AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt: Das demografische Rätsel

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Dieses Video wurde am 04.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Wie kann eine Partei, die sich offen gegen Zuwanderung positioniert, ausgerechnet in einem der demografisch ältesten und wirtschaftlich abhängigsten Bundesländer Deutschlands so starken Zuspruch erfahren? Der AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt wirft für Ökonomen eine paradoxe Frage auf: Das Land hat die älteste Bevölkerung aller Bundesländer, leidet unter einem erheblichen Fachkräftemangel und wäre ohne Zuwanderung wirtschaftlich kaum funktionsfähig – und dennoch ist die AfD dort stärkste Kraft. Bert Rürup, Chefökonom des Handelsblatts, und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, analysieren die Hintergründe dieses Widerspruchs.

Ausländische Arbeitskräfte tragen die Wirtschaft Sachsen-Anhalts

Die nüchternen Zahlen zeichnen ein klares Bild: 6,7 Prozent der gesamten Wertschöpfung in Sachsen-Anhalt werden von Beschäftigten ohne deutsche Staatsangehörigkeit erbracht. Der Großteil dieses Anteils entstand erst nach 2015 im Zuge der Fluchtmigration. Von den rund 790.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Land waren zuletzt knapp 70.000 ausländische Staatsangehörige – ein Anteil von etwa neun Prozent.

Gleichzeitig ist die Zahl der deutschen Beschäftigten seit 2016 um fünf Prozent gesunken. Ohne den Zuwachs durch ausländische Arbeitskräfte wäre die wirtschaftliche Lage des Landes deutlich prekärer. Sachsen-Anhalt belegt bei der Gewinnung von Arbeitskräften aus anderen Regionen bundesweit nur Rang 15 – und weist die älteste Bevölkerungsstruktur aller Länder auf. Hinzu kommt, dass Zuwanderer vor allem in Engpassberufen tätig sind, also dort, wo der Mangel besonders drückend ist.

Ein europaweites Phänomen: Unsicherheit treibt Rechtsruck

Der AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt ist kein isoliertes ostdeutsches Phänomen. Auch in Baden-Württemberg, einem der wirtschaftsstärksten Länder mit sechs Universitätsstädten, erreichte die AfD zuletzt rund 20 Prozent. In Großbritannien hält eine Mehrheit den Brexit für einen Fehler – und wählt dennoch Parteien, die ähnliche Positionen vertreten.

Historisch erinnert das an die 1920er-Jahre: Damals verbreiteten sich rechte Bewegungen in ganz Europa vor dem Hintergrund von Orientierungslosigkeit, wirtschaftlichem Wandel und gesellschaftlichem Pessimismus. Heute sind es andere Treiber:

  • Digitalisierung und soziale Medien verändern Kommunikation und Öffentlichkeit rasant
  • Künstliche Intelligenz erzeugt Unsicherheit am Arbeitsmarkt
  • Die Dekarbonisierung bedroht Industriestandorte und Zulieferbranchen
  • Regionen mit hoher Transformationsbetroffenheit – etwa in der Automobilzulieferbranche – zeigen signifikant höhere AfD-Wahlbereitschaft
  • Das Vertrauen in etablierte Parteien und staatliche Institutionen schwindet

Hüther betont: Dort, wo Unternehmen durch den Strukturwandel massiv an Perspektive verlieren, steigt die Bereitschaft, die AfD zu wählen – in West- wie in Ostdeutschland gleichermaßen.

Versagen der demokratischen Mitte und historische Hypotheken

Ein wesentlicher Teil der Erklärung liegt im Versagen der demokratischen Parteien, lebensnahe Themen überzeugend zu besetzen. Statt eigene Antworten zu formulieren, liefen sie rechten wie linken Extremen hinterher – ein Konzept, das selten Früchte trägt. Das Wahlprogramm der AfD hingegen ist nach Einschätzung von Ökonomen schlicht nicht finanzierbar, was von vielen Wählern offenbar nicht wahrgenommen oder ignoriert wird.

Hinzu kommt eine tiefere historische Dimension: Sachsen-Anhalt und die neuen Länder hatten nach 1945 keine Chance, eine offene, diskursive und liberale demokratische Kultur zu entwickeln. Vom Kaiserreich über die Nazizeit bis zur DDR fehlte diese Erfahrung über Jahrzehnte. 36 Jahre Demokratie reichen laut dem Historiker Magnus Brechtken nicht aus, um dieses Defizit vollständig zu kompensieren. Das erklärt auch ein widersprüchliches Staatsverständnis: Misstrauen gegenüber dem demokratischen Staat einerseits, die Erwartung staatlicher Lösungen andererseits.

Die sogenannte Ostidentität, auf die AfD-Politiker gerne verweisen, entbehrt dabei laut Hüther jeder realen Grundlage – sie ist vor allem eine konstruierte Erinnerung, keine gelebte Gemeinschaft.

Ausblick: Demokratische Antworten fehlen noch

Ob die AfD ihren Erfolg langfristig konsolidieren kann, hängt auch davon ab, ob die demokratischen Parteien überzeugende Narrative für den gesellschaftlichen Wandel entwickeln. Denn die wirtschaftliche Konvergenz zwischen Ost und West ist de facto weiter vorangeschritten, als die öffentliche Debatte vermuten lässt – Brandenburg etwa verzeichnet mittlerweile Wachstumsdynamiken, die mit denen des süddeutschen Raums vergleichbar sind. Diese Differenzierungen gehen in einer pauschalen Ost-West-Erzählung unter.

Solange die AfD in der Opposition verbleibt, wird sie nicht an der Realität des Regierens gemessen. Für Rürup und Hüther bleibt die entscheidende Frage offen: Wie gelingt es den demokratischen Kräften, wirtschaftliche Fakten – vor allem die Notwendigkeit qualifizierter Zuwanderung für das Trendwachstum Deutschlands – so zu vermitteln, dass sie das Wahlverhalten tatsächlich beeinflussen? Eine überzeugende Antwort darauf steht bisher aus.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (Handelsblatt). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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