Eklat bei UN: Delegierte buhen Netanjahu aus
Bei der UN-Generalversammlung in New York verließen Dutzende Delegierte demonstrativ den Saal. Netanjahu antwortete mit scharfer Kritik an den protestierenden Diplomaten.
Dieses Video wurde am 25.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Bei der UN-Generalversammlung in New York ist es zu einem diplomatischen Eklat gekommen. Noch bevor Israels Premierminister Benjamin Netanjahu das Wort ergriff, leerten sich in der Vollversammlung die Sitzreihen: Dutzende Delegierte verließen geschlossen den Saal – ein seltenes und deutliches Zeichen des Protests auf internationalem Parkett. Netanjahu ließ sich davon nicht einschüchtern, sondern antwortete mit ungewöhnlich scharfen Worten, die weltweit für Aufsehen sorgten.
Massenhafter Auszug der Delegierten vor Netanjahu UN-Rede
Der koordinierte Auszug der Diplomaten erfolgte unmittelbar vor Beginn der Rede des israelischen Regierungschefs. Dutzende Vertreter verschiedener Staaten erhoben sich von ihren Plätzen und verließen gemeinsam den Plenarsaal der Vereinten Nationen – eine demonstrative Geste, die den Auftakt von Netanjahus Auftritt überschattete.
Derartige Boykott-Aktionen bei hochrangigen Reden sind im UN-Rahmen zwar kein völliges Novum, doch die Größenordnung und die Koordination des Auszugs verliehen dem Protest besonderes Gewicht. Die leeren Stühle sendeten ein unmissverständliches Signal an die israelische Regierung und die internationale Öffentlichkeit.
Gleichzeitig demonstrierten hunderte pro-palästinensische Aktivisten in den Straßen Manhattans, während die Vollversammlung tagte. Die Proteste im Umfeld des UN-Hauptquartiers unterstrichen die aufgeheizte Stimmung rund um den Auftritt des israelischen Premiers.
Netanjahu bezeichnet Diplomaten als „moralische Feiglinge”
Netanjahu reagierte auf den Auszug mit unverhohlener Schärfe. Die protestierenden Diplomaten bezeichnete er wortwörtlich als „moralische Feiglinge” – eine Formulierung, die in diplomatischen Kreisen als außergewöhnlich direkt gilt und prompt internationale Reaktionen auslöste.
Im weiteren Verlauf seiner Rede verteidigte der israelische Premierminister die Kriegsführung Israels nachdrücklich als legitimen Akt der Selbstverteidigung. Er betonte, Israel reagiere auf einen brutalen Angriff und handle im Einklang mit dem Völkerrecht.
- Netanjahu warf den auszziehenden Delegierten mangelnden moralischen Mut vor.
- Er verteidigte Israels militärische Operationen als Selbstverteidigung.
- Den Vorwurf des Völkermords bezeichnete er als die „größte Lüge des Jahrhunderts”.
- Hunderte pro-palästinensische Demonstranten protestierten zeitgleich in Manhattan.
Völkermord-Vorwurf: Israels schärfste Zurückweisung
Einen zentralen Teil seiner Rede widmete Netanjahu dem Umgang mit dem Vorwurf des Völkermords, der Israel im Zusammenhang mit dem Militäreinsatz im Gazastreifen von verschiedenen Seiten gemacht wird. Er wies diesen Vorwurf mit ungewöhnlicher Vehemenz zurück und sprach von der „größten Lüge des Jahrhunderts”.
Israel sieht sich seit dem Großangriff der Hamas im Oktober 2023 in einem existenziellen Konflikt und besteht auf dem Recht zur militärischen Gegenwehr. Internationale Organisationen, Menschenrechtsgruppen und mehrere Staaten haben hingegen wiederholt schwere Bedenken hinsichtlich der humanitären Lage im Gazastreifen geäußert und eine Waffenruhe gefordert.
Die Spannung zwischen Israels Sicherheitsanspruch und der wachsenden internationalen Kritik an den Folgen des Krieges tritt bei UN-Auftritten dieser Art besonders deutlich zutage. Der diplomatische Eklat in New York zeigt, wie tief die Gräben innerhalb der internationalen Gemeinschaft in dieser Frage verlaufen.
Ausblick: Isolierung oder Rückhalt für Israel auf UN-Ebene?
Der Vorfall bei der UN-Generalversammlung markiert einen neuen Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen Israel und Teilen der internationalen Staatengemeinschaft. Ob der demonstrative Auszug der Delegierten langfristige diplomatische Konsequenzen nach sich zieht, bleibt abzuwarten.
Klar ist: Die Netanjahu UN-Rede und der damit verbundene Eklat werden die Debatten über Israels Rolle im Nahostkonflikt und den Umgang der Vereinten Nationen mit der Krise weiter befeuern. Die internationale Gemeinschaft steht vor der schwierigen Aufgabe, zwischen Sicherheitsinteressen, humanitären Verpflichtungen und diplomatischer Handlungsfähigkeit zu vermitteln.
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