AfD-Kandidat Siegmund: Kommt dritter Wahlgang in Sachsen-Anhalt?
AfD-Spitzenkandidat Siegmund denkt bei der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt nun offen über mehrere Wahlgänge nach – schuld sei ein Taktikzug der CDU.
Dieses Video wurde am 07.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt nimmt eine neue Wendung: AfD-Spitzenkandidat Siegmund stellt sich nun auf mehrere Wahlgänge ein – obwohl er bislang stets betont hatte, bereits im ersten Durchgang gewählt werden zu wollen. Ausgelöst wurde der Kurswechsel durch eine taktische Entscheidung der CDU, die den Saal während der Abstimmung verlassen will. Damit dürfte Siegmunds ursprüngliche Strategie kaum noch aufgehen.
Siegmunds ursprünglicher Plan: Sieg im ersten Wahlgang
Bis zuletzt hatte Siegmund klar kommuniziert, die Wahl bereits im ersten Wahlgang für sich entscheiden zu wollen. Für eine absolute Mehrheit in diesem Durchgang benötigt er jedoch mindestens drei Stimmen aus anderen Fraktionen – also Abgeordnete, die entgegen der Parteilinie für ihn votieren.
Diese sogenannten Abweichler zu gewinnen war das Herzstück seiner Strategie. Die Hoffnung: Einzelne Parlamentarier könnten über Fraktionsgrenzen hinweg für ihn stimmen, ohne dass dies öffentlich nachvollziehbar wäre.
CDU-Taktik durchkreuzt die AfD-Strategie
Genau hier setzt der Plan der CDU-Fraktion an: Sie hat angekündigt, den Plenarsaal während der Abstimmung zu verlassen. Diese Maßnahme hat weitreichende Konsequenzen für Siegmund.
- Ohne CDU-Abgeordnete im Saal sinkt die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen.
- Mögliche Abweichler aus den CDU-Reihen könnten so nicht mehr für Siegmund stimmen, ohne aufzufallen.
- Die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang wird für Siegmund damit faktisch unerreichbar.
Siegmund macht die CDU ausdrücklich für seinen Kurswechsel verantwortlich. Der Saalverlassen-Plan der Union sei der ausschlaggebende Faktor gewesen, der ihn zum Umdenken gezwungen habe.
Dritter Wahlgang als neue Option
Nun rückt ein dritter Wahlgang ins Kalkül. Der entscheidende Unterschied: Im dritten Durchgang ist keine absolute Mehrheit mehr erforderlich – es genügt eine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Das senkt die Hürde für Siegmund erheblich.
Siegmund selbst formulierte es vorsichtig: Er müsse die Lage nun abwägen. Eine klare Festlegung auf den dritten Wahlgang mied er, ließ aber keinen Zweifel daran, dass er diese Option ernsthaft in Betracht zieht.
Ob die AfD in einem solchen Szenario tatsächlich genügend Stimmen auf sich vereinen könnte, hängt davon ab, wie sich die übrigen Fraktionen verhalten – und ob weitere Parteien ebenfalls den Saal verlassen oder sich enthalten.
Einordnung: Demokratische Blockade oder legitime Taktik?
Der Vorgang offenbart, wie angespannt die politische Lage in Sachsen-Anhalt ist. Die CDU nutzt mit dem Saalverlassen ein parlamentarisches Mittel, um eine Wahl des AfD-Kandidaten zu verhindern – ohne formal gegen Regeln zu verstoßen.
Kritiker sehen darin eine Aushöhlung parlamentarischer Gepflogenheiten; Befürworter hingegen werten es als konsequente Abgrenzung gegenüber der AfD im Rahmen des sogenannten Unvereinbarkeitsbeschlusses.
Wie die Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt letztlich ausgeht, bleibt offen. Klar ist: Mit dem taktischen Rückzug der CDU aus dem Abstimmungssaal und Siegmunds Neuausrichtung auf einen möglichen dritten Wahlgang wird das Verfahren komplexer und unberechenbarer. Die politische Aufmerksamkeit weit über Sachsen-Anhalt hinaus ist dem Vorgang damit gewiss.
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