Trump fordert Selenski-Ablösung: Kritik aus eigenen Reihen
Trump fordert Selenskis Ablösung und hält die Ukraine für hohe Energiepreise verantwortlich. Experte Nico Lange kritisiert den US-Kurs als Ablenkungsmanöver.
Dieses Video wurde am 11.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der US-Präsident Donald Trump hat seinen Konfrontationskurs gegenüber der Ukraine weiter verschärft. Nach dem angekündigten Dieseldeal mit Russland fordert er nun offen die Ablösung von Präsident Wolodymyr Selenski und macht die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien für die hohen Energiepreise in den USA verantwortlich. Politikberater und Sicherheitsexperte Nico Lange sieht darin ein gezieltes Ablenkungsmanöver kurz vor den US-Zwischenwahlen — und spricht von einem Beweis für Trumps „schlechten Charakter”.
Trump fordert Selenski-Ablösung und dreht Schuldfrage um
Trump äußerte sich unmissverständlich: „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt.” Er warf Selenski vor, trotz zahlreicher Gelegenheiten keine Einigung mit Russland angestrebt zu haben. Gleichzeitig betreibt Trump eine zunehmende Täter-Opfer-Umkehr: Er macht die Ukraine mitverantwortlich für den von Russland begonnenen Angriffskrieg und stellt die ukrainischen Gegenschläge auf russische Energieinfrastruktur als Ursache für wirtschaftliche Probleme in den USA dar.
Die ukrainische Regierung wies diese Forderung umgehend zurück. Außenminister Andrej Sibia schrieb auf X: „Äußerungen aus dem Ausland bestätigen nur, dass er seine Aufgabe gut erfüllt. Er verdient Unterstützung.”
Russland setzt seinen Krieg derweil ungebremst fort. Allein am vergangenen Samstag wurden bei einem Luftangriff mit ballistischen Raketen und Drohnen mindestens 20 Zivilisten getötet.
Kritik aus den eigenen Reihen: Ex-Vize Pence widerspricht Trump
Trumps Kurs stößt auch innerhalb der Republikanischen Partei auf Widerstand. Sein ehemaliger Vizepräsident Mike Pence kritisierte die Aufhebung der Sanktionen gegen russischen Treibstoff scharf:
- Die Entscheidung ergebe „keinen Sinn” angesichts Putins anhaltender Angriffe auf zivile Ziele.
- Sie stelle einen „Verrat am Vermächtnis” des verstorbenen Senators Lindsey Graham dar.
- Graham hatte sich bis zuletzt für eine umfassende finanzielle und militärische Unterstützung der Ukraine eingesetzt.
Pences Widerspruch ist bemerkenswert, da er sich damit offen gegen seinen früheren politischen Ziehvater stellt — in einer Phase, in der Trump innenpolitisch unter erheblichem Druck steht.
Experte Lange: Trump lenkt von selbst geschaffenen Problemen ab
Sicherheitspolitiker Nico Lange liefert eine klare Erklärung für Trumps Verhalten. Die Midterm Elections rücken näher, und Trumps Umfragewerte sind schlecht. Nach Langes Einschätzung droht die Republikanische Partei, beide Häuser des Kongresses an die Demokraten zu verlieren.
Die hohen Energiepreise — und besonders die hohen Dieselpreise — seien maßgeblich auf Trumps eigenen Krieg gegen den Iran und die Blockade der Straße von Hormus zurückzuführen, die eine Normalisierung des Dieselmarktes verhindere. „Trump zeigt seinen schlechten Charakter. Er versucht es jetzt auf die angegriffene Ukraine zu schieben und abzulenken von den Problemen, die er selbst geschaffen hat”, so Lange.
Friedensgespräche torpediert: Energiewaffenstillstand in weiter Ferne
Besonders folgenreich ist Trumps Kurswechsel mit Blick auf laufende Diplomatie. In Florida hatten zuletzt Vertreter der Ukraine, der USA sowie der sogenannten E3 — Deutschland, Frankreich und Großbritannien — konstruktive Gespräche geführt. Im Zentrum stand die Möglichkeit eines Energiewaffenstillstandes, also einer Vereinbarung, bestimmte zivile Energieinfrastruktur auf beiden Seiten aus dem Beschuss herauszunehmen.
Diese Gespräche wurden durch Trumps Ankündigungen torpediert und endeten früher als geplant. Lange bewertet das als schwerwiegenden diplomatischen Fehler:
- Russland hatte einen Energiewaffenstillstand nicht grundsätzlich ausgeschlossen.
- Auch die USA hatten Interesse an einem solchen Arrangement signalisiert.
- Durch die einseitige Lockerung der Russland-Sanktionen gibt Trump jedoch einen wichtigen Verhandlungshebel ohne Gegenleistung aus der Hand.
- Ob die Gespräche wiederaufgenommen werden, ist nach Langes Aussage derzeit vollkommen offen.
„Das ist keine professionelle Diplomatie”, urteilt Lange. Statt Druck auf Moskau aufrechtzuerhalten, stärke Trump de facto die russische Verhandlungsposition — zu einem Zeitpunkt, an dem ein tragfähiger Waffenstillstand zumindest nicht ausgeschlossen schien. Wie sich das transatlantische Verhältnis und die Friedensbemühungen unter diesen Vorzeichen weiterentwickeln, bleibt eine der drängendsten offenen Fragen des Herbstes 2026.
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