Kreml-Ziele im Ukrainekrieg: Gipfel in Shenzhen
Beim APEC-Gipfel in Shenzhen könnten Trump, Putin und Xi einen Ukraine-Plan vorstellen. Doch die Kreml-Ziele im Ukrainekrieg bleiben unklar.
Dieses Video wurde am 19.10.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Mitte November treffen sich die mächtigsten Staatschefs der Welt beim APEC-Gipfel im chinesischen Shenzhen – und möglicherweise entsteht dabei ein historisches Dreiertreffen: Wladimir Putin, Xi Jinping und Donald Trump könnten gemeinsam über ein Ende des Ukrainekriegs beraten. Die entscheidende Frage dabei bleibt, was der Kreml wirklich will und welche Ziele Russland in diesem Krieg tatsächlich verfolgt.
Dreier-Gipfel in Shenzhen: Was ist realistisch?
Dass Putin zum APEC-Wirtschaftsgipfel für den asiatisch-pazifischen Raum reist, gilt als gesichert. Xi Jinping ist als Gastgeber ohnehin vor Ort. Offen bleibt, ob auch Trump den weiten Weg nach China antritt. Sollte das Treffen zustande kommen, wären die drei einflussreichsten Akteure des Ukrainekonflikts erstmals gleichzeitig an einem Tisch.
Einen Waffenstillstand können die drei Staatschefs alleine nicht erzwingen – dafür bräuchte es die Ukraine als direkte Konfliktpartei. Doch sie könnten einen Fahrplan präsentieren, wie ein Ende des Krieges aussehen könnte. Der politische Druck, den ein solches Format erzeugen würde, wäre enorm.
Kreml-Ziele: Territorium, Pufferzone oder politische Kontrolle?
Unklar ist, was Russland am Ende tatsächlich fordert. Drei Szenarien werden diskutiert:
- Territoriale Kontrolle über den Donbass und weitere besetzte Gebiete
- Eine entmilitarisierte Pufferzone entlang der Waffenstillstandslinie
- Eine politisch von Russland abhängige Ukraine – ohne NATO-Beitritt und mit eingeschränkter Souveränität
Putin selbst hat zuletzt erneut eine entmilitarisierte Zone gefordert – einen Puffer, der nach einem Waffenstillstand die Frontlinie sichern soll. Ob das als tatsächliches Minimalziel zu verstehen ist oder nur als Verhandlungsposition, bleibt offen.
Selbst eine vollständige Eroberung der Ukraine würde Russland vor kaum lösbare Probleme stellen: Die ukrainische Bevölkerung ist so stark antirussisch eingestellt, dass die Besatzung hunderttausende Soldaten dauerhaft binden würde – ohne einen politisch verwertbaren Sieg zu garantieren.
Ukraine greift St. Petersburg an – größter Drohnenangriff seit Kriegsbeginn
Parallel zu den diplomatischen Debatten eskaliert der Krieg militärisch weiter. Die Ukraine flog den bislang größten Drohnenangriff auf St. Petersburg seit Kriegsbeginn. Getroffen wurden unter anderem:
- Ölterminals im Stadtgebiet und Umland
- Ein Rechenzentrum des russischen sozialen Netzwerks VKontakte
- Ein Lager des russischen Online-Händlers Ozon
Augenzeugenberichte aus St. Petersburg beschreiben Drohnen, die tief über die Stadt flogen und teils über bewohntem Gebiet abgeschossen wurden. Die Stimmung in der Bevölkerung spiegelt dabei ein Bild wider, das sich durch viele Teile Russlands zieht: Viele Menschen wünschen sich schlicht ein Ende des Krieges – ohne konkrete Forderungen nach territorialen Gewinnen.
Baltikum und Kaliningrad: Neue Eskalationsrisiken
Der Angriff auf St. Petersburg hat eine geopolitisch brisante Debatte ausgelöst. Russische Prokriegs-Blogger behaupten, die ukrainischen Drohnen seien über den Luftraum des Baltikums geflogen – eine Darstellung, die von den betroffenen NATO-Staaten als potenzielle Drohkulisse wahrgenommen werden könnte.
Darüber hinaus wird in russischen Medien spekuliert, der Angriff auf St. Petersburg sei eine Generalprobe für mögliche ukrainische Drohnenangriffe auf die russische Exklave Kaliningrad gewesen. Sollte die Ukraine diesen Schritt wagen, würde das eine weitere, gefährliche Eskalationsstufe des Konflikts bedeuten – eines, das auch NATO-Territorium unmittelbar berühren könnte.
Ob der Dreier-Gipfel in Shenzhen tatsächlich eine diplomatische Öffnung bringt oder die militärische Eskalation weiter anhält, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden. Die Kreml-Ziele bleiben dabei der entscheidende, bislang ungeklärte Faktor für jeden Friedensplan.
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