IG Metall: Warnstreiks in über 2000 Betrieben
Die IG Metall weitet den IG Metall Warnstreik auf mehr als 2000 Betriebe aus. 3,7 Mio. Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie sind betroffen.
Dieses Video wurde am 02.11.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Im Tarifstreit der deutschen Metall- und Elektroindustrie hat die Gewerkschaft IG Metall ihre erste große Warnstreikwelle gestartet. Nach dem Ende der Friedenspflicht rollen die Arbeitskampfmaßnahmen seit Montag durch die gesamte Republik. Bis Ende der Woche plant die Gewerkschaft Warnstreiks in mehr als 2.000 Betrieben bundesweit. Rund 3,7 Millionen Beschäftigte sind von dem Tarifkonflikt betroffen. Kern der Auseinandersetzung: Die IG Metall fordert 5 Prozent mehr Lohn und Gehalt, während das Arbeitgeberangebot weit dahinter zurückbleibt.
Arbeitgeber bieten deutlich weniger als gefordert
In der zweiten Verhandlungsrunde unterbreiteten die Arbeitgeberverbände ein Angebot, das die Gewerkschaft als völlig unzureichend ablehnt. Konkret sieht es eine Einmalzahlung im Juli 2027 sowie eine Lohnerhöhung von lediglich 1,3 Prozent ab Juli 2028 vor.
Ein weiterer Streitpunkt: Bei Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage soll die Einmalzahlung vollständig gestrichen werden können. Für die IG Metall ist dieses Angebot keine tragfähige Verhandlungsgrundlage – und Beleg dafür, dass ohne Druck keine Bewegung in die Gespräche kommt.
Die Gewerkschaft begründet ihre Forderungen unter anderem mit der gestiegenen Lebenshaltungskosten. Beschäftigte spüren den Kostendruck beim Einkaufen, an der Tankstelle und durch steigende Mieten in Städten wie Berlin.
Warnstreiks rollen bundesweit – auch in Berlin
Bereits in der Nacht zum Montag, unmittelbar nach Ablauf der Friedenspflicht, begannen die ersten Arbeitsniederlegungen. In Berlin beteiligten sich Beschäftigte aus zahlreichen Betrieben an den Kundgebungen.
Auf den Streikposten machten die Kolleginnen und Kollegen deutlich, worum es ihnen geht: neben der Lohnerhöhung auch den Erhalt der 35-Stunden-Woche – ein Thema, das etwa im Kontext von Betrieben wie Mercedes-Benz besondere Brisanz hat.
- Forderung: 5 Prozent mehr Lohn und Gehalt
- Erhalt der 35-Stunden-Woche
- Beteiligung der Belegschaft an Gewinnen boomender Unternehmen
- Ablehnung der Streichung von Einmalzahlungen bei Krisenunternehmen
- Warnstreiks in über 2.000 Betrieben bis Ende der Woche
Gespaltene Branche erschwert die Tarifverhandlungen
Besonders kompliziert werden die Verhandlungen durch die unterschiedliche wirtschaftliche Lage der Unternehmen in der Branche. Während die Automobilindustrie und ihre Zulieferer unter erheblichem Druck stehen und teils Krisenprogramme fahren, boomt das Geschäft in der Rüstungsindustrie und Teilen der Elektronikindustrie.
Die IG Metall fordert deshalb, dass Beschäftigte in wirtschaftlich starken Unternehmen an den dort erzielten Gewinnen beteiligt werden. Differenzierte Lösungen seien grundsätzlich denkbar – allerdings nicht auf Basis des bisherigen Arbeitgeberangebots, wie Gewerkschaftsvertreter betonen.
Diese strukturelle Spaltung der Branche macht eine Einheitslösung schwierig und dürfte die kommenden Verhandlungsrunden zusätzlich belasten.
Ausblick: Eskalation oder Einigung?
Mit der laufenden Warnstreikwelle erhöht die IG Metall den Druck auf die Arbeitgeberverbände deutlich. Ob das ausreicht, um die Verhandlungen zu beleben, bleibt abzuwarten. Die Gewerkschaft hat signalisiert, dass sie bereit ist, die Arbeitskampfmaßnahmen auszuweiten, sollte keine substanzielle Bewegung auf der Arbeitgeberseite folgen.
Für die 3,7 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie steht dabei nicht nur die aktuelle Lohnrunde auf dem Spiel – sondern auch die Frage, wie Tarifverträge künftig der wirtschaftlichen Realität unterschiedlich aufgestellter Unternehmen gerecht werden können.
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