Dieses Video wurde am 04.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die transatlantischen Beziehungen stehen unter wachsendem Druck: Ein angekündigter US-Truppenabzug aus Deutschland, das Ausbleiben amerikanischer Mittelstreckenraketen und neue Zolldrohungen gegen EU-Autos sorgen für Unruhe. Ex-Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, heute Vorsitzender der Atlantikbrücke, ordnet die Entwicklungen im tagesthemen-Interview ein – und plädiert für mehr Besonnenheit, aber auch für entschlossenes Handeln Europas.
Truppenabzug: kein Schock, aber ein klares Signal
Der angekündigte Abzug US-amerikanischer Soldaten aus Deutschland ist für Gabriel kein dramatischer sicherheitspolitischer Einschnitt – wohl aber ein weiteres Zeichen einer langfristigen Entwicklung. „Zu Zeiten des Kalten Krieges hatten wir das Zehnfache an US-Soldaten bei uns”, erinnert er. Bereits vor Donald Trump habe die Tendenz bestanden, dass sich die USA aus Europa zurückzögen und stärker Richtung Asien-Pazifik orientierten – unterbrochen nur durch die Biden-Jahre.
Für die betroffenen Ortschaften sei die Lage schwierig, sicherheitspolitisch jedoch keine Katastrophe. Gabriel kritisiert aber das wiederkehrende Muster: Europa reagiere immer wieder überrascht auf Signale, die seit Jahren absehbar seien. „Dieses Wegruf-Gerede kann ich auch nicht mehr hören”, so Gabriel. Stattdessen müssten Taten folgen.
Bundeswehr und Mittelstreckenraketen: Europa muss selbst handeln
Die Bundesregierung habe bereits reagiert: Der Verteidigungsetat wurde deutlich erhöht, die Truppenstärke der Bundeswehr schrittweise ausgebaut. Ziel sei eine Armee, die wieder zur Territorialverteidigung fähig ist. Gabriel betont jedoch, dass vollständige Unabhängigkeit von den USA nicht von heute auf morgen erreichbar sei und ein Zeitraum von mindestens zehn Jahren realistisch einzuplanen sei.
Schwerwiegender als der Truppenabzug bewertet Gabriel das Ausbleiben der geplanten US-Mittelstreckenraketen in Deutschland. Auch hier sieht er aber keinen Grund zur Panik: Deutsche Unternehmen arbeiten bereits an eigenen Raketensystemen. Die technische Hürde sei überwindbar – es brauche vor allem Investitionen und eine klare strategische Richtung.
Zentrale Punkte für die europäische Sicherheitsarchitektur:
- Deutliche Erhöhung der Verteidigungsetats in ganz Europa
- Aufbau eigener europäischer Raketenkapazitäten
- Stärkung der Bundeswehr für die Territorialverteidigung
- Engere Kooperation mit Großbritannien und Kanada im NATO-Rahmen
- Langfristige Perspektive: Eigenständigkeit braucht mindestens ein Jahrzehnt
Zolldrohungen: Stärke statt Beschwichtigung
Auch auf wirtschaftlicher Ebene erhöht die Trump-Regierung den Druck: Neue Zolldrohungen gegen EU-Autos treffen vor allem Deutschland. Gabriel rät zunächst zur Beobachtung – noch sei unklar, ob die Maßnahmen tatsächlich kommen und welche Rechtslage in den USA gilt. Trump sei bereits bei der ersten Zollrunde vor Gericht gescheitert.
Sollten die Zölle kommen, spricht sich Gabriel klar für eine entschlossene europäische Antwort aus. Die Europäische Union sei nicht schutzlos: Insbesondere gegenüber großen US-Technologiekonzernen verfüge Europa über wirksame Druckmittel. „Gegenüber dieser Regierung hilft Diplomatie wenig, aber Stärke schon”, so Gabriel. Wirtschaftliche Stärke sei dabei sogar dringlicher aufzubauen als militärische.
Atlantikbrücke und Kanada: neue Partner für Europa
Als Vorsitzender der Atlantikbrücke richtet Gabriel den Blick auch auf Kanada als wachsenden Partner. Das Land, das er als „europäischer als mancher EU-Mitgliedstaat” beschreibt, gewinne strategisch an Bedeutung – wirtschaftlich wie militärisch. Beim Treffen in Eriwan nahm der kanadische Premier gemeinsam mit europäischen Staats- und Regierungschefs teil.
Gabriel betont jedoch, Kanada und die USA dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Vielmehr gehe es darum, innerhalb der NATO einen starken europäischen Pfeiler zu errichten – gemeinsam mit Großbritannien und Kanada, der über die EU hinausreicht. Dass Wladimir Putin und Russland von einer westlichen Uneinigkeit profitierten, sei dabei für alle Beteiligten offensichtlich.
Gabriels Botschaft ist klar: Die transatlantische Partnerschaft bleibt unverzichtbar, doch Europa muss endlich aufhören, Weckrufe zu kommentieren – und anfangen, eigenständig zu handeln. Die Weichen dafür seien gestellt; jetzt komme es auf Konsequenz und Investitionsbereitschaft an.
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