SpaceX Starship: Erster Orbitalflug gestartet
SpaceX startet Starship erstmals in den Erdorbit – mit 26 Starlink-Satelliten an Bord. Astronaut Ulrich Walter erklärt, was noch schiefgehen kann.
Dieses Video wurde am 28.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die größte Rakete der Welt hat ihr bislang ambitioniertestes Ziel angesteuert: SpaceX hat die Starship-Rakete erstmals zu einem vollständigen Orbitalflug gestartet. An Bord befinden sich 26 Starlink-Satelliten, die während der Mission ausgesetzt werden sollen. Bei den vorangegangenen 13 Testflügen war das Raumfahrzeug stets in geringerer Höhe geflogen – dieser Start markiert damit eine neue Phase in der Entwicklungsgeschichte des Raumfahrtprogramms von Elon Musk.
Start geglückt: Alle Antriebe funktionierten
Der Countdown lief planmäßig ab, und die Riesenrakete hob pünktlich ab. Alle Triebwerke der Unterstufe arbeiteten einwandfrei – ein entscheidender Faktor, da nur bei vollem Schub der Orbit erreicht werden kann. Die Rakete überstand auch den sogenannten Max-Q, den Punkt des maximalen aerodynamischen Drucks, ohne Probleme.
Nach etwa zwei Minuten trennte sich die Unterstufe planmäßig von der Oberstufe. Sie fliegt zurück zur Erde, um – wie bei SpaceX-Raketen üblich – im Wasser zu landen. Die Oberstufe setzte anschließend ihren Weg in den Erdorbit fort.
Das ist der kritische Punkt des Starship-Flugs
Raumfahrtprofessor und Astronaut Ulrich Walter von der Technischen Universität München begleitete den Start live und ordnete die Risiken der Mission ein. Laut Walter ist der Start selbst zwar ein wichtiger, aber inzwischen beherrschter Schritt. Der eigentlich kritische Moment kommt erst nach rund achteinhalb Stunden: die Wiedereintritts- und Landephase der Oberstufe.
Beim letzten Testflug war genau das gescheitert – die Oberstufe kippte beim Versuch einer senkrechten Wasserladung um, weil die Triebwerke sich nicht zuverlässig wiederzünden ließen. Diese Wiederzündfähigkeit der Oberstufentriebwerke ist das erklärte Hauptziel dieses Flugs.
Was konkret noch schiefgehen könnte, fasste Walter so zusammen:
- Fehlzündung der Oberstufentriebwerke nach der Stufentrennung
- Probleme beim Wiedereintreten in die Erdatmosphäre
- Unkontrollierte Landung der Oberstufe auf der Wasseroberfläche
- Frühzeitiger Triebwerksausfall einzelner Aggregate
Starlink-Ausbau als wirtschaftliches Kernziel
Mit dem Starship verfolgt SpaceX nicht nur technologische, sondern auch handfeste wirtschaftliche Ziele. Das Unternehmen betreibt derzeit rund 12.000 Starlink-Satelliten und will die Konstellation auf bis zu 25.000 Einheiten ausbauen. Bislang startet SpaceX dafür rund dreimal pro Woche mit der Falcon-Rakete – und bringt dabei etwa 25 Satelliten pro Flug in den Orbit.
Das Starship könnte diese Kapazität drastisch erhöhen: Statt 25 wären bis zu 75 Satelliten pro Start möglich. Walter bezifferte den wirtschaftlichen Rahmen eindrucksvoll:
- SpaceX erzielt mit Raketenstart-Services rund 100 Millionen Dollar Umsatz pro Woche
- Das Starlink-Netz bringt zusätzlich rund 200 Millionen Dollar wöchentlich ein
- Zusammen ergibt das einen wöchentlichen Gesamtumsatz von rund 300 Millionen Dollar
Bedeutung für Mondmissionen und bemannte Raumfahrt
Weit über die Starlink-Ambitionen hinaus ist das Starship auch für die NASA und deren Artemis-Mondprogramm unverzichtbar. Die Oberstufe der Rakete soll künftig als Mondlandefähre dienen – sie muss Astronauten auf der Mondoberfläche absetzen, dort senkrecht landen, wieder starten und zurück zur Erde fliegen. Ohne eine zuverlässig funktionierende Oberstufe sind Mondflüge schlicht nicht möglich.
Bevor Menschen an Bord einer Starship-Rakete steigen können, muss das System laut Walter mindestens 20-mal zuverlässig geflogen sein. Derzeit schätzt er die Zuverlässigkeit auf rund 70 Prozent – für bemannte Missionen seien mindestens 95 Prozent erforderlich. Er rechnet damit, dass dieser Standard in ein bis zwei Jahren erreicht werden kann. Bis dahin bleibt das Starship ein Lastentransporter – aber ein immer leistungsfähigerer.
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