US-Midterms 2026: Droht Trump eine Schlappe?
Bei den US-Midterms 2026 hoffen die Demokraten auf einen Denkzettel für Trump. Reporter bereisten den mittleren Westen und den Süden – was Wähler wirklich bewegt.
Dieses Video wurde am 02.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Bei den US-Midterms 2026 stehen die Republikaner unter Druck: Die Demokraten wittern ihre Chance, Präsident Donald Trump einen empfindlichen Denkzettel zu verpassen. Reporter bereisten für ein aufwändiges Stimmungsbild den mittleren Westen und den tiefen Süden der USA – von Missouri über Arkansas und Mississippi bis nach Louisiana und Texas. Das Ergebnis ist ein vielschichtiges Bild zwischen Enttäuschung, hartnäckiger Loyalität und überraschend großem demokratischem Enthusiasmus.
Stimmung im mittleren Westen: Treue trotz Frust
Beim Oktoberfest in St. Charles, Missouri, zeigt sich das typische Spannungsfeld: Viele Besucher stehen weiter zu Trump, räumen aber ein, dass manches besser laufen könnte. „Wir müssen einfach nur geduldig sein”, sagt ein Festbesucher stellvertretend für viele.
Auf einem Sojabohnenfeld in Sperie trifft das Reporterteam Kevin, Vorsitzenden der Missouri Sojabohnenvereinigung. Er erntet mit einem eine Million Dollar teuren Mähdrescher – und mit wachsenden Sorgen. Die Betriebskosten sind seit Covid um 30 bis 35 Prozent gestiegen, die Gewinnmargen schrumpfen. Dennoch: An Trumps Politik hält Kevin fest. „In seiner ersten Amtszeit war er für die Farmer sehr gut”, sagt er. Eine politische Alternative liegt für ihn „weit hinter dem Horizont”.
Der Süden: Demokraten kämpfen in unwirtlichem Terrain
In Arkansas, das Trump zuletzt mit 30 Prozent Vorsprung gewann, versucht die demokratische Senatorin Helly Schofner das scheinbar Unmögliche. Ihr Argument: „Die Preise explodieren im Supermarkt und an der Tankstelle – die Menschen sind bereit für jemanden, der ihren Sorgen zuhört.” Sie berichtet, immer häufiger den Satz zu hören: „Ich habe für Donald Trump gestimmt, aber jetzt ist Zeit für einen Wechsel.”
In Mississippi und Louisiana ähneln sich die Kulissen. Demokratische Kandidaten kämpfen mit wenig Geld und gegen ungünstig zugeschnittene Wahlbezirke, berichten aber von wachsendem Zulauf. Gleichzeitig zweifeln Wähler wie Shrimpfischer David an den Demokraten – er wirft der Obama-Administration vor, hart erkämpfte Schutzzölle gegen Billigimporte wieder einkassiert zu haben, und bleibt Trump-Fan.
- Arkansas: Trump gewann 2024 mit rund 30 Prozent Vorsprung
- Mississippi: Republikanischer Vorsprung bei etwa 23 Prozent
- Louisiana: Demokratische Kandidatur unter erschwerten Bedingungen durch Wahlkreis-Neuzuschnitte
- Missouri: Landwirte trotz steigender Kosten mehrheitlich pro-republikanisch
Texas: Das Duell um den Senatssitz
Der vielleicht bedeutendste Einzelkampf dieser Midterms spielt sich in Texas ab. Der 37-jährige frühere Mittelschullehrer James Telerico könnte als erster Demokrat seit mehr als 30 Jahren einen landesweiten Sitz in Texas gewinnen. Sein Gegner: der republikanische Hardliner Ken Paxton, unterstützt von Trump persönlich und – laut Telerico-Kampagne – von Elon Musk.
Trump reiste allein im Oktober zum dritten Mal nach Texas, um Paxton zu stützen. 2018, bei den Midterms seiner ersten Amtszeit, hatte er das nur einmal getan – ein deutliches Zeichen der Nervosität im republikanischen Lager. Viele der Tausenden, die zu Trumps Auftritt kamen, sagten offen: Sie seien wegen Trump gekommen, nicht wegen Paxton. In Umfragen liegt Telerico knapp vorn, doch es bleibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Deutschstämmige in Texas: Konservative Bastion mit Bierkultur
Ein besonderes Kapitel liefert Fredericksburg, eine Stadt im Herzen von Texas, die Mitte des 19. Jahrhunderts von deutschen Einwanderern gegründet wurde. Rund 80 Prozent der Einwohner haben deutsche Wurzeln. Das spürt man: in der Altstadtbrauerei mit 20.000 Hektoliter Jahresproduktion, in der Bäckerei mit Apfelstrudel und in Wurstläden mit echter Handwerksware.
Politisch ist Fredericksburg eine republikanische Hochburg. Beim letzten Abgeordnetenhauswahlkampf stand nur ein republikanischer Kandidat auf dem Wahlzettel und erhielt 100 Prozent der Stimmen. Viele Bewohner führen ihre konservative Haltung auf deutsche Werte zurück: harte Arbeit, Eigenverantwortung, Skepsis gegenüber staatlicher Hilfe. „Die Deutschen sind konservative Menschen – sie schätzen die konservativen Werte, für die die Trump-Administration steht”, sagt Rinderfarmer Wesley Schneider.
Ob Trumps Popularitätsverlust in anderen Teilen des Landes auch diese Stammwähler erreicht, bleibt abzuwarten. Die US-Midterms 2026 dürften zeigen, ob die demokratische Aufbruchsstimmung im Süden und in Texas groß genug ist, um jahrzehntelange republikanische Mehrheiten zu kippen – oder ob Trumps Mobilisierungskraft einmal mehr unterschätzt wurde.
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