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Vor 25 Jahren erschütterten die Terroranschläge vom 11. September 2001 die Welt und veränderten die globale Sicherheitsarchitektur grundlegend. Zum Jahrestag warnt der renommierte Terrorexperte Rolf Tophoven eindringlich: Die 9/11-Terrorgefahr durch militant islamistischen Terrorismus ist keineswegs gebannt. Al-Qaida mag in ihrem Kern zerschlagen sein – doch ihre Ableger und Nachfolgeorganisationen breiten sich weltweit aus und nutzen neue Mittel der Radikalisierung. Eine Unterschätzung, so Tophoven, könnte erneut zur Katastrophe führen.
Wie 9/11 die Sicherheitsbehörden weltweit veränderte
Die Anschläge vom 11. September 2001 trafen westliche Sicherheitsbehörden nahezu unvorbereitet. In Deutschland fehlte es nach Einschätzung von Experten an grundlegendem Wissen über den militant islamistischen Terrorismus. Ein früherer Chef eines deutschen Inlandsgeheimdienstes brachte es auf den Punkt: Erst durch die Einstellung von Islamwissenschaftlern sei klar geworden, was den Islam als Religion ausmacht – und wie er politisch instrumentalisiert werden kann.
Seither wurde in Deutschland massiv aufgerüstet. Vom Bundeskriminalamt über die Verfassungsschutzbehörden bis hin zum Bundesnachrichtendienst wurden Islam- und Terrorismusexperten eingestellt. Auch in den USA entstanden nach 9/11 weitreichende neue Strukturen:
- Aufbau eines eigenen Heimatschutzministeriums mit rund 200.000 Mitarbeitenden
- Einführung des Patriot Act mit erweiterten Befugnissen für Innenbehörden
- Intensivierung internationaler Geheimdienstkooperation
- Massive Investitionen in islamkundliche Expertise bei Sicherheitsbehörden
Heute sei die Kenntnis der islamistischen Bedrohungslage deutlich besser als vor 25 Jahren, so Tophoven – doch vollständige Sicherheit biete das nicht.
Al-Qaida in neuem Gewand: IS und globale Ableger
Der Kern von Al-Qaida gilt als weitgehend zerschlagen. Doch die Organisation hat sich zersplittert und ihre Ideologie in neuen Strukturen fortgeführt. Tophoven spricht von „Tentakeln des Terrors”, die sich weltweit ausgebreitet haben. Die bedeutendste Weiterentwicklung ist der sogenannte Islamische Staat (IS), der Al-Qaidas Ideologie in radikalisierter Form weiterführt.
Der IS postulierte nicht nur einen Gottesstaat – er verwirklichte ihn vorübergehend: Von 2014 bis 2019 kontrollierte die Organisation weite Teile Syriens und des Iraks und errichtete damit den ersten terroristischen Pseudo-Staat der modernen Geschichte. Weitere Al-Qaida-Ableger sind heute vor allem in Afrika aktiv, insbesondere in der Sahelzone – in Ländern wie Mali, Niger und Somalia.
Die militärischen Interventionen der USA in Afghanistan und im Irak haben dabei keine nachhaltige Lösung gebracht. Die Niederlagen in beiden Ländern gelten in der Terrorismusbekämpfung heute als abschreckendes Beispiel für die Grenzen militärischer Gegenstrategien.
Neue Bedrohungsformen: Social Media und Drohnen
Tophoven warnt ausdrücklich davor, die Bedrohungslage auf bekannte Angriffsmuster zu reduzieren. Messer, Axt, Fahrzeug – diese einfachen Tatmittel prägen zwar das Bild des aktuellen Terrorismus, etwa bei den jüngsten Anschlägen in Deutschland, darunter der Angriff beim CSD in Berlin. Doch die Gefahr geht weiter.
Zwei Entwicklungen beunruhigen den Experten besonders:
- Radikalisierung über Social Media: Terrorgruppen nutzen soziale Netzwerke systematisch zur Rekrutierung und Propaganda – mit wachsender Reichweite und Effizienz.
- Technologisch aufgerüstete Angriffe: Tophoven schließt nicht aus, dass künftig mit Sprengstoff beladene Drohnen gegen Menschenansammlungen oder Großveranstaltungen eingesetzt werden könnten.
Die Strategen hinter dem Terror seien keine unbedarften Akteure, betont der Experte. Eine Unterschätzung ihrer Fähigkeiten wäre fatal – so wie Al-Qaida einst unterschätzt wurde, mit den bekannten katastrophalen Folgen.
Ausblick: Wachsamkeit bleibt das Gebot der Stunde
25 Jahre nach 9/11 ist die Welt sicherheitspolitisch eine andere. Die Institutionen sind gestärkt, das Wissen über islamistischen Extremismus gewachsen. Doch der militant islamistische Terrorismus hat sich angepasst, dezentralisiert und modernisiert. Der Islamische Staat steht dabei exemplarisch für eine Bewegung, die Al-Qaidas Erbe in radikalerer Form weiterträgt.
Für Sicherheitsbehörden in Deutschland und weltweit bedeutet das: Kontinuierliche Analyse, technologische Wachsamkeit und internationale Zusammenarbeit bleiben unverzichtbar. Der Kampf gegen den Terror ist kein abgeschlossenes Kapitel – er verlagert sich, verändert seine Gestalt und fordert jede Generation neu heraus.
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