Dieses Video wurde am 02.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Debatte um Verbrenner und Elektroauto flammt erneut auf — diesmal ausgelöst durch eine neue Studie, die den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder in seiner Skepsis gegenüber dem geplanten EU-Verbrennerverbot ab 2035 bestärken soll. Automobilwirtschaftsexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer, auch bekannt als der „Automobilpapst“, übt scharfe Kritik an der Studie und am politischen Kurs der CSU. Sein Fazit: Deutschland müsse endlich vorwärtsgehen statt rückwärtsgewandt zu diskutieren — und dürfe sich vor dem chinesischen Wettbewerb nicht verstecken.
Politisch motivierte Studie ohne neue Erkenntnisse
Dudenhöffer bewertet die viel diskutierte Studie als überwiegend politisch motiviert. Inhaltlich liefere sie kaum neue Erkenntnisse: Es handele sich im Wesentlichen um ein sogenanntes White Paper — eine Zusammenfassung bereits bekannter älterer Studien. Die zentralen Aussagen zur Klimabilanz von Elektrofahrzeugen seien in der Fachwelt längst bekannt.
Entscheidend für die Ökobilanz eines Elektroautos sei stets der Energiemix bei der Produktion: Wird die Batterie mit Braunkohle- oder Steinkohlestrom gefertigt, verschlechtert sich die Klimabilanz erheblich. Kommt hingegen erneuerbarer Strom zum Einsatz, verbessert sie sich deutlich. Dudenhöffer betont, dass sich durch gezielte Auswahl der Annahmen nahezu jedes gewünschte Ergebnis produzieren lasse — ein grundlegendes methodisches Problem solcher Vergleichsstudien.
CSU und die Angst vor der AfD als treibende Kraft
Der eigentliche Antrieb hinter Söders erneutem Schwenk zum Verbrennungsmotor sei laut Dudenhöffer ein innenpolitischer: Der Druck der AfD, die das Verbrennerverbot strikt ablehnt, zwinge die CSU dazu, ähnliche Positionen einzunehmen oder zumindest lautstark zu diskutieren.
- Die AfD positioniert sich klar gegen das EU-Verbrennerverbot 2035.
- CDU und CSU reagieren mit zunehmend ähnlichen Forderungen, um Wähler nicht zu verlieren.
- Die Studie dient laut Dudenhöffer als politisches Werkzeug in diesem Wahlkampf-Kontext.
- Eine sachliche Neubewertung der Technologie findet dabei kaum statt.
Dudenhöffer hält diese Entwicklung für problematisch: Die Debatte suggeriere Rückständigkeit und sende falsche Signale an Investoren und die Industrie. Es sei schlicht falsch, die ohnehin beschlossene Regulierung für 2035 schon heute grundsätzlich infrage zu stellen.
Elektromobilität: Klarer Vorteil für Städte und Klima
Trotz aller Methodenkritik an einzelnen Studien steht Dudenhöffer klar hinter dem Weg in die Elektromobilität. Der entscheidende Vorteil liege auf der Hand: Elektrisch betriebene Fahrzeuge stoßen keine Abgase im Stadtverkehr aus. Das verbessere die Luftqualität in dicht besiedelten Ballungsräumen wie München unmittelbar und spürbar.
Zwar seien Detailfragen — etwa zur optimalen Förderstruktur oder zum Tempo des Ausbaus der Ladeinfrastruktur — noch offen und legitimer Gegenstand politischer Diskussion. Die grundsätzliche Richtung jedoch, so der Experte, sei richtig und sollte nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Eine Verbesserung der Gesamtbilanz von rund 40 Prozent gegenüber dem Verbrenner sei auch bei konservativen Annahmen realistisch erreichbar.
China als Maßstab: Keine Schutzräume, sondern Wettbewerb
Besonders deutlich wird Dudenhöffer beim Thema internationale Wettbewerbsfähigkeit. Chinesische Hersteller investieren massiv in Elektrofahrzeuge und gewinnen weltweit Marktanteile. Wer angesichts dieser Entwicklung den Verbrenner verteidigt und auf Regulierungsschutz setzt, der flüchte vor dem Wettbewerb statt ihn anzunehmen.
„Wir dürfen uns vor den Chinesen nicht verstecken”, fasst Dudenhöffer seine Position zusammen. Protektionistische Regulierungen böten allenfalls einen künstlichen Schutz, der in der globalen Realität nicht standhält. Stattdessen müsse die deutsche Automobilindustrie — nach wie vor Rückgrat der deutschen Wirtschaft — mit Kraft und Entschlossenheit in die Elektromobilität investieren, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben.
Ob die Politik diesen Kurs tatsächlich einschlägt oder die Verbrenner-Debatte weiter als innenpolitisches Instrument nutzt, wird sich spätestens mit Blick auf die Wahlen der nächsten Jahre zeigen. Die Weichen für 2035 müssen jedoch heute gestellt werden — da ist sich die Fachwelt weitgehend einig.
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