaschutz, der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit Europas oder gar den Arbeitsplätzen nützt, bewertet Dudenhöffer deutlich skeptischer. Die Regulierung könnte so am Ende genau das Gegenteil dessen bewirken, was sie schützen soll.
China: Verbrenner verlieren auch auf dem Weltmarkt an Bedeutung
In China ist die Transformation bereits in vollem Gange. Seit ein bis zwei Jahren stellen vollelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride die Mehrheit der Neuwagen. Plug-in-Hybride werden dabei vor allem in ländlichen Regionen bevorzugt, wo die Ladeinfrastruktur noch lückenhaft ist. In den Großstädten hingegen dominieren reine Elektroautos.
Entscheidende Treiber dieser Entwicklung sind sinkende Batteriepreise sowie stetig wachsende Reichweiten – chinesische Elektrofahrzeuge erreichen mittlerweile bis zu fast 1.000 Kilometer pro Ladung. Importierte Verbrennerfahrzeuge werden in China zusätzlich mit einer Luxussteuer belegt, was ihre Marktchancen weiter schmälert.
Die globale Automobilindustrie steht damit vor einer fundamentalen Weichenstellung: Europa und China treiben die Elektrifizierung voran, während die USA vorerst am Verbrenner festhalten. Ob Europa aus dieser Konstellation als Gewinner hervorgeht, hängt maßgeblich davon ab, wie konsequent und koordiniert die Industriepolitik auf den Wandel reagiert.
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