Reinhold Würth: So wurde ein Lehrling zum Milliardär
Reinhold Würth startete mit 14 Jahren als Lehrling und übernahm mit 19 den väterlichen Betrieb. Wie aus zwei Mitarbeitern ein Weltkonzern wurde.
Dieses Video wurde am 17.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Reinhold Würth arbeitet seit 77 Jahren – und hat noch immer Freude daran. Mit 14 begann er als Lehrling im Betrieb seines Vaters, mit 19 übernahm er nach dessen plötzlichem Tod das Unternehmen. Aus einem kleinen regionalen Schraubenhandel mit zwei Mitarbeitern baute er einen der bekanntesten Familienkonzerne der Welt auf. Im Gespräch bei The Pioneer erklärt der heute 91-jährige Unternehmer, welche Prinzipien ihn dabei geleitet haben – und warum er Arbeit stets als Hobby betrachtete.
Ein unerwarteter Start: Der Tod des Vaters als Wendepunkt
Würths unternehmerische Laufbahn begann nicht aus freiem Willen, sondern aus Notwendigkeit. Sein Vater, der den Schraubenhandel in der Nachkriegszeit aufgebaut hatte, starb 1954 an einem Herzinfarkt – Reinhold Würth war gerade 19 Jahre alt. Sein Bruder war damals erst zehn, die Mutter stand allein da.
„Es blieb gar nichts übrig, als dass ich mich da reingekniet habe”, erinnert sich Würth. Er übernahm einen kleinen, soliden Schraubenhandelsbetrieb mit lediglich zwei Mitarbeitern, der die umliegenden Kunden in der Region Hohenlohe belieferte.
Die Grundlagen dafür hatte sein Vater gelegt: Als Innovator der Branche verkaufte dieser als einer der Ersten Schrauben weit über den regionalen Umkreis hinaus – ein für die damalige Zeit ungewöhnlicher Schritt, der die Basis für späteres Wachstum legte.
Qualität schlägt Preis – die Maximen des Erfolgs
Schrauben gelten nicht gerade als glamouröses Produkt. Sie sind an jeder Ecke erhältlich – im Baumarkt, beim Eisenwarenhändler, im Großhandel. Warum also ist ausgerechnet Würth so erfolgreich geworden? Die Antwort des Unternehmers ist klar: Qualität und Unternehmenskultur schlagen Preiskampf.
Zwei Grundsätze, die ihm sein Vater mitgegeben hat, begleiten ihn bis heute:
- „Qualität schlägt Preis” – Kunden verlassen sich auf die Zuverlässigkeit der Produkte, nicht auf den günstigsten Anbieter.
- „Wachstum ohne Gewinn ist tödlich” – Expansion um jeden Preis lehnt Würth kategorisch ab.
- Unternehmenskultur als Erfolgsfaktor – Würth schätzt, dass 50 bis 60 Prozent des Unternehmenserfolgs auf die gelebte Kultur im Betrieb zurückzuführen sind.
Diese Prinzipien halfen dem Konzern, selbst in wirtschaftlich schwierigen Phasen zu wachsen – etwa wenn das Bruttosozialprodukt stagniert und Wettbewerber Verluste schreiben.
Der „Zustand des Werdens” als Unternehmensphilosophie
Ein zentraler Begriff in Würths Denken ist der „Zustand des Werdens”. Er beschreibt damit eine Unternehmenshaltung, die dauerhaft auf Entwicklung, Erneuerung und Dynamik ausgerichtet ist – im Gegensatz zum „Zustand des Seins”, in dem ein Unternehmen sich mit dem Erreichten zufrieden gibt.
Würth sieht sein Unternehmen heute an einem kritischen Punkt: „Wir sind schon ein klein bisschen in den Zustand des Seins hineingerutscht.” Umsatz und Gewinn wachsen zwar, doch das reicht ihm nicht. Sein Ziel ist ein jährliches Wachstum von 15 Prozent – nicht nur vier.
Diese Philosophie leitet sich aus einer klassischen Trias ab: Werden, Sein, Vergehen. Wer aufhört, sich zu entwickeln, beginnt zu vergehen. Für Würth ist das kein abstraktes Konzept, sondern gelebte Unternehmensstrategie.
77 Jahre Arbeit – und noch keine Müdigkeit
Was treibt einen Mann im 92. Lebensjahr noch an? Würth gibt eine überraschend schlichte Antwort: Er hat Arbeit immer als Hobby empfunden. Nicht als Last, nicht als Pflicht – sondern als Quelle von Freude und Sinn.
Mit 14 Jahren begann er als „Stift” im väterlichen Betrieb, lernte das Handwerk von der Pike auf und fuhr noch selbst mit dem Kuhfuhrwerk zu Schraubenlieferanten. Heute ist der einstige Lieferant Arnold eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Würth-Konzerns – ein Detail, das zeigt, wie weit der Weg war.
Würths Geschichte ist ein seltenes Beispiel dafür, wie aus familiärer Not, handwerklicher Disziplin und unternehmerischer Überzeugung ein Weltunternehmen entstehen kann. Sein Vermächtnis dürfte nicht zuletzt in den Leitlinien liegen, die er über Jahrzehnte vorgelebt hat: Qualität, Kultur – und niemals aufhören zu werden.
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