Manuela Schwesig: SPD-Machtkampf nach Bas-Rücktritt
Nach Bärbel Bas' Rücktritt rückt Manuela Schwesig ins Zentrum der SPD. Die Ministerpräsidentin greift Merz scharf an und baut ihren Einfluss aus.
Dieses Video wurde am 13.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Nach dem überraschenden Rücktritt von Bärbel Bas von der SPD-Parteispitze richtet sich der Blick der Partei auf Manuela Schwesig. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern gilt intern längst als Strippenzieherin und entschiedenste Kritikerin von Bundeskanzler Friedrich Merz. Unmittelbar nach dem Rücktrittschreiben von Bas meldete sich Schwesig aus Schwerin zu Wort — und griff scharf an. Ihr politisches Gewicht in der SPD wächst, und viele in der Partei hören derzeit auf sie.
Schwesig attackiert Merz: „Unwürdig und unmenschlich”
Den Umgang der Union mit Bärbel Bas in deren schwieriger persönlicher Phase bezeichnete Schwesig unmissverständlich als „unwürdig und unmenschlich”. Sie warf der CDU vor, trotz Wissen um Bas’ Lage mit heftigen Attacken nicht zurückgehalten zu haben.
„Im politischen Raum auf Bundesebene wusste der Kanzler und damit auch Kollegen der CDU, in welcher schwierigen Phase Bärbel Bas ist”, so Schwesig. Der Vorwurf sitzt — und zeigt, wie wenig sie auf verbale Zurückhaltung Wert legt.
Bundeskanzler Merz reagierte ebenfalls scharf: Schwesig habe mit ihrem Wahlkampfstil die demokratische Mitte zerstört, warf er ihr vor. Aus dem Regierungslager kam zudem die Kritik, Schwesig „pöble den ganzen Tag Richtung Bund”, statt sich auf ihre Regierungsarbeit zu konzentrieren.
Politische Biografie: Vom Verhandlungsgeschick zur Landesmacht
Schwesigs politischer Aufstieg begann auf Bundesebene. Im Jahr 2011 profilierte sie sich als harte Verhandlungsführerin der SPD-geführten Bundesländer im Streit um das Hartz-IV-Nachfolgegesetz gegen die schwarz-gelbe Bundesregierung.
Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl 2013 war ihr kompromissloser Stil erneut gefragt. „Wir wollen hart verhandeln, damit für die Leute im Land viel rauskommt”, sagte sie damals. Anschließend wurde sie Bundesfamilienministerin unter Angela Merkel.
2017 wechselte Schwesig als Regierungschefin nach Mecklenburg-Vorpommern. Ihr politisches Vorbild ist SPD-Ikone Regine Hildebrand, bekannt für ihre unverblümte Sprache gegenüber politischen Gegnern — ein Stil, den Schwesig sichtlich verinnerlicht hat.
Wahlkampf gegen die AfD: Furiose Aufholjagd im Osten
Im Spätsommer 2025 gelang Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern als „Frau gegen Blau” eine bemerkenswerte Aufholjagd gegen die AfD. Ihr Rezept: gezielte Bundeskritik kombiniert mit sozialpolitischen Positionen, die direkt auf die Lebensrealität der Menschen im Osten zugeschnitten sind.
Besonders wirkungsvoll war ihr Auftritt im Streit um die abschlagsfreie Rente. Als drei CDU-Ministerpräsidenten aus dem Osten die geplante Abschaffung kritisierten, sprang Schwesig sofort auf dieses Thema auf:
- Sie stellte sich öffentlich vor die betroffenen Rentnerinnen und Rentner.
- Sie distanzierte sich klar von der Bundeskoalition in Berlin.
- Sie signalisierte damit eigenständige politische Handlungsfähigkeit.
- Sie stärkte so ihre Popularität auch über Landesgrenzen hinaus.
Kritiker werfen ihr vor, diese Bundeskritik sei vor allem taktisch motiviert, um den eigenen Einfluss in der Bundes-SPD auszubauen.
Schwesig als neue Speerspitze der SPD?
Mit dem Abgang von Bärbel Bas entsteht ein Machtvakuum an der SPD-Spitze, das Schwesig für sich zu nutzen versucht. Sie führt in Mecklenburg-Vorpommern noch eine SPD-geführte Landesregierung — ein zunehmend rarer werdendes Gut für die Partei auf Länderebene.
In Parteikreisen gilt sie als Strippenzieherin, deren Einfluss weit über ihr Bundesland hinausreicht. Schwesigs Fähigkeit, Themen zu besetzen und politische Chancen konsequent zu nutzen, macht sie zur ernst zu nehmenden Kraft in einer SPD, die mit sinkenden Umfragewerten kämpft.
Ob Schwesig ihren Einfluss in den kommenden Monaten weiter ausbauen kann oder ob die offene Konfrontation mit dem Kanzler ihre Handlungsspielräume begrenzt, wird eine der zentralen Fragen der innerparteilichen SPD-Dynamik bleiben.
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