Dieses Video wurde am 06.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Desinformation im Netz untergräbt Demokratie und gesellschaftliches Vertrauen – davon ist Jimmy Wales, Gründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia, überzeugt. Im Gespräch mit Sandra Maischberger analysiert er, warum Plattformbetreiber wie Elon Musk kaum Interesse an Gegenmaßnahmen zeigen, wie politische Klassen das Vertrauen der Bevölkerung verspielen und welche Rolle Künstliche Intelligenz für die Zukunft des freien Wissens spielt.
Wenn Realität zum Feind wird: Desinformation als politisches Werkzeug
Wales beschreibt eine gezielte Strategie, mit der politische Akteure – allen voran Donald Trump – den Sinn für Realität bei Menschen systematisch untergraben. „Wenn die Fakten nicht für einen sprechen, dann ist die Realität dein Feind”, fasst Wales zusammen. Ziel sei es nicht, bestimmte politische Positionen durchzusetzen, sondern grundsätzliche Orientierungslosigkeit zu erzeugen.
Besonders besorgniserregend findet Wales, dass etablierte Republikaner diesen Prozess jahrelang tolerierten, um von Trumps politischem Kapital zu profitieren. Nun schlage diese Strategie zurück: Selbst aus Trumps eigenem Lager kursieren Verschwörungstheorien über den ehemaligen Präsidenten. „Wenn man eine Kultur schafft, in der Menschen gar nichts mehr glauben, schlägt das gegen einen selber zurück.”
Als langfristig gravierenderes Problem als mögliche Wahlabsagen bezeichnet Wales die schleichende Einschränkung des Wahlrechts – etwa durch die Umzeichnung von Wahlkreisen zum Nachteil bestimmter Bevölkerungsgruppen, wie es zuletzt der Supreme Court ermöglicht hat.
Vertrauensverlust in Politik und Medien – ein globales Phänomen
Der Niedergang des öffentlichen Vertrauens beschränkt sich laut Wales nicht auf die USA. Als Beispiel nennt er den Brexit: Die politische und mediale Elite habe Brexit-Befürworter pauschal als Rassisten abgestempelt, was deren Entschlossenheit erst recht gestärkt habe. Das Grundgefühl vieler Menschen sei gewesen: „Die Londoner hören eh nicht auf uns.”
Wales benennt mehrere Ursachen für den globalen Vertrauensverlust:
- Politiker, die Vertrauen bewusst untergraben
- Eine zunehmende Entkopplung zwischen politischer Klasse und Bevölkerung
- Parteiischer Journalismus, der auf Klicks statt auf Glaubwürdigkeit setzt
- Die verheerende wirtschaftliche Lage vieler Lokalzeitungen
- Algorithmen sozialer Plattformen, die Empörung und Streit belohnen
„Zeitungen, die sich für eine politische Richtung entscheiden, untergraben das Vertrauen selbst bei den Menschen, die diese Meinung teilen”, betont Wales. Die Lösung sieht er nicht in Statistiken, sondern im ehrlichen Zuhören: Wer die legitimen Sorgen der Menschen um Arbeitsplätze und Lebenshaltungskosten ernst nimmt, gewinnt Vertrauen zurück.
Algorithmen und Plattformverantwortung: Wer will wirklich etwas ändern?
Wales differenziert klar zwischen den großen Plattformbetreibern. Elon Musk habe auf X (ehemals Twitter) die meisten Content-Moderatoren entlassen und zeige keinerlei Interesse daran, toxische Inhalte einzudämmen. „Er redet viel über Meinungsfreiheit, aber das bedeutet nicht, dass man schädliche Inhalte aktiv fördern sollte.” Andere Plattformen wie YouTube erkennten das Problem zumindest an, täten sich aber ebenfalls schwer mit Lösungen.
Das strukturelle Kernproblem liegt für Wales im Geschäftsmodell: Algorithmen, die auf maximale Verweildauer optimiert sind, bevorzugen automatisch Inhalte, die Wut und Kontroversen auslösen. Er beschreibt das mit einem treffenden Bild: Der „verrückte Onkel”, der auf Facebook provokante Beiträge postet, gewinnt tausende Follower – während die Großmutter, die Kinderfotos teilt, kaum Reichweite bekommt. „Das ist ein natürliches Ergebnis dieser Algorithmen.”
Wikipedia und KI: Koexistenz statt Verdrängung
Wales gründete Wikipedia ursprünglich aus einer persönlichen Notlage heraus: Als seine neugeborene Tochter schwer erkrankte, fand er im frühen Internet weder verständliche noch verlässliche medizinische Informationen. Diese Erfahrung trieb ihn an, eine freie Enzyklopädie für alle zu schaffen.
Heute stellt sich die Frage, ob ChatGPT und andere KI-Modelle Wikipedia überflüssig machen. Wales bleibt gelassen: KI-Systeme liefern noch zu oft plausibel klingende, aber falsche Antworten – er demonstriert das regelmäßig, indem er nach seiner eigenen Frau fragt und absurde Ergebnisse erhält. Die Community, die Wikipedia schreibe, tue das aus echter Begeisterung. „Wir werden damit nicht aufhören, auch wenn KI-Modelle wichtiger werden.”
Wales sieht Internet und soziale Medien als zweischneidiges Schwert – ähnlich wie einst der Buchdruck sowohl Aufklärung als auch Hexenverbrennung beförderte. Entscheidend sei, welche Strukturen und Werte Gesellschaften um diese Technologien herum aufbauen. Der Weg zurück zu einer Kultur verlässlicher Information führt für ihn über Empathie, journalistische Integrität und die Bereitschaft von Plattformen, Verantwortung zu übernehmen.
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