Midterms 2026: Trumps Machtverlust und Börsenfolgen
Bei den Midterms 2026 droht Trump der Verlust beider Kongresskammern. Was das für seine Politik, den Irankrieg und die US-Börsen bedeutet – eine Einschätzung.
Dieses Video wurde am 03.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Midterms 2026 könnten das politische Machtgefüge in den USA grundlegend verschieben. Bei den heutigen Kongresswahlen stehen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie rund ein Drittel der 100 Senatssitze zur Wahl. Laut Prognosemärkten deutet vieles auf einen deutlichen Sieg der Demokraten hin – sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat. Was das für Präsident Donald Trump, die US-Wirtschaft, den Irankrieg und die Finanzmärkte bedeutet, ist Gegenstand intensiver Debatte.
Demokraten als klare Favoriten bei den Kongresswahlen
Ökonom Jörn Quitzau, Chefökonom bei Bergos, rechnet fest mit einem Sieg der Demokraten in beiden Kammern des Kongresses. Im Repräsentantenhaus liegt die Wahrscheinlichkeit laut Prognosemärkten bei rund 95 Prozent für einen demokratischen Gewinn. Im Senat ist das Bild etwas offener, doch auch hier sind die Wahrscheinlichkeiten zuletzt auf rund 80 Prozent gestiegen.
Bislang halten die Republikaner eine hauchdünne Mehrheit in beiden Kammern. Ein Verlust würde Trump politisch erheblich schwächen. Quitzau spricht in diesem Zusammenhang von einer „Lame Duck”-Situation: Trump würde seine wirtschaftspolitische Gestaltungsmacht weitgehend einbüßen. Die Demokraten dürften versuchen, Trumps Vorhaben zu blockieren und bereits umgesetzte Maßnahmen teilweise zurückzudrehen.
Im Wahlkampf dominierten wirtschaftliche Themen die öffentliche Debatte. Hohe Supermarktpreise und gestiegene Spritpreise infolge des Irankriegs haben viele Wählerinnen und Wähler belastet und Trumps Zustimmungswerte gedrückt.
Trumps Außenpolitik als zentrales Risiko
Auch wenn Trump innenpolitisch als „Lame Duck” gelten würde, bedeutet das keinen Rückzug. Quitzau warnt ausdrücklich: „Er wird sich seine Bühne suchen.” Die größte Unsicherheit liegt in der Außen- und Militärpolitik – konkret im Umgang mit dem Iran.
Der Ölpreis hat sich zuletzt der Marke von 120 US-Dollar je Barrel angenähert, getrieben durch die anhaltende Zuspitzung im Irankonflikt. Selbst wenn zwischenzeitlich Öl wieder geflossen ist, bleiben die Absicherungskosten hoch und wirken sich auf den Weltmarktpreis aus. Ein erneuter militärischer Eskalationsschub könnte die Preise kurzfristig noch weiter nach oben treiben.
Gleichzeitig ist ein sinkender Ölpreis für Trump innenpolitisch überlebenswichtig: Die hohen Lebenshaltungskosten sind der zentrale Vorwurf, den Wähler an ihn richten. Entspannung an der Zapfsäule wäre ein wichtiges Signal – unabhängig davon, wie der Kongress besetzt ist.
Wirtschaft und KI-Boom als stabilisierende Faktoren
Trotz politischer Turbulenzen steht die US-Wirtschaft vergleichsweise solide da. Das Wachstum liegt bei rund 2 Prozent, gestützt durch eine expansive Fiskalpolitik und hohe Staatsausgaben. Als dominierender Treiber gilt der anhaltende KI-Boom, der unabhängig von der politischen Konstellation in Washington Fahrt aufnimmt.
- Wirtschaftswachstum von rund 2 % trotz politischer Unsicherheiten
- KI-Boom als wichtigster Konjunkturmotor
- Hohe Haushaltsdefizite stützen die Binnenkonjunktur
- Gestiegene Ölpreise belasten Verbraucher und Inflation
Diese Faktoren relativieren laut Quitzau den direkten wirtschaftspolitischen Einfluss eines geschwächten Präsidenten. Vieles laufe strukturell – unabhängig davon, wer in Washington das Sagen hat.
Börsenreaktion und Ausblick auf 2028
An den Finanzmärkten ist ein demokratischer Wahlsieg bereits weitgehend eingepreist. Quitzau erwartet deshalb keine großen Kursbewegungen unmittelbar nach der Wahl. „Kleine Änderungen wird es immer geben”, so der Ökonom, „aber insgesamt ist das eingepreist.”
Größere Relevanz für die US-Börsen hat nach seiner Einschätzung der Blick auf die Präsidentschaftswahl 2028. Sollten die Demokraten dort das Ruder übernehmen, hängt vieles davon ab, welcher Flügel der Partei sich durchsetzt. Ein linker wirtschaftspolitischer Kurs – gemessen an amerikanischen Verhältnissen – könnte die Börsenaussichten langfristig eintrüben.
Kurzfristig bleibt der DAX ebenfalls in Abwartehaltung: Vor dem Hintergrund der Midterms und eines erneut leicht steigenden Ölpreises liegt das Minus am deutschen Leitindex bei rund 0,7 Prozent. Die Kongresswahlen in den USA senden damit auch nach Europa spürbare Signale – politisch wie wirtschaftlich.
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