Dieses Video wurde am 04.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Debatte über Gerechtigkeit im deutschen Gesundheitssystem ist neu entfacht: Wie lange dauert es, bis gesetzlich Versicherte einen Facharzttermin bekommen – und warum kommen Privatpatienten oft schneller dran? Bei Hart aber fair diskutierten Mediziner, Gesundheitsexperten und eine Studierende der Gesundheitswissenschaften über Zweiklassenmedizin, strukturelle Mängel und die Frage, ob das System überhaupt noch für alle gleich funktioniert. Das Ergebnis war ein vielschichtiges Bild, das weit über die klassische Gegenüberstellung von privat und gesetzlich versichert hinausgeht.
Terminvergabe: Privat vor gesetzlich versichert?
Ein zentraler Streitpunkt ist die unterschiedliche Wartezeit auf Facharzttermine. Auf digitalen Buchungsportalen lässt sich laut Diskussionsteilnehmerin Klara Schlagowski eindeutig beobachten, dass Privatversicherte deutlich frühere Termine angeboten bekommen als gesetzlich Versicherte. Kassenarzt Nicolai Gassen erklärte dies mit einem strukturellen Problem der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV): Ärzte erhalten nach Ausschöpfung ihres Quartalsbudgets für weitere GKV-Patienten keine Vergütung mehr.
Das führt dazu, dass Arztpraxen wirtschaftlich kaum Anreize haben, nach der Budgetgrenze weitere Kassenpatienten anzunehmen. Gleichzeitig, so Gassen, gibt es in vielen Regionen schlicht zu wenige Ärzte – unabhängig von der Versicherungsart.
Mehr als zwei Klassen: Ein gestaffeltes System
Schlagowski, die neben ihrem Studium in einem Krankenhaus arbeitet, widersprach dem Begriff Zweiklassenmedizin als zu vereinfachend. Ihr Gegenvorschlag: Sechsklassenmedizin. Sie unterschied dabei folgende Gruppen:
- Privatversicherte mit Zugang zu Chefarztbehandlung, Privatkliniken und Privatpraxen
- Selbstzahler unter den GKV-Versicherten, die sich schnellere Termine erkaufen
- GKV-Versicherte mit Kontakten im Gesundheitswesen oder in privilegierten sozialen Netzwerken
- Standardversicherte, die den Leistungskatalog der GKV nutzen und länger warten
- GKV-Versicherte mit Zugangsbarrieren – etwa ältere, chronisch kranke oder behinderte Menschen sowie Bewohner strukturschwacher Regionen
- Menschen ohne Krankenversicherung – laut Schlagowski über 70.000 Personen, mit steigender Tendenz
Steuerung und Systemreform als Schlüssel
Gassen betonte, dass ein Kernproblem der ungesteuerte Zugang zu Ärzten und Psychotherapeuten sei. Da niemand seine medizinische Notwendigkeit nachweisen müsse, um einen Termin zu bekommen, gelangten häufig jene zuerst in die Praxis, die am häufigsten anriefen – nicht unbedingt jene mit dem dringlichsten Bedarf.
Eine bessere Patientensteuerung und -koordination könnte den Druck auf Praxen mindern und gleichzeitig sicherstellen, dass Patienten tatsächlich die für sie geeignete Versorgung erhalten. Als bestehende Anlaufstelle nannte Gassen die Servicenummer 116 117, die bei der Terminvermittlung helfen soll.
Ein weiterer Reformansatz, der in der Diskussion Anklang fand: Das System müsse weg von einer Vergütung, die Krankheit belohnt, hin zu einer Förderung von Prävention und Gesunderhaltung.
Pflegende Angehörige als blinder Fleck
Mitdiskutant Eckert wies auf eine häufig übersehene Gruppe hin: pflegende Angehörige. Ihre unbezahlte Arbeit übersteige das Fünffache des gesamten Pflegeversicherungsbudgets – und dennoch würden sie in der gesundheitspolitischen Debatte kaum wahrgenommen. Dabei seien es genau diese Menschen, die das System durch ihre private Leistung erst stabilisierten.
Gassen mahnte trotz aller Kritik zur Verhältnismäßigkeit: Das deutsche Gesundheitssystem gehöre nach wie vor zu den leistungsfähigsten weltweit. Die eigentliche Herausforderung bestehe darin, den niedrigschwelligen Zugang zur Versorgung – von der Psychotherapie über den Hausarzt bis zum Zahnarzt – langfristig finanziell zu sichern. Ob die aktuellen Reformschritte der Gesundheitsministerin dafür der richtige Weg seien, blieb in der Runde umstritten.
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