Trump spielt Putins Spiel: Jäger kritisiert US-Kurs
Politikwissenschaftler Thomas Jäger erklärt, warum Trump mit seiner Kritik an Selenski das Spiel Putins spielt und die Ukraine damit weiter schwächt.
Dieses Video wurde am 11.10.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Politikwissenschaftler Professor Thomas Jäger hat die jüngsten Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenski scharf eingeordnet: Trump spiele damit das Spiel Putins, ohne es zu merken — und schade sich dabei letztlich selbst. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht der sogenannte Diesel-Deal, den Trump verkündet hatte, und den Selenski öffentlich kritisierte. Die Reaktion des US-Präsidenten: heftige Gegenkritik und die Forderung nach einem neuen ukrainischen Präsidenten.
Trumps Suche nach einem Schuldigen für hohe Energiepreise
Hintergrund von Trumps Attacke auf Selenski ist nach Einschätzung Jägers vor allem innenpolitischer Druck. Trump hatte wiederholt versprochen, die Benzin- und Dieselpreise zu senken — unter anderem durch einen raschen Sieg über den Iran, den er nach Jägers Zählung rund 38- bis 39-mal symbolisch „besiegt” hat. Da die Preise aber nicht wie versprochen sinken, suche Trump nun einen Schuldigen.
Selenski biete sich dafür an, weil er die US-Forderung, russische Energieinfrastruktur nicht zu bombardieren, nicht vollständig erfüllt habe. Trump versuche so, von eigenen Versäumnissen abzulenken. Laut Jäger wird diese Strategie aber nicht verfangen: „Trump wird keinen Wähler auf diese Art und Weise gewinnen.”
Besonders brisant: Aus den eigenen Reihen der Republikanischen Partei kommt nun eine Initiative für ein sogenanntes „Reagan — Frieden durch Stärke”-Gesetz, das den Diesel-Deal verhindern soll. Trump setzt sich damit sogar parteiintern unter Druck.
Wer blockiert tatsächlich die Friedensverhandlungen?
Trumps Behauptung, Selenski sei nicht auf US-Vorschläge für einen Waffenstillstand eingegangen, bezeichnete Jäger klar als Falschaussage. Die Ukraine habe sich stets zu Gesprächen bereiterklärt — sowohl mit den USA als auch mit europäischen Partnern.
Die Regierung, die Verhandlungen konsequent verweigere, sei die russische Regierung. Das habe Moskau zuletzt erneut bestätigt: Selbst nach Trumps öffentlichem Affront gegen Selenski erklärte Russland, keinen Gesprächsbedarf zu sehen. Jäger betonte, das sei typisch für Putins Verhandlungsstil:
- Abwarten, bis das nächste, bessere Angebot kommt
- Keine eigenen Zugeständnisse machen
- Den Gesprächspartner in der Defensive halten
- Westliche Uneinigkeit ausnutzen
Trump beschuldige Putin jedoch nie — weil er ihn als den Stärkeren betrachte und Selenski als den vermeintlich Schwächeren, dem man die Schuld leichter zuschieben könne.
Folgen für Europa und Deutschland
Für Europa und Deutschland hat die Entwicklung unmittelbare Konsequenzen. Die USA haben ihre Unterstützung für die Ukraine unter Trump bereits weitgehend zurückgefahren. Noch aufrechterhalten wird vor allem die Geheimdienstkooperation — also die Bereitstellung von Intelligence-Informationen.
Genau diese wurde laut Jäger in den Gesprächen in Miami zwischen der Ukraine, EU-Staaten und den USA als Druckmittel eingesetzt: Man drohte, auch diese Unterstützung einzustellen. Europäische Staaten müssten nun Einfluss auf Washington nehmen, um dieses Szenario zu verhindern.
Jäger bewertete Selenskis öffentliche Kritik am Diesel-Deal ausdrücklich als berechtigt und verhältnismäßig: Eine zustimmende Reaktion hätte ein fatales Signal an Europa gesendet — als würde die Ukraine implizit akzeptieren, dass westliche Sanktionen gegen Russland gelockert werden.
Persönliche Frustration als politischer Faktor
Jäger verwies abschließend auf eine psychologische Dimension: Trumps Aggressivität speise sich auch aus tiefer persönlicher Frustration. Der US-Präsident habe gehofft, als großer Friedensvermittler in die Geschichte einzugehen — dieser Traum sei bisher unerfüllt geblieben.
Putin kenne diese Gemütsverfassung und nutze sie gezielt aus. Er führe Gespräche mit Trump, halte ihn bei Laune — und lenke ihn dabei auf einen Weg, der russischen Interessen diene. Solange Trump diese Dynamik nicht durchschaue, werde er weiter als verlängerter Arm russischer Interessen agieren, ohne es zu beabsichtigen. Für die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten bleibt die Lage damit weiterhin hochgradig unberechenbar.
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