Dieses Video wurde am 05.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Lautlos gleiten sie durch enge Gassen, vorbei an Touristenmassen, direkt vor die Arkaden des Kolosseums: Elektro-Golfcarts haben Roms historisches Zentrum erobert. Binnen zwei Jahren ist die Flotte der offenen Elektrogefährte auf bis zu 500 Fahrzeuge angewachsen. Was als bequeme und emissionsarme Touristenattraktion begann, sorgt mittlerweile für erheblichen Unmut – bei Anwohnern, Fußgängern und der Stadtverwaltung gleichermaßen. Rom plant nun eine deutliche Regulierung des Booms.
Elektro-Golfcarts als bequeme Touristenattraktion
Die kleinen, offenen Elektrofahrzeuge haben sich in der Ewigen Stadt als beliebte Alternative zu Stadtführungen zu Fuß oder per Bus etabliert. Touristen schätzen die bequeme und lautlose Fortbewegung durch das weitläufige historische Zentrum, das zu den meistbesuchten Stadtkernen Europas zählt.
Besonders rund um das Kolosseum, das Forum Romanum und den Vatikan sind die Carts präsent. Anbieter sehen in dem Konzept eine moderne Lösung für die Herausforderungen des Massentourismus – allerdings nur, solange die nötigen Rahmenbedingungen stimmen.
Branchenvertreter betonen, dass das Modell grundsätzlich funktioniere, man aber auf die Unterstützung der Behörden angewiesen sei, um geordnete Strukturen aufzubauen.
Wildparken und verstopfte Gassen: Der Ärger der Anwohner
Mit dem rasanten Wachstum der Flotte wuchsen auch die Probleme. Anwohner des historischen Zentrums berichten von verstopften Fußgängerzonen und wildem Parken in engen Gassen, die eigentlich für Fahrzeuge gesperrt sind.
Die Situation hat sich laut Beobachtern in den vergangenen Monaten deutlich verschärft. Kritiker bemängeln:
- Blockierte Gehwege und Fußgängerzonen durch abgestellte Carts
- Zunehmender Lärm durch das hohe Verkehrsaufkommen der Gefährte
- Fehlende einheitliche Parkzonen und Haltebereiche
- Mangelnde Kontrolle der bestehenden Vorschriften
Die unkontrollierte Vermehrung der Fahrzeuge hat die Lebensqualität vieler Altstadt-Bewohner spürbar beeinträchtigt und den Ruf nach politischem Handeln verstärkt.
Roms Regulierungspläne: Obergrenzen und strenge Regeln
Die Stadtverwaltung Rom hat auf den Druck reagiert und bereits ein Regelwerk ausgearbeitet, das den Betrieb der Elektro-Golfcarts künftig streng begrenzen soll. Kern des Plans sind feste Obergrenzen für die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge im Stadtgebiet.
Entscheidend ist jedoch, dass die Umsetzung der neuen Vorschriften von der Genehmigung durch die übergeordnete Region Latium abhängt. Erst wenn die Regionalregierung grünes Licht gibt, kann Rom die Regelungen verbindlich durchsetzen.
Bis zu dieser formellen Freigabe befinden sich die Gefährte weiterhin in einer rechtlichen Grauzone – und rollen faktisch auf eigene Faust durch die Innenstadt. Ein konkreter Zeitplan für die Entscheidung aus Latium steht bislang nicht fest.
Einordnung: Massentourismus und städtische Kontrolle
Der Fall Rom steht exemplarisch für eine Herausforderung, mit der viele europäische Metropolen konfrontiert sind: Neue touristische Mobilitätsangebote entstehen schneller, als Städte regulatorische Rahmenbedingungen schaffen können. Venedig, Barcelona und Amsterdam haben ähnliche Erfahrungen mit dem unkontrollierten Wachstum touristischer Mikrofahrzeuge gemacht.
Gelingt es Rom, die geplanten Obergrenzen rechtzeitig durchzusetzen, könnte die Stadt ein Modell für geordneten Elektro-Tourismus im sensiblen historischen Stadtraum liefern. Scheitert die Regulierung, dürfte der Konflikt zwischen Tourismuswirtschaft und Anwohnerinteressen weiter eskalieren.
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