Kinderdepot richtig anlegen: Die drei teuren Fehler
Ein Kinderdepot kann bis zum 18. Geburtstag über 43.000 Euro anwachsen – wenn Eltern drei typische Fehler bei Zeitpunkt, Produkt und Depotname vermeiden.
Dieses Video wurde am 02.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Wer früh für seine Kinder spart, kann dank des Zinseszinseffekts eine beachtliche Summe aufbauen – doch viele Eltern scheuen den ersten Schritt oder greifen zu den falschen Produkten. Beim Kinderdepot entscheiden vor allem drei Faktoren darüber, ob am Ende wirklich ein finanzieller Grundstein steht: der richtige Startzeitpunkt, das passende Anlageprodukt und der Name, auf den das Depot läuft. Wer diese drei Stellschrauben kennt, vermeidet die teuersten Fehler – und macht aus dem monatlichen Sparplan gleichzeitig gelebte Finanzbildung.
Fehler 1: Zu spät anfangen – der Zeitpunkt entscheidet alles
Der Zinseszins braucht vor allem eines: Zeit. Wer ab der Geburt seines Kindes monatlich 100 Euro in einen Aktien-ETF investiert und dabei eine durchschnittliche Jahresrendite von 7 Prozent annimmt, kommt zum 18. Geburtstag auf rund 43.000 Euro. Eingezahlt wurden davon nur 21.600 Euro – die andere Hälfte erwirtschaftet der Zinseszins.
Wer dagegen erst zum 10. Geburtstag des Kindes startet, erzielt mit denselben 100 Euro monatlich nur knapp 13.000 Euro. Um das gleiche Endziel von 43.000 Euro zu erreichen, wären dann mehr als 330 Euro pro Monat nötig – mehr als das Dreifache des ursprünglichen Betrags.
Der wichtigste Ratschlag lautet deshalb: Nicht anfangen ist der größte Fehler. Auch für Spätstarter gilt, dass jedes einzelne Jahr zählt. Geldgeschenke von Verwandten zu Kommunion oder Konfirmation sollten konsequent direkt ins Depot fließen.
Fehler 2: Das falsche Produkt wählen – ETF schlägt Sparbuch und Versicherung
Viele Eltern setzen noch immer auf vermeintlich sichere Alternativen – doch diese kosten langfristig bares Geld:
- Sparbuch und Tagesgeld eignen sich allenfalls als Notgroschen. Über 18 Jahre frisst die Inflation einen erheblichen Teil der Kaufkraft auf.
- Bausparverträge leiden unter mageren Zinsen und Abschlussgebühren, die die Rendite erheblich drücken.
- Ausbildungsversicherungen sind im Kern Lebensversicherungen im Kinderkostüm. Der Bund der Versicherten warnt ausdrücklich: Die garantierte Leistung erreicht wegen der Kosten oft nicht einmal den eingezahlten Beitrag.
Verbraucherschützer und Finanzexperten empfehlen stattdessen einen ETF-Sparplan auf einen breiten Weltindex. Ein Fonds wie der iShares Core MSCI World verteilt das Kapital auf rund 1.300 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Zwischenzeitliche Kursrückgänge lassen sich bei einem Anlagehorizont von 18 Jahren gut aussitzen. Einige Jahre vor dem Auszahlungszeitpunkt sollte das Depot schrittweise in sicherere Anlageklassen umgeschichtet werden, damit ein Börsenbeben nicht das erste Studiensemester gefährdet.
Fehler 3: Depot auf den falschen Namen – steuerliche Fallen beim Kinderdepot
Läuft das Depot auf den Namen des Kindes, lockt zunächst ein attraktiver Steuervorteil. Kinder besitzen denselben Grundfreibetrag wie Erwachsene – im Jahr 2026 sind das 12.348 Euro. Hinzu kommt der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro. Mit einer sogenannten NV-Bescheinigung vom Finanzamt verzichtet die Bank auf den Steuerabzug; Kapitalerträge bis rund 13.000 Euro pro Jahr bleiben so steuerfrei.
Doch zum 18. Geburtstag schlägt die Kehrseite zu Buche:
- Das Depot gehört rechtlich dem Kind – ab Volljährigkeit entscheidet es vollständig selbst über das Geld.
- Eigenes Vermögen über 15.000 Euro wird beim BAföG-Amt angerechnet. Mit dem Beispieldepot von 43.000 Euro entfällt der BAföG-Anspruch im ersten Studienjahr vollständig.
- Hohe Kapitalerträge, etwa aus Dividenden, können die beitragsfreie Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung gefährden – das wird schnell sehr teuer.
Viele Eltern sparen deshalb bewusst auf den eigenen Namen. Die Erträge werden selbst versteuert, die Kontrolle über das Kapital bleibt erhalten. Schenkungssteuer fällt in aller Regel nicht an: Jedes Elternteil darf seinem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei übertragen.
Finanzbildung als Nebenprodukt des Kinderdepots
Eine aktuelle Auswertung der Frankfurter Finanzprofessorin Christine Laudenbach zeigt: Eltern, die selbst Börsenerfahrung haben, legen auch deutlich häufiger für ihre Kinder in Aktien oder ETFs an. Das Kinderdepot spiegelt das Elterndepot wider.
Wer seinem Nachwuchs erklärt, warum Kurse manchmal fallen und manchmal steigen, macht aus einer monatlichen Überweisung gleichzeitig praxisnahe Finanzbildung. Der langfristige Nutzen geht damit weit über die reine Geldanlage hinaus: Kinder, die früh begreifen, wie Kapitalmärkte funktionieren, sind als Erwachsene besser für eigenverantwortliche Finanzentscheidungen gewappnet. Der beste Zeitpunkt für das erste Kinderdepot war gestern – der zweitbeste ist heute.
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