Ukraine-Krieg: Energieinfrastruktur am Limit
Russlands Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine treffen Millionen Menschen hart. Strom- und Wasserausfälle in Kiew und anderen Städten drohen zur humanitären Katastrophe zu werden.
Dieses Video wurde am 05.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine befindet sich an Tag 1716 – und Russlands systematische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur zeigen verheerende Wirkung. In der Hauptstadt Kiew sitzen Haushalte bereits tagelang ohne Strom, die Wasserversorgung bricht zusammen, und verzweifelte Bürger blockieren große Einfallstraßen. Die humanitäre Lage verschärft sich mit jedem Kälteeinbruch – und Experten warnen bereits vor Infektionskrankheiten wie Cholera oder Typhus, sollte sich die Situation weiter zuspitzen.
Zermürbungsstrategie: Der „Krieg der Städte”
Ukrainische wie russische Militärbeobachter sprechen inzwischen offen vom „Krieg der Städte” – einem Kampf, der sich nicht an der Front, sondern tief im Hinterland abspielt. Russland verfolgt dabei eine klare Strategie: Durch massive Angriffe auf die zivile Infrastruktur soll der Gegner zermürbt, die Bevölkerung erschöpft und der Preis des Krieges so weit in die Höhe getrieben werden, dass die Ukraine den Konflikt nicht mehr fortführen kann.
Betroffen sind nicht nur Kraftwerke, sondern die gesamte Versorgungskette: Hochspannungsleitungen, die Strom von den Atomkraftwerken in die Städte transportieren, sowie Umspannwerke, die den Starkstrom für den Haushaltsgebrauch heruntertransformieren, werden gezielt angegriffen. In Kiew sind inzwischen alle drei großen Wärmekraftwerke praktisch nicht mehr einsatzfähig.
Auch die Ukraine greift ihrerseits Infrastruktur auf besetztem Gebiet an – etwa auf der Krim, wo Städte wie Simferopol und Sewastopol laut Berichten mit ähnlichen Versorgungsengpässen kämpfen.
Kiew im Ausnahmezustand: Strom- und Wasserausfälle
Die Lage in Kiew ist bereits jetzt – Anfang November – kritisch. Die Drei-Millionen-Metropole hängt am Tropf von kleinen mobilen Kraftwerken und den verbliebenen Atomkraftwerken des Landes. Über 20 Stunden ohne Strom am Stück sind keine Ausnahme mehr, sondern Alltag für viele Stadtteile.
Noch gravierender ist der Ausfall der Wasserversorgung. Wenn Pumpstationen und Wasseraufbereitungsanlagen wegen fehlenden Stroms ausfallen, folgt nach wenigen Stunden auch der Wassermangel. Kläranlagen, die auf elektrische Energie angewiesen sind, drohen ebenfalls stillzustehen.
- Haushalte in Kiew berichten von bis zu 20-stündigen Stromausfällen am Stück
- Wasserausfälle von bis zu zwei Tagen wurden in zentralen Stadtbezirken registriert
- Drei Wärmekraftwerke in Kiew sind weitgehend außer Betrieb
- Betroffen sind landesweit Städte wie Dnipro, Lwiw und Odessa
- Mit sinkenden Temperaturen verschärft sich die Lage weiter
Besonders hart trifft die Situation Familien mit Kindern. Wer tagelang ohne Heizung, Licht und fließendes Wasser auskommen muss, steht vor einer Belastungsprobe, die weit über bloße Unannehmlichkeiten hinausgeht.
Droht eine humanitäre Katastrophe?
Experten und Korrespondenten vor Ort warnen eindringlich: Sollten die Ausfälle der Klärwerke über mehrere Tage anhalten, könnten Infektionskrankheiten wie Cholera, Typhus oder Ruhr ausbrechen. Eine solche Entwicklung würde die ohnehin belastete Bevölkerung weiter destabilisieren und die ukrainischen Behörden vor nahezu unlösbare logistische Aufgaben stellen.
Beobachter verweisen auf den Trend der vergangenen Winter: Während die Bevölkerung sich 2023/24 auf rund zehn Stunden Stromausfall täglich eingestellt hatte, drohen für den Winter 2024/25 Ausfallzeiten von bis zu 20 Stunden. Die Belastungsgrenze der Infrastruktur – und der Menschen – rückt damit näher.
Politische Debatten um Neutralität und Verhandlungen
Parallel zur humanitären Lage verschärft sich in Deutschland die politische Debatte über den Umgang mit dem Krieg. Die frühere Sprecherin von Präsident Selenskyj, Julia Mendel, warb bei einer Veranstaltung der AfD-Bundestagsfraktion für eine neutrale Ukraine ohne NATO- oder EU-Mitgliedschaft. Sie kritisierte Selenskyj scharf und argumentierte, ein schlechter Frieden sei besser als ein langer Krieg.
Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, lehnte eine Teilnahme an der Veranstaltung ab. Die Ukraine werde weder gegenüber Kriegsverbrechen neutral bleiben noch wehrlos dasitzen, so seine Position. AfD-Chef Alice Weidel und andere Parteivertreter forderten Bundeskanzler Friedrich Merz auf, direkte Gespräche mit Russland aufzunehmen.
Die Lage an der Front, die zerstörte Infrastruktur und der politische Druck aus verschiedenen Richtungen machen deutlich: Der Ukraine-Krieg ist längst kein rein militärischer Konflikt mehr – er ist ein Zermürbungskrieg, der die gesamte Gesellschaft erfasst hat. Wie lange die ukrainische Bevölkerung diesen Druck aushält, wird einer der entscheidenden Faktoren für den weiteren Verlauf des Konflikts sein.
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