Emma-Magazin: Alice Schwarzer stellt es ein
Nach fast 50 Jahren erscheint das feministische Emma-Magazin letztmalig im Dezember 2026. Alice Schwarzer begründet das Ende nicht mit Finanznot, sondern mit einer persönlichen Entscheidung.
Dieses Video wurde am 21.10.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Nach fast fünf Jahrzehnten feministischer Mediengeschichte ist Schluss: Alice Schwarzer stellt ihr Magazin Emma ein. Die Ausgabe vom 8. Dezember 2026 soll die letzte sein. Die 83-jährige Gründerin und Herausgeberin betont, dass wirtschaftliche Zwänge nicht der ausschlaggebende Grund für das Aus sind. Vielmehr ist es eine bewusste persönliche Entscheidung, die eine der einflussreichsten feministischen Publikationen Deutschlands beendet.
Fast 50 Jahre Emma: Eine feministische Institution
Das Magazin Emma erschien erstmals am 26. Januar 1977 und wurde von Alice Schwarzer mit einem klaren Ziel gegründet: ein Gegengewicht zu den von Feministinnen als „Männermedien” bezeichneten Publikationen zu schaffen. Jahrzehntelang war Emma die wichtigste deutschsprachige Plattform für feministische Debatten, Gesellschaftskritik und frauenpolitische Themen.
In seiner Hochzeit erreichte das Magazin eine breite Leserschaft und prägte den feministischen Diskurs in Deutschland nachhaltig. Zuletzt erschien Emma jedoch nur noch alle zwei Monate – ein Zeichen des veränderten Medienmarkts, aber nach Aussage Schwarzers kein Grund für das Ende.
„Wir gehen, weil wir meinen, es reicht”
Alice Schwarzer gibt sich in ihrer Begründung bewusst nüchtern. „Sicher, auch unsere Auflage sinkt, aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben”, erklärte sie. Der entscheidende Satz lautet: „Nein, wir gehen, weil wir meinen, es reicht.”
Diese klare Aussage macht deutlich, dass die Einstellung des Magazins kein wirtschaftliches Scheitern darstellt, sondern ein selbstbestimmter Schlusspunkt. Schwarzer zieht damit nach fast 50 Jahren einen bewussten Schlussstrich – aus freiem Willen, nicht aus Not.
- Erstausgabe: 26. Januar 1977
- Letzte Ausgabe: 8. Dezember 2026
- Erscheinungsrhythmus zuletzt: alle zwei Monate
- Gründerin und Herausgeberin: Alice Schwarzer (83 Jahre)
- Einstellungsgrund: persönliche Entscheidung, nicht wirtschaftliche Not
Nachfolgerinnen gesucht – ohne Erfolg
In der vorletzten Ausgabe, die am 27. Oktober erscheint, schildert Schwarzer, dass sie wiederholt nach Nachfolgerinnen gesucht habe, um das Magazin in neue Hände zu übergeben. Geeignete Journalistinnen hätten sich jedoch für andere Medien entschieden.
Dieser Umstand wirft ein Schlaglicht auf die veränderte Medienlandschaft: Junge Journalistinnen orientieren sich heute an digitalen Plattformen, sozialen Netzwerken und reichweitenstarken Online-Medien. Ein gedrucktes Nischenmagazin – selbst eines mit so symbolträchtiger Geschichte wie Emma – fällt dabei schwer ins Gewicht.
Politische Positionierungen in späten Jahren
In den vergangenen Jahren sorgte Alice Schwarzer auch abseits des Feminismus für Schlagzeilen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sprach sie sich mehrfach öffentlich für schnelle Friedensverhandlungen mit Russland aus – eine Haltung, die innerhalb der feministischen Bewegung und darüber hinaus kontrovers diskutiert wurde.
Diese politischen Positionierungen trennten Schwarzer von Teilen ihrer langjährigen Leserschaft und sorgten für anhaltende Debatten über die Rolle und Verantwortung prominenter Publizistinnen in Zeiten internationaler Krisen.
Mit dem Ende von Emma schließt sich ein bedeutsames Kapitel der deutschen Medien- und Frauengeschichte. Ob und wie der feministische Diskurs in Deutschland künftig eine vergleichbar prägende publizistische Heimat findet, bleibt offen. Schwarzers Entscheidung, das Magazin auf dem Höhepunkt seiner inhaltlichen Integrität zu beenden, setzt zumindest einen selbstbestimmten Schlusspunkt – ganz im Sinne der Unabhängigkeit, die Emma stets für sich beansprucht hat.
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